Wolfgang Weinberg
*31.8.1924 in Breslau; ✡ März 1943 in Auschwitz
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Hugo Weinberg *1.2.1892 in Bielefeld; ✡ März 1943 in Auschwitz
Mutter Lucie Sachs *20.0.1899 in Breslau; ✡ März 1943 in Auschwitz
Großeltern Abraham Weinberg und Selma Meyer (*12.2.1856 Göttingen, 8.10.1942 in Theresienstadt)
Tanten/Onkel
Nanny Weinberg *1.1.1883 Bielefeld; oo Moses Baer (1887-1943)
Frieda Weinberg *1884 in Bielefeld; 27.5.1884 in Bielefeld
Louis Weinberg *23.5.1886 in Bielefeld; 6.7.1918 in Bielfeld
Paula Weinberg *26.9.1889 in Bielefeld; oo Adolf Schimmeck
Geschwister
Ursula Weinberg *5.5.1929 in Breslau; ✡ März 1943 in Auschwitz
Beruf Praktikant-
Adressen Breslau; Schniebinchen, Sorau
Heirat ledig-
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
1939 Wolfgang Weinberg zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Wolfgang Weinberg registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“
31.7.1941 Auflösung Schniebinchen, Ludwig Kuttner und seine Familie und eine Gruppe von Jugendlichen gehen ins Lager Paderborn, Fanny Bergas und andere ins Landwerk Neuendorf.
Fabrikaktion
20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert; auch in Schlesien Ende Februar 1943 im Rahmen der „Fabrikaktion“ verhaftet und mit ihren Familien in Sammellager eingeliefert. Der Transport aus Breslau wurde behördlicherseits als „VII. Aktion“ bzw. „Märzwelle“ bezeichnet.


4.3.1943 Wolfgang Weinberg mit seinen Eltern und Schwester Ursula ab Breslau nach Auschwitz
Abfahrtsdatum: 05.03.43, Herkunft: Breslau – Oppeln, Deportierte: 1405
Gedenken
25.5.1956 Pages of Testimony für die Eltern Hugo und Erna von Cousin Ari Baer
Quellen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de988370
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_sln_43a.html
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430305_Breslau60.jpg