Alice Weinreb
*3.2.1919 in Frankfurt; ? ✡Jan 2017 in Vancouver ?
Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Moritz Weinreb *6.7.1887 in Olchowka
Mutter Clara Polack *1888; ✡ 1921 in Höchst
Geschwister
Irene Weinreb *Dez. 1915 in Höchst; oo Henry Reiss; oo Schmalbach
Edith Weinreb *22.10.1917 in Höchst; ✡Feb. 2004 in Leeds; oo Culman
Artur Weinreb *23.1.1915 in Höchst; ✡Okt 1988; oo Chana Miretzky
Beruf Praktikantin-
Adressen FrankfurtBahnstraße1/Bolongarostraße 147; Schniebinchen, Sorau
Heirat Kalman Karl Lindenberg *18.7.1913
Kinder –
Weiterer Lebensweg

Jüdisches Adressbuch Frankfurt 1935
28.9.1936 Einreise von Schwester Irene in Haifa auf der SS GALILEA
Polenaktion
28.10.1938 Ausweisung des Vaters nach Zbaszyn
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
Sommer 1939 Emigration von Alice Weinreb nach England; sie geht auf die Hachschara Farm Manor Farm, Tingrith, Ampthill, Bedfordshire; dort lernt sie den Chaluz Kalman Lindenberger kennen
Heirat mit Kalman Lindenberger
Der weitere Weg ist bisher ungesichert. Das Ehepaar soll nach Israel und später in die USA ausgewandert sein
Gedenken
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Quellen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage