Rosa David geb. Loewkowitz
*20.6.1904 in Breslau; ✡1.7.2001 Camden
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Nathan Ernst Loewkowitz *10.2.1871 in Oppeln; ✡ Breslau
Mutter Hedwig Proskauer *9.3.1880 in Kreuzburg; ✡ 17.7.1940 in Breslau
Onkel Alfred Loewkowitz *31.7.1889 in Kreuzburg; ✡ 21.12.1938 in Buchenwald
Tante Amalie Cohn geb. Loewkowitz *15.6.1887 in Kreuzburg; ✡ 29.11.1941 im Fort IX Kauen
Cousin
Max Loewkowitz *4.4.1916 in Grodnik (?), Warschau; ✡unbekannt
Beruf –
Adressen Hohensalza; Breslau, Brandenburger Str. 37; Schniebinchen, Sorau; England
Heirat 29.6.1933 in Kreuzburg Manfred Armin David *29.9.1907 in Hohensalza; ✡August 1979 Camberwell, London
Kinder –
Weiterer Lebensweg
ASR Aktion
16.6.1938 Verhaftung des Onkels Alfred Loewkowitsch in Breslau in der Aktion Arbeitsscheu Reich ASR
21.12.1938 Tod des Onkels Alfred in Buchenwald
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Manfred und Paula David zur Hachschara auf Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Manfred und Rosa David registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen
17.5.1939 Mutter Hedwig, Witwe, in Breslau, Brandenburger Str. 37
28.6.1939 Einreise von Schwester Hilde und Mann Rudi Rudberg in Haifa mit Kapitalistenzertifikat der Kategorie A(1)
Sommer 1939 Emigration mit Ehefrau Rosa nach England
29.9.1939 Manfred und Rosa David in 234, Abingdon Road, Oxford, Oxfordshire bei britischem Census
Breslau – Theresienstadt – Treblinka
Ab 1939 wurden die Breslauer Juden in eines der drei Sammellager Tormersdorf bei Görlitz, Grüssau bei Landeshut und Riebnig bei Brieg verbracht;
17.7.1940 Tod der Mutter in Breslau
Im Lager Grüssau, einem beschlagnahmten, ehemaligen Zisterzienserkloster, wurden ab dem 5. Oktober 1941 schlesische Juden interniert; Einweisung der Schwiegereltern in das Lager Kloster Grüssau
27.7.1942 beide Schwiegereltern auf dem Transport IX/1 von Breslau nach Theresienstadt
23.9.1942 beide Schwiegereltern auf dem Transport B q von Theresienstadt nach Treblinka
Tod der Schwiegereltern nach 23.9.1942 in Treblinka
Gedenken
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en1607699
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1023853
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de850930
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de850987
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4968080
https://www.statistik-des-holocaust.de/IX1-2.jpg
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage