Rachwalsky Gerhard

Gerhard Rachwalsky/Josef Ben Abraham

*25.2.1912 in Grossdorf bei Braunau, Böhmen; ✡ ?.

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Felix Rachwalsky *? ; ✡ 8

Mutter Dora Faerber -Sand *25.5.1880 in Breslau; ✡ ?

Großeltern Jonas Faerber (1839-1904) und Emilie Brieger (1858-1905)

Stiefvater Josef Sand *3.2.1874 in Budweis

(vermutlich verwandt) Otto Rachwalsky *1.6.1896 in Glatz ; ✡ 8.5.1916

Geschwister

Beruf Chemiker

Adressen Grossdorf bei Braunau; Breslau; Urfeld; Givat Brenner

Heirat

Kinder

Erster Weltkrieg

Felix Rachwalski am 13.5.1915 als englischer Kriegsgefangener in Douglas auf der Isle of Man

Otto Rachwalsky *1896 in Glatz, Vizefeldwebel der 1. Kompagnie des Füsilier-Regiments Nr. 38; gefallen gemeldet am 6.6.1916 in den preußischen Verlustlisten Nr 548

Weiterer Lebensweg

Volkszählung in Tschechien 1921

15.2.1921 Gerhard Rachwalsky mit der inzwischen wiederverheirateten Mutter Dora und Stiefvater Josef Sand in Mitteldorf, Braunau

Chemie Studium an der Universität Breslau

Findet keine Anstellung in seinem Beruf als Chemiker

Hachschara in Urfeld

Gerhard Rachwalsky zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von 1933 bis 1938/39 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für ca 60 Jugendliche über 18 Jahren.  Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg), finanziert von dem jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)

Anfang 1938 auch mittlere Hachschara für 15–17-Jährige Chaluzim.

Polenaktion

28.10.1938 Herbert Taub verhaftet in Urfeld in der ersten Polenaktion, zusammen mit neun weiteren Chaluzim u.a. Susi Schmerler, Leo Geffner und Josef Kleinmann sowie Muchi, Max, Oskar und Ida (nicht identifiziert). Susi Schmerler notierte in ihrem Tagebuch:

„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“

„Doch da kam man uns mitten in unseren (Alija-) Plänen dazwischen. Eines Tages kamen mehrere Polizisten ins Beth Chaluz und brachten 10 Ausweisungsbefehle. Wir rechneten alle damit, dass uns noch 2-3 Monate Zeit bleiben würde. Doch nein! Es sollte heute noch sein! Wir telefonierten mit dem Flugplatz, wann das nächste Flugzeug nach London ging, doch die Polizei stand daneben und forderte von uns, dass wir sofort mitkommen müssten. Nicht einmal unsere Sachen durften wir mitnehmen.“

Novemberpogrom in Urfeld

10.11.1938 im Novemberpogrom verprügelten vier besoffene bewaffnete Nazis die Chaluzim und zerstörten das Inventar. Der nichtjüdische Hausbesitzer Doering vertrieb die Eindringlinge mit seinen Söhnen, bewaffnet mit Jagdwaffen; nachts versteckte er einige Chaluzim in seinem Keller, andere in der Gärtnerei Giesen.

Auflösung in Urfeld

Wegen der anstehenden Auflösung des Lagers Urfeld gehen Chaluzim wie Fanny Hochmann mit Manfred Reinhold und anderen aus Urfeld zur Einzelhachschara in die Niederlande

Alija beth auf der SS DORA

Juli 1939 Gerhard Rachwalsky als Madrich, Ellen Gaenser, Alfred Jordan, Charlotte Ständig mit etwa 6 weiteren Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.

17.7.1939 Zustieg mit etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

Chaluz Alfred Jordan, der mit ihm aus Urfeld auf die Alija beth auf der SS DORA ging, schreibt über ihn:

„Von den Leuten, die uns die Anweisungen gaben war ein Mann [Gerhard Rachwalsky], der mit uns zusammen war die ganze Zeit in Deutschland [in der Hachschara Urfeld], sein Spitzname war ‚Potchke‘. Er war ziemlich jung, hatte einen Doktortitel in Chemei und war einer unserer Führer (Madrich), ein ziemlich netter Typ.“

17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

1940 -1946 Josef Ben Abraham bei mind. sechs Einbürgerungen als Unterstützer angegeben

Annektion Tschechiens – Protektorat Böhmen und Mähren – Theresienstadt

15.3.1939 Besetzung der „Resttschechei“ und der Hauptstadt Prag; durch Einheit der Wehrmacht un der SS; Tschechien wird Protektorat Böhmen und Mähren

18.9.1939 Tod der Mutter Dora in Theresienstadt

1940 Die „Kleine Festung in Theresienstadt wird Gestapogefängnis

November 1941 Errichtung des Ghettos in der „Garnisonsstadt“, zunächst für tschechische Juden

4.2.1943 Tod des Stiefvaters Josef Sand in Theresienstadt

Nachkriegszeit

Kibbuz Givat Brenner

„Wiedergutmachung“

1958-1962; in der Akte u.a. Bescheid des Regierungspräsidenten in Köln, Außenstelle Arnsberg über die Ablehnung der Ansprüche mangels Beweisunterlagen

Gedenken

Quellen

Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB) – 07625 – 01

https://danielabraham.net/tree/related/dora

Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und der deutschen Schutztruppen, 1914-1918: ein Gedenkbuch, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Verlag Der Schild, 1932

http://www.denkmalprojekt.org/2024/vl_gedenkbuch-rjf_wk1_r-z.html

https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/josef-wimar-giesen-versteckte-juedische-jugendliche-in-der-pogromnacht/DE-2086/lido/dc00018960

Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.

https://www1.wdr.de/urfeld100.html

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://collections.arolsen-archives.org/de

Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

“My