Gänser Ella

Ellen Gänser/Jaffa Traube

*19.2.1921 in Hamburg; ✡ 26.5.2006 Chicago

Staatsangehörigkeit polnisch

Religion jüdisch

Vater Chaim Karl Gänser *9.8.1891in Grzymalow ; ✡31.12.1943 in der Türkei?

Mutter Rifka Rappaport *1.4.1890 in Zastavna, Bukowina; ✡ vor 1945 in Polen

Onkel Leib Rappaport *20.4.1885 in Zastavna; ✡ 23.9.1942 Kulmhof

Geschwister

Max Mendel Gaenser *30.4.1925 in Hamburg; 1942 in Riga

Beruf

Adressen Hamburg; Urfeld; Chicago

Heirat Helmut Abraham Traube *10.7.1923 in Kattowitz; ✡1994 in Chicago

Helmut Traube ist Auschwitz Überlebender

Kinder

Edna Traube; oo Gary Feldmann

Ora Traube; oo Gary Frisch-

Enkel vier (2006)

Weiterer Lebensweg

Besuch der jüdischen Volksschulen und der Haushaltsschule des jüdischen Krankenhauses in Hamburg

Hachschara in Urfeld

Juli 1938 Ellen Gaenser zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von 1933 bis 1938/39 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für ca 60 Jugendliche über 18 Jahren.  Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg), finanziert von dem jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)

Anfang 1938 auch mittlere Hachschara für 15–17-Jährige Chaluzim.

August 1938 Vater Karl Gänser soll nach einem Eintrag auf seiner Kultussteuerkarte aus der Dillstraße 21 nach Istanbul emigriert sein

Polenaktion

28.10.1938 Herbert Taub verhaftet in Urfeld in der ersten Polenaktion, zusammen mit neun weiteren Chaluzim u.a. Susi Schmerler, Leo Geffner und Josef Kleinmann sowie Muchi, Max, Oskar und Ida (nicht identifiziert). Susi Schmerler notierte in ihrem Tagebuch:

„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“

„Doch da kam man uns mitten in unseren (Alija-) Plänen dazwischen. Eines Tages kamen mehrere Polizisten ins Beth Chaluz und brachten 10 Ausweisungsbefehle. Wir rechneten alle damit, dass uns noch 2-3 Monate Zeit bleiben würde. Doch nein! Es sollte heute noch sein! Wir telefonierten mit dem Flugplatz, wann das nächste Flugzeug nach London ging, doch die Polizei stand daneben und forderte

28.10.1938 Ausweisung der Mutter Rifka Gänser aus Hamburg nach Zbaszyn

Novemberpogrom in Urfeld

10.11.1938 im Novemberpogrom verprügelten vier besoffene bewaffnete Nazis die Chaluzim und zerstörten das Inventar. Der nichtjüdische Hausbesitzer Doering vertrieb die Eindringlinge mit seinen Söhnen, bewaffnet mit Jagdwaffen; nachts versteckte er einige Chaluzim in seinem Keller, andere in der Gärtnerei Giesen.

Auflösung in Urfeld

Wegen der anstehenden Auflösung des Lagers Urfeld gehen Chaluzim wie Fanny Hochmann mit Manfred Reinhold und anderen aus Urfeld zur Einzelhachschara in die Niederlande

Alija beth auf der SS DORA

Juli 1939 Gerhard Rachwalsky als Madrich, Ellen Gaenser, Alfred Jordan, Charlotte Ständig mit etwa 6 weiteren Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.

17.7.1939 Zustieg mit etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

Alfred Jordan schreibt über Chaluz Gerhard Rachwalsky:

„Von den Leuten, die uns die Anweisungen gaben war ein Mann [], der mit uns zusammen war die ganze Zeit in Deutschland [in der Hachschara Urfeld], sein Spitzname war ‚Potchke‘. Er war ziemlich jung, hatte einen Doktortitel in Chemie und war einer unserer Führer (Madrich), ein ziemlich netter Typ.“

17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

Minderheitenzählung

17.5.1939 Bruder Max in Hamburg, Papendamm 3 im Grindel;

17.5.1939 Helmut Traube mit seinen Eltern in Oppeln, Nikolaistraße 10/12

Hamburg – Ghetto Riga – Außenlager Jungfernhof

6.12.1941 Deportation von Bruder Max mit 964 Juden aus Hamburg nach Riga Skirotawa

9.12.1941 nach Ankunft in Riga Skirotawa geht es aber nicht ins Ghetto, sondern in das Außenlager Jungfernhof, das für die Aufnahme des Transportes überhaupt nicht ausgestattet war.

18.12.1941 500 junge Männer aus dem Jungfernhof zum Aufbau nach Salaspils

Nachkriegszeit

1.8.1958 Ankunft von Jaffa Traube von Flughafen Lod in New York

„Wiedergutmachung“

9.12.1958; in der Akte u.a.Ermittlungsbericht des Amtes für Wiedergutmachung über den Antrag auf Entschädigung für Schaden an Eigentum oder Vermögen und in der Ausbildung

Gedenken

27.11.1955 Pages of Testimony für die Eltern, den Bruder Mendel sowie weitere Familienmitgliedern Rapaport von Jaffa Traube

Stolpersteine für die Familie Rappaport in Hamburg, Wexstraße 4–6

Quellen

https://www.stolpersteine-hamburg.de/?MAIN_ID=7&BIO_ID=4355

https://danielabraham.net/tree/related/dora

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de170303

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de872617

Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB) – 07629 – 02

https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/josef-wimar-giesen-versteckte-juedische-jugendliche-in-der-pogromnacht/DE-2086/lido/dc00018960

Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.

https://www1.wdr.de/urfeld100.html

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://collections.arolsen-archives.org/de

Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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