Braun Helmut

Helmut Wolf Braun

*15.11.1919 in Berlin; ✡ 29.8.1972 in San Francisco

Staatsangehörigkeit deutsch,staatenlos

Religion jüdisch

Vater Simon Braun *19.6.1880 in Krakau; ✡ 28.5.1942 in Sachenhausen

Mutter Edith Brach *28.1.1891 in Berlin; ✡ 12.10.1944 in Auschwitz

Großmutter Marianne Brach geb. Nathan*19.3.1858 Berlin; ✡24.9.1942 Theresienstadt

Geschwister

Joachim Werner Braun *16.11.1914 in Berlin; ✡19.11.1972 in Bethesda Maryland; oo Paula Wood

Harry Hans Günter Braun *26.9.1916 in Berlin; ✡Aug. 1962 in Berlin

Gustav Braun *24.9.1918 in Berlin; ✡ 26.2.1944 in London

Beruf Landarbeiter

Adressen Berlin, Herwarthstraße 12 a; Gut Winkel, Spreenhagen; San Francisco

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

1933/34 Die zuvor anerkannte Deutsche Staatsbürgerschaft wird wieder aberkannt.

Infolgedessen kann die Familie in der ersten Polenaktion vom 28.10.1938 nicht nach Zbaszyn abgeschoben werden. 

Gut Winkel

1938 Wolf Braun zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.

1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.

Im Novemberpogrom 1938 wurde Gut Winkel nicht überfallen.

19. Juni 1941 Auflösung Gut Winkel wird vom Hachschara- zum Arbeitseinsatzlager

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung der noch bestehenden in „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Helmut Wolf Braun in Gut Winkel, Spreenhagen

17.5.1939 beide Eltern und Bruder Gustav in Berlin, Herwarthstraße 12 a

September 1939 Namenlisten verschiedener Gemeinden im Landkreis Beeskow-Storkow

September 1939 Ausländerlisten von Beeskow

Britischer Census

29.9.1939 Bruder Gustav im Kitchener Flüchtlingscamp, Richborough, Sandwich, Kent

Die Patria Katastrophe

Sonderhachschara VII – Paraguay-Transport

März 1940 die führenden jüdischen Funktionäre aus Berlin, Prag und Wien werden von SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin vorgeladen, um die illegalen „Sondertransporte“ nach Palästina zu forcieren; Ephraim Frank als Vertreter des erkrankten Lyon vom Palästinaamt und als designierter Transportführer dabei.

Für die SH 7 sollen etwa 30.000 Anmeldungen vorgelegen haben, zum großen Teil aber nur fiktiv, um gegenüber der Gestapo die geplante Auswanderung belegen zu können

August 1940 Helmut Wolf Braun offiziell abgemeldet nach „Paraguay“, zunächst Zugfahrt nach Berlin

16.8.1940 mit dem Zug aus Berlin, Bahnhof Friedrichstraße fahren 350 Jugendliche und 150 Eltern, deren Kinder bereits Palästina-Pioniere in Palästina waren, nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa zu kommen; Transportführer war Ephraim Frank

Zweiter Transportführer Hans Wendel

Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes

Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule oder Lehrlingsheim

3.9.1940 mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau; in Pressburg für eine Woche in einem Lager im Stadtteil Patronka; Josef Nussbaum berichtet bei der Registrierung in Atlith, „The Camp was taken over as store for Heavy Opel trucks.“

10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN

10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;

Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.

Zwischenstopp im Hafen Agios Nikolaos, Kreta, um Kohle aufzunehmen

31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet

1.11.1940 Ankunft von Wolf Braun  auf der SS PACIFIC in Haifa.

3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden

4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)

8.11.1940 Registrierung von Wolf Braun im Camp Atlith; er gibt seinen Onkel Willi Brach, Tel Aviv, Allenby St, Shop Owner In Same Street und Tante Frieda Friedlaender in Tel Aviv als Referenzen an

Wolf Braun zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen

23. oder 24.11.1940 Ankunft der SS ATLANTIC in Haifa

25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.

Walter Steinitz, aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:

“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“ (ca 200 von 1771)

Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.

25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.

26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;

Dezember 1940 noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht.

1941 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können

September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith

12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.

Hinrichtung von Simon Braun

Mitglieder der Gruppe Baum verübten am 18. Mai 1942 einen Brandanschlag auf die nationalsozialistische Propagandaausstellung „Das Sowjet-Paradies“ in Berlin. Nach dem Anschlag wurde die Gruppe von der Gestapo aufgedeckt

27.5.1942 Verhaftung des Vaters mit 500 Berliner Juden als „Geiseln“ und Transport in das KL Sachsenhausen

28.5.1942 Simon Braun wurde in der dortigen Genickschussanlage zusammen mit 250 anderen Juden auf persönliche Anordnung des „Reichsführer-SS“ Heinrich Himmler in der kurz zuvor erstellten Station Z erschossen. In diesem Gebäude befanden sich eine Genickschussanlage und ein Krematorium. Unter den 250 Erschossenen befanden sich 96 bereits zuvor im KL Sachsenhausen inhaftierte Juden.
Die Nazis werteten dies als abschreckende Vergeltungsmaßnahme wegen des Brandschlags auf die Ausstellung „Das Sowjetparadies“.

Sondertransport Berlin- Theresienstadt

Um die Gerüchteküche über die Massenhinrichtung zu ersticken werden die Angehörigen verhaftet, in das Sammellager Große Hamburger Straße verbracht und von dort nach Theresienstadt deportiert.

100 Angehörige der Erschossenen wurden am 5.6.42 in einem „Sondertransport“ nach Theresienstadt deportiert, weitere Angehörige wurden mit den ab dem 2. Juni. beginnenden „Alterstransporten“ nach Theresienstadt deportiert.

5.6.1942 Mutter Edith auf dem Sondertransport I/3 von Berlin nach Theresienstadt

14.9.1942 Großmutter Marianne Brach von Berlin nach Theresienstadt

24.9.1942 Tod der Großmutter in Theresienstadt

9.10.1944 Mutter Edith auf dem Transport E p von Theresienstadt nach Auschwitz

Nachkriegszeit

3.1.1947 Antrag von Wolf Braun auf Visum zur Einreise in die USA aus Palästina

30.1. 22.2.1947 Wolf Braun auf der SS AL SUDAN von Haifa nach New York

Ziel Bruder Dr. Werner Braun in Berkeley

21.7.1952 Einbürgerung von Helmut Wolf Braun als US Citizen in San Francisco

Gedenken

15.10.1955 Pages of Testimony für den Vater Simon und die Mutter Edith Braun von der Schwester der Mutter Frieda Friedländer

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/71076329

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/71076419

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5024481

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1033363

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1033234

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1034240

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7287); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

https://victims.auschwitz.org/victims

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

http://luckauer-juden.de/hachschara.html#B

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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