Frischler Werner

Werner Frischler

*10.4.1925 in Breslau; ✡17.5.1945 in Dachau

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Eliezer Leo Frischler *10.6.1888 in Beilitz; ✡ 27.10.1928 in Breslau

Heirat der Eltern 1916

Mutter Paula Cohn *3.3.1881 in Breslau; ✡ ? ??

Geschwister

Heinz Frischler*18.4.1917 in Breslau; ✡ 1943 Auschwitz

Erich Menachem Frischler *8.8.1919 in Breslau; ✡9.11.2001 Kaplan Hospital, Rehovot oo 29.7.1944 Jehudit Cohn

Beruf Landarbeiter

Adressen Breslau, Berliner Straße 9, Neue Graupenstraße 3/4 ; Ahlem, Hannover; Jessen Mühle

Heirat Ruth Scheidler/Scheibel *8.12.1921 in Glogau

Kinder

Denny Frischler *8.5.1941 in Breslau

Weiterer Lebensweg

Novemberpogrom

10. 11.1938 Verhaftung von Heinz und Menachem Frischler in Breslau

Einweisung in das KL Buchenwald

10.1.1939 Entlassung aus dem KL Buchenwald

Gut Winkel

1939 Heinz und Menachem Frischler zur Hachschara als Praktikant in Gut Winkel, Spreenhagen

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel. 1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben

30.6.1938 auf der Belegschaftsliste des Gut Winkel;

28.10.1938 keine Verhaftungen in der Polenaktion auf Gut Winkel

10.11.1938 keine Verhaftungen im Novemberpogrom auf Gut Winkel

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Heinz und Menachem Frischler in Gut Winkel, Spreenhagen

17.5.1939 Heinz und Menachem Frischler auch mit der Mutter und Bruder Werner in Breslau, Berliner Straße 9

September 1939 auf der Liste des Landrates Kreis Beeskow-Storkow für das Gut Winkel

Die israelitische Gartenbauschule Ahlem

10.10.1939 Werner Frischler in das Volksschulinternat der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem

6.11.1939 Verlegung der dreiundzwanzig über 14 Jahre alten Schüler aus dem Internat der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem unter der Leitung von Musiklehrer Klaus Glücksmann zur Hachschara nach Jessen-Mühle.

Jessen Mühle

Das Hachschara-Lehrgut Jessen Mühle bei Sorau in der Niederlausitz bestand in der Zeit von 1932 – 1943; Träger war die Jüdische Jugendhilfe. Hier wurden für jeweils etwa 30 Chawerim, jugendliche Pioniere des Hechaluz über einige Monate in verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten, in Hauswirtschaft und in Landwirtschaft zur Vorbereitung auf die Alija ausgebildet (Erstausbildung und Mittlere Hachschara für 14-18 -Jährige)

Hachschara-Lager Jessen Mühle: „Einer der wenigen, die im Untergrund bis zur Befreiung überlebten, war der spätere TV-Moderator Hans Rosenthal, zuvor ‚auf Hachschara‘ in Jessen in der Niederlausitz.“

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Um­be­nen­nung der noch bestehenden in „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“

Mai bis September 1941 Auflösung der Hachscharalager Ahrensdorf, Jessen, Havelberg Gut Winkel; Verlegung der meisten Chaluzim in das Lehrgut Neuendorf im Sande

Das Hascharalager Jessen Mühle war ab Sommer 1941 Zwangsarbeiterlager

Die Patria Katastrophe – Sonderhachschara VII – Paraguay-Transport

1.11.1940 Ankunft von Bruder Erich der SS PACIFIC in Haifa

8.11.1940 Registrierung von Bruder Erich im Camp Atlith;

September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith

Fabrikaktion Breslau – Riebnig – Auschwitz

Ab 1939 wurden die Breslauer Juden in eines der drei Sammellager Tormersdorf bei Görlitz, Grüssau bei Landeshut und Riebnig bei Brieg verbracht;

Im Lager Grüssau, einem beschlagnahmten, ehemaligen Zisterzienserkloster, wurden ab dem 5. Oktober 1941 schlesische Juden interniert;

Einweisung von Werner sowie Bruder Heinz mit Ruth und Denny Frischler in das Breslauer Sammellager Riebnig

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

Anfang März 1943 reichsweite Fabrikation besonders in Berlin, Breslau und Westfalen, Deportation von überwiegend in kriegswichtigen Betrieben Zwangsarbeit verrichtenden Juden nach Auschwitz

5.3.1942 1259 deportierte Juden im Breslauer Teiltransport, davon mindestens 98 der 150 Anfang 1943 noch verbliebenen Insassen des Lagers Riebnig.

5.3.1943 Heinz mit Ruth und Denny Frischler sowie Bruder Werner ab Sammellager Riebnig, Breslau nach Auschwitz

20.3.43 Auflösung des Lager Riebnig als letztes der drei „Zweigstellen“ der Kultusvereinigung Breslau

In Auschwitz wird Werner Frischler zur Zwangsarbeit selektiert; er bekommt die Auschwitz-Häftlingsnummer 106895 in den linken Unterarm tätowiert

Auflösung in Auschwitz

18.1.1945 Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca 60 000 Häftlinge; aus dem KL Monowitz ca. 10000 Häftlinge auf dem Todesmarsch über 42 km von Monowitz nach Nikolai Isidor Philipp berichtet:

„Wer sich hinlegte, wurde von den SS-Männern, die auf Motorrädern fuhren, erschossen.“

Übernachtung in einer Ziegelei in Nikolai. weitere 25 km bis nach Gleiwitz

Von Gleiwitz in Güterwaggons nach Buchenwald

Buchenwald

26.1.1945 Ankunft im KL Buchenwald, Unterbringung im Kleinen Lager, Block 58

17.2.1945 Verlegung zur Bauorganisation Todt (OT), Code „Stein“ in Eschershausen

3.3.1945 Wechsel zum OT-Zwillingslager “Hecht” in Holzen, Weserbergland, mit den Chaluzim Wolfgang Meyerstein , Hans Moses und Paul Hoffmann

10.4.1945 erneuter Todesmarsch mit Ziel KL Flossenbürg

Todesmärsche

6.4.1945 Himmlers Befehl zur Evakuierung von Buchenwald (48 000 Häftlinge)

7.4.1945 Die SS beginnt mit der Evakuierung des Konzentrationslagers; etwa 28.000 Häftlinge des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager werden

auf insgesamt 60 Marschrouten – meist zu Fuß – auf die Todesmärsche getrieben

7.4.1945 Todeszug nach Dachau verlässt Weimar mit ca 7000 Juden

10.4.1945 9.280 Insassen haben an diesem Tag Buchenwald in zwei Kolonnen verlassen. Die SS kündigt für den folgenden Tag die vollständige Räumung des Lagers an.

Evakuierung des KL Buchenwald in geschlossenen Güterwaggons nach Theresienstadt, Flossenbürg und Dachau

29.4.1945 Befreiung von Dachau durch Einheiten der US-Armee

Nachkriegszeit

14.5.1945 Tod von Werner Frischler in Dachau; er hatte die Todesmärsche von Auschwitz und später nach Dachau noch überlebt

Gedenken

19.9.1985 Pages of Testimony für die Brüder Heinz und Werner, Mutter Paula und Neffe Denny von Menachem Frischler bei Yad Vashem.

Quellen

Friedel Homeyer; Hrsg. Landkreis Hannover, Gartenbauschule Ahlem 1893-1979; 1980

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1681229

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de871143

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de871146

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de964026

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de871147

https://www.statistik-des-holocaust.de/FA%20Breslau%20430305-3.jpg

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10644641

Ilana Michaeli und Irmgard Klönne (Hrsg.) Gut Winkel, die schützende Insel: Hachschara 1933-1941 Mitarbeit von Ilka von Cossart, Katharina Hoba und Ulrike Pilarczyk; LIT Verlag; 2007

https://victims.auschwitz.org/victims

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

http://luckauer-juden.de/hachschara.html

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/71076336

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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