Meyer Gisela

Gisela Meyer/Landesmann/Nir

*19.2.1924 in Hachen

Staatsangehörigkeit

Religion jüdisch

Vater Isidor Meyer *25.1.1893 in Hachen; ✡ 1942 in Riga

Mutter Frieda Selig *8.10.1895  in Minden; ✡ 1942 in Riga

Onkel Moses Meyer *20.10.1891 in Hachen; ✡ nach dem 10.11.1941 Minsk

Onkel Max Meyer *6.6.1907 in Hüsten; ✡ 28.5.1979 in Los Angeles

Geschwister

Gad Meyer ; ✡ 2006

Beruf

Adressen Hachen; Dortmund, Mallinckrodtstraße 139;

Heirat 24.4.1943 Asaf Landesmann/Nir *13.2.1925; ✡18.6.2012

Kinder vier

Oded Landesmann/Nir *10.4.1944 Ayelet HaShahar; ✡8.9.1969 gefallen, Golf von Suez

Weiterer Lebensweg

Hachschara Lehrgut Schniebienchen

Gisela Meyer ins Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.

Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:

Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“

Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

1939 Passausstellung für Gisela Landesmann in Sorau

Minderheitenzählung

17.5.1939 Isidor Meyer in Dortmund, Mallinckrodtstraße 139

17.5.1939 Gisela Meyer mit 122 Personen, Chaluzim und Angestellte registriert in Schniebinchen

14.8.1939 Ankunft von Gisela Meyer in Haifa, legale Alija von Gisela Landesmann mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija Kategorie B(III)

24.4.1943 Heirat mit Asaf Landesmann

1.6.1945 Einbürgerung von Gisela Landesmann in Palästina

Dortmund- Riga

November 1941 Isidor und Frieda Meyer zusammen mit ihren Mitbewohnern, der Familie Orlean ursprünglich auf der Gestapoliste zur Deportation im Dezember 1941

Mitte Jan. 1942 Deportationsbefehl der Gestapo, sich am 24.1.1942 im Saal der Gaststätte Zur Börse Nähe HBF einzufinden


27.1.1942 beide Eltern auf dem Transport von Dortmund nach Riga-Skirotawa

1.2.1942 Ankunft Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga

21.6.1943 Befehl des Reichsführers SS Heinrich Himmler, alle jüdischen Ghettos im Reichskommissariat Ostland, Estland, Lettland, Litauen und Teile Weißrusslands, aufzulösen und die Juden zu Arbeitseinsätzen heranzuziehen.

Juli-2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos; Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung; Kommandant des KL Kaiserwald Sturmbannführer Albert Sauer

3. November 1943 Auflösung des Ghetto Riga; Zugtransport von über 2000 Alten und Kindern von Skirotawa nach Auschwitz

Essen – Düsseldorf – Minsk

10.11.1941 Onkel Moses Meyer auf dem Transport von Essen – Düsseldorf – Minsk

Bericht des Transportleiters Meurin, Hauptmann der Schutzpolizei Düsseldorf

„Der Judentransport, umfassend 992 Juden aus den Städten Düsseldorf, Essen und Wuppertal, wurde am 10.11.1941 um 10,40 Uhr vom Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf abgelassen. Die Fahrt führte über Mettmann nach Wuppertal-Steinbeck, wo die von dort zu evakuierenden Juden fertig verladen bereitstanden und an den Zug angehängt wurden.“ Nach vier Tagen mit vielen Unterbrechungen erreichte der Zug den Bestimmungsort Minsk. Bei Meurin heißt es: „Die Juden waren um diese Zeit ziemlich weich, da der Zug vielfach unbeheizt liegengeblieben war und vor allem seit Einfahrt ins russische Gebiet keine Möglichkeit mehr gegeben war, Wasser zu fassen…“

Gedenken

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de928636

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de927927

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1330005

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420127_Dortmund15.jpg

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420127-Dortmund26.jpg

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420127-Dortmund27.jpg

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411110-Essen4.jpg

Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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