Lina Karolina Wolff
*7.8.1920 in Aurich
Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Benno Benjamin Wolff *5.2.1883 in Aurich; ✡ November 1941
Heirat der Eltern 19.8.1919 in Aurich
Mutter Regina geb. Wolff *14.4.1890 in Aurich; ✡ November 1941
Tante Marianne Kussel geb. Wolff *11.6.1891in Aurich; ✡ November 1941
Onkel Hugo Kussel *16.2.1894 Gruiten, Mettmann; 1945Todesmarsch ab Ravensbrück
Geschwister
Fanni Zipora Wolff *24.9.1921 in Aurich; ✡ 29.12.1954 in Kiriat Bialik; oo Reuven Weitzner
Selma Wolff *15.6.1923 in Aurich; ✡ 13.11.1987 in Beer Sheva
Cousine Elfriede Kussel
Beruf –
Adressen Aurich, Marktstraße 2; Wuppertal; Schniebinchen, Sorau

Heirat 29.5.1942 Haim Joachim Zucker *1915
Kinder
Nurit Zuker *1944; oo Jakov Golda
Raaja Zuker *1951; oo Meir Eshet
Weiterer Lebensweg
April 1936 Lina Wolff nach Wuppertal verm. als Haushilfe
Juni 1936 Fanni Wolff zur Hachschara in Gut Winkel
Juni 1937 Fanni als Haushilfe bei Fam. Neter in Mannheim
Mai 1938 Selma Wolff nach Mannheim
10.12.1938 Abmeldung von Selma aus Mannheim
5.2.1939 Abmeldung von Fam Neter nach Palästina; Fanny zurück nach Aurich
Novemberpogrom
10.11.1938 Vater Benno und Onkel Hugo verhaftet
10.11.1938 Novemberpogrom in Aurich; die Verwüstungen und das Abbrennen der Auricher Synagoge wurden vom Führer des Auricher SA-Sturmbannes Eltze angeführt. Dieser war von der SA-Gruppe Nordsee vermutlich kurz vor Mitternacht informiert worden.
Internierung der Auricher Juden im KL Sachsenhausen, Frauen und Kinder werden tagsüber entlassen
Vater Josef von der Wall wie alle männlichen Juden verhaftet und in der in der Landwirtschaftlichen Halle „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. SA-Sportwart Wilhelm Bock ließ die „Schutzhäftlinge“ „Bullenhalle“ in entwürdigender Weise „Sport“ treiben.
Internierung der Auricher Juden im KL Sachsenhausen; Vater Hugo bekommt die Häftlingsnummer 10448, Hugo Kussel die Nr.10188


17.12.1938 Entlassung von Vater Benno und Onkel Hugo aus dem KL Sachsenhausen
Minderheitenzählung
17.5.1939 Lina Wolff registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
17.5.1939 Die Eltern Benno und Regina mit Schwester Fanny Wolff in Aurich, Marktstraße 2
17.5.1939 Tante Marianne mit Ehemann und Tochter Elfriede Kussel in Aurich, Marktstraße 18
Juni 1939 Schwester Fanny zur Hachschara in Gut Winkel
Sommer 1939 Emigration der Schwestern Fanny und Selma nach England am ehesten mit „domestic permit“
29.9.1939 Fanny Wolff als Haushilfe bei Familie Kay in 20, Methuen Road, Bournemouth, Hampshire bei britischem Census
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Anfang 1939 Lina Wolff zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Lina Wolff registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
Alija beth auf der SS HILDA – Sonderhachschara 2
12.10.1939 Bahnfahrt von Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien; die zweite Hälfte des Transportes kam von Breslau nach Wien
14.10. 1939 Ankunft in Wien, über die Schwarzmeerroute Bratislava, Budapest, Belgrad, Bukarest
6.11.1939 Ankunft in Sulina, Schwarzmeer-Hafen
26.11.1939 Abfahrt mit 729 Passagieren auf der SS HILDA
15.1.1940 hinter den Dardanellen von britischer Marine gestoppt und geentert
22.1.1940 Ankunft vor der Dreimeilen-Zone vor Haifa
24.1.1940 Britische Mandatsbehörden verweigern die Landung
29.1.1940 Ankunft Haifa nach Abschluß von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung
29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Athlit verbracht
14.2.1940 Registrierung von Lina Wolf in Athlit; sie gibt als Referenz den Lagerleiter Martin Gerson an, als Gemeindeältesten Rabbi Grünwald (Dokument D/741/40/CHU)
18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager
Sie gibt als Kontaktadressen an
29.7.1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlit
Judenvertreibung aus Ostfriesland/Oldenburg
Januar 1940 Anordnung der Gestapo-Leitstelle Wilhelmshaven: Ausweisung der in Ostfriesland lebenden Juden „aus militärischen Gründen“ bis zum 1. April 1940.
27.2.1940 Zwangsumzug der Eltern nach Düsseldorf zusammen mit der Tante Marianne Kussel und ihrem Mann Hugo.


10.11.1941 beide Eltern auch Marianne und Hugo Kussel und deren Tochter Elfriede insgesamt 997 Juden auf dem Transport von Düsseldorf nach Minsk
Gedenken
14.12.2013 Stolpersteine in Aurich, Marktstraße 2 für Benno und Regina Wolff
16.11.1919 Stolperstein in Aurich, Marktstraße 2 für Lina Wolff
Pages of Testimony für die Eltern von Enkelin Nurit Golde-Zuker und Cousin Jack de Lowe
Quellen
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=19561
www.raoulwallenberg.net/general/ruth-kl-uuml-ger-mossad-le/
Rudolf Stern (Chawer aus Dortmund), Meine Aliyah – 13. Oktober 1939 – 29. Januar 1940; unveröffentliches Manuskript, 1987
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11198938
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4094021
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11198910
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11198969
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage