Frischler Erich

Erich Menachem Frischler

*8.8.1919 in Breslau; ✡9.11.2001 Kaplan Hospital, Rehovot

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Eliezer Leo Frischler *10.6.1888 in Beilitz; ✡ 27.10.1928 in Breslau

Heirat der Eltern 1916

Mutter Paula Cohn *3.3.1881 in Breslau; ✡ ? ??

Geschwister

Heinz Frischler*18.4.1917 in Breslau; ✡ 1943 Auschwitz; oo Ruth Scheibel *8.12.1921 in Glogau

Werner Frischler *10.4.1925 in Breslau; ✡17.5.1945 in Dachau

Beruf Landarbeiter

Adressen Breslau, Berliner Straße 9; Gut Winkel, Spreenhagen;

Heirat 29.7.1944 Gerda Jehudit Cohn *24.5.1925 in Breslau

Kinder zwei

Tochter; oo Ronen

Tochter; oo Izchaki

Weiterer Lebensweg

Novemberpogrom

10. 11.1938 Verhaftung von Erich und Heinz Frischler in Breslau

Einweisung in das KL Buchenwald

10.1.1939 Entlassung aus dem KL Buchenwald; 30.11.1938 nur interner Wechsel

Gut Winkel

1939 Erich und Heinz Frischler zur Hachschara als Praktikant in Gut Winkel, Spreenhagen

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel. 1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Erich und Heinz Frischler in Gut Winkel, Spreenhagen

17.5.1939 Erich und Heinz Frischler auch mit der Mutter und Bruder Werner in Breslau, Berliner Straße 9

September 1939 auf der Liste des Landrates Kreis Beeskow-Storkow für das Gut Winkel

Ahlem und Jessen

Bruder Werner in der Israel. Gartenbauschule Ahlem

6.11.1939 Bruder Werner ins Hascharalager Jessen Mühle, ab 1941 Zwangsarbeiterlager

Die Patria Katastrophe – Sonderhachschara VII – Paraguay-Transport

März 1940 die führenden jüdischen Funktionäre aus Berlin, Prag und Wien werden von SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin vorgeladen, um die illegalen „Sondertransporte“ nach Palästina zu forcieren; Ephraim Frank als Vertreter des erkrankten Lyon vom Palästinaamt und als designierter Transportführer dabei.

Für die SH 7 sollen etwa 30.000 Anmeldungen vorgelegen haben, zum großen Teil aber nur fiktiv, um gegenüber der Gestapo die geplante Auswanderung belegen zu können

August 1940 offiziell abgemeldet nach „Paraguay“, zunächst Zugfahrt nach Berlin

16.8.1940 mit dem Zug aus Berlin, Bahnhof Friedrichstraße fahren 350 Jugendliche und 150 Eltern, deren Kinder bereits Palästina-Pioniere in Palästina waren, nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa zu kommen; Transportführer war Ephraim Frank

Zweiter Transportführer Hans Wendel

Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes

Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule oder Lehrlingsheim

3.9.1940 mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau; in Pressburg für eine Woche in einem Lager im Stadtteil Patronka; Josef Nussbaum berichtet bei der Registrierung in Atlith, „The Camp was taken over as store for Heavy Opel trucks.“

10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN

10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;

Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.

Zwischenstopp im Hafen Agios Nikolaos, Kreta, um Kohle aufzunehmen

31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet

1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa.

3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden

4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)

8.11.1940 Registrierung von Erich Frischler im Camp Atlith;

Er gibt seinen Onkel Ernst Cohen, Rehovat, House Dr Moses als Referenz an

Erich Frischler ist zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen

23. oder 24.11.1940 Ankunft der SS ATLANTIC in Haifa

25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.

Walter Steinitz, aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:

“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“ (ca 200 von 1771)

Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.

25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.

26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;

Dezember 1940 noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht.

1941 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können

September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith

12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.

Fabrikaktion Breslau – Riebnig – Auschwitz

Ab 1939 wurden die Breslauer Juden in eines der drei Sammellager Tormersdorf bei Görlitz, Grüssau bei Landeshut und Riebnig bei Brieg verbracht;

Im Lager Grüssau, einem beschlagnahmten, ehemaligen Zisterzienserkloster, wurden ab dem 5. Oktober 1941 schlesische Juden interniert;

Einweisung von Heinz mit Ruth und Denny Frischler sowie Bruder Werner in das Breslauer Sammellager Riebnig

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

Anfang März 1943 reichsweite Fabrikation besonders in Berlin, Breslau und Westfalen, Deportation von überwiegend in kriegswichtigen Betrieben Zwangsarbeit verrichtenden Juden nach Auschwitz

5.3.1942 1259 deportierte Juden im Breslauer Teiltransport, davon mindestens 98 der 150 Anfang 1943 noch verbliebenen Insassen des Lagers Riebnig.

5.3.1943 Heinz mit Ruth und Denny Frischler sowie Bruder Werner ab Sammellager Riebnig, Breslau nach Auschwitz

20.3.43 Auflösung des Lager Riebnig als letztes der drei „Zweigstellen“ der Kultusvereinigung Breslau

Nachkriegszeit

14.5.1945 Tod von Bruder Werner in Dachau; er hatte die Todesmärsche von Auschwitz und später nach Dachau noch überlebt

29.7.1945 Heirat mit Gerda Jehudit Cohn

Gedenken

19.9.1985 Pages of Testimony für die Brüder Heinz und Werner, Mutter Paula und Neffe Denny von Menachem Frischler bei Yad Vashem.

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1681229

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de871143

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de871146

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de964026

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de871147

https://www.statistik-des-holocaust.de/FA%20Breslau%20430305-3.jpg

Ilana Michaeli und Irmgard Klönne (Hrsg.) Gut Winkel, die schützende Insel: Hachschara 1933-1941 Mitarbeit von Ilka von Cossart, Katharina Hoba und Ulrike Pilarczyk; LIT Verlag; 2007

https://victims.auschwitz.org/victims

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

http://luckauer-juden.de/hachschara.html

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/71076336

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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