Brennholz Willy

Willy Wilhelm Zeev Brennholz

*27.12.1920 in Stanislau ; ✡ 8.1.2008.

Staatsangehörigkeit polnisch

Religion jüdisch

Vater David Brennholz *1.5.1895 Buczacz, Galizien ; ✡ vor 1945

Mutter Lea Lotte Imbermann *10.5.1895 Lisitz; ✡ ?

Geschwister

Isidor Israel Brennholz *6.9.1924 in Stanislau; ✡ vor 1945

Beruf  

Adressen Stanislau; Essen, Schlageterstraße 31; Duisburg Urfeld; Silingtal

Heirat Rifka Landner

Kinder zwei

Weiterer Lebensweg

Hachschara in Urfeld

16.6.1937 Willy Brennholz von Essen zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von März 1934 bis April 1940 war

der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für mehr als 150 meist junge Juden. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg); es wurde finanziert vom jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)

7.8.1937 Willy Brennholz abgemeldet aus Urfeld zur Hachschara nach Silingtal

Kibbuv Jom Tov in Silingtal

Der Kibbuz in Klein Silsterwitz bei Schweidnitz in Schlesien war bereits 1933 gegründet worden. Die Chaluzim sind in einem bis dato nicht identifizierten „Haus Proskauer“ untergebracht: Die Familie Proskauer war in Schlesien sehr verbreitet.

Das 1935 gegründete Hachscharazentrum „Jom Tov“ in Guttental, Oberschlesien war im April 1937 nach Klein Silsterwitz/ ab 1937 Silingtal verlegt worden. Sommer 1937 kommt auch die „Mittlere Hachschara“ für 16- 17-jährige hinzu. Offiziell unterstand das Lager dem Hechaluz. Bis Herbst 1937 war Silingtal das einzige Hachschara-Lager, das der Hashomer Hazair beschickte, aber auch Mitglieder der Habonim wurden hier ausgebildet.

Im Herbst 1937 berichtet Chaluz Willy in Mitteren Hachschara, Choser Nr. 7:

„Ich will versuchen, über ein Problem zu schreiben, das im Vordergrund vieler Mittleren-Hach-

schara-Gruppen steht, nämlich die arbeitsmässige Gleichberechtigung der Chawera. In vielen

Mittleren-Hachscharot arbeitet die Chawera im Haus und der Chawer draussen auf dem Felde.

Woran liegt das? Erstens einmal an den technischen Bedingungen, d.h. der Meister oder der Bau-

er, bei dem gearbeitet wird, lässt es nicht zu, dass Mädchen bei ihm arbeiten, da er ihnen keine

große Arbeitsleistung zutraut; zweitens daran, dass in unseren Gruppen viel weniger Chawerot als

Chawerim sind und man gemäss der genossenen Erziehung glaubt, das Mädchen gehöre ins Haus,

[…]. Von den Chawerim wird die Hausarbeit verachtet und als Spielerei angesehen. […] Wenn

nun Chawerim und Chawerot auch körperlich zusammenarbeiten, dann werden die künstlichenTrennungen verschwinden und sie werden sich viel besser kennenlernen und verstehen.“

Polenaktion

In Silingtal werden ebenfalls Juden mit polnischem Pass abgeschoben. Willy Cohn notierte dazu am 4. November 1938 in sein Tagebuch:

„Auch der Boxer Hochhäuser, der mit seiner Frau in Silsterwitz (Silingtal) auf Hachschara ist, ist dort herausgeholt worden.“

28.10.1938 beide Eltern und Bruder Isidor Brennholz abgeschoben nach Zbaszyn

Sept./Okt. 1939 Bei der Auflösung von Zbaszyn gehen sie vermutlich nach Stanislau

Novemberpogrom

Im Novemberpogrom 1938 wurden die Männer verhaftet, drei Frauen blieben zurück.

Schließung der Silingtal-Hachschara nach November 1938.

Alija

Auf welchen Wegen und wann Willy Brennholz seine Alija (beth?) schaffte, ist nicht bekannt. Möglicherweise auf der SS HILDA

29.1.1940 Ankunft der SS HILDA in Haifa nach Abschluss von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung; mit Bussen in das Internierungslager nach Athlit verbracht

Nachkriegszeit

Gedenken

12.4.199 Pages of Testimony für seine Eltern und den Bruder Isidor von Willy Brennholz

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de848109

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de848110

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de848109

Willi: Die Gleichberechtigung der Chawera in der Arbeit, in: Mitteren Hachschara, Choser Nr. 7.(Herbst 1937) S.54ff., in: GFH-Archiv, Nr. 26759-1, S. 114 ff.

Andreas Klose, Hachschara in Klein Silsterwitz; in Schlesische Geschichtsblätter 2014

StA Bornheim, Slg Zerlett

Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)

https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/josef-wimar-giesen-versteckte-juedische-jugendliche-in-der-pogromnacht/DE-2086/lido/dc00018960

Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.

https://www1.wdr.de/urfeld100.html

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://collections.arolsen-archives.org/de

Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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