
Alex Eisenberg
*6.12.1923 in Leipzig; ✡29.4.1996
Staatsangehörigkeit Staatenlos
Religion jüdisch

Vater Moses Samuel Eisenberg *23.5.1891 in Drohobycz; ✡?
Mutter ; ✡ 1925 mit Tuberkulose
Stiefmutter unbekannt
Onkel Max Majer Eisenberg *30.9.1894 in Drohobycz; ✡?
Halbgeschwister
Jutta Eisenberg *25.5.1927 in Leipzig; ✡ 19.12.2005 in La Rochelle
Beruf Praktikant; Bibliothekar; Schriftsteller
Adressen Leipzig, Nordstraße 26; Schniebinchen, Sorau; Kopenhagen
Heirat Jønnild
Kinder drei
Jakob Erle
Paul Sorensen
Weiterer Lebensweg
Polenaktion
28.10.1938 Onkel Max Eisenberg abgeschoben nach Zbaszyn
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
März 1939 Alex Eisenberg zur Hachschara auf Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Alex Eisenberg registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark, maßgeblich unterstützt durch Merete Bonnesen, Journalistin der Zeitschrift „Politiken“; geplant war, vor dort die Alija zu ermöglichen.
Flucht nach Belgien
6.4.1939 Vater Moses Samuel mit Frau und Tochter Jutta von Köln aus illegal über die grüne Grenze nach Belgien
Dänemark
1939 Alex Eisenberg bei Familie Schwarz in Frederiksberg

Februar 1940 zur Ausbildung bei Obstbauer Ramming bei Faborg
5.10.1943 Alex Eisenberg in Svanninge, Salling, Svendborg bei dänischem Census
Ausnahmezustand in Dänemark 1943
1939 Emigration nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen
9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943
29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen
17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark
September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark
„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.
28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.
Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.
Drei Transporte
Die auf dem dänischen Festland verhafteten Juden werden in das „Polizeigefangenenlager Fröslee“/ Frøslev verbracht; hier waren ab 13.8.1944 bis Mai 1945 etwa 12.000 Dänen im inhaftiert.
Vom Frøslev-Lager gehen zwei Juden-Transporte mit der Bahn nach Theresienstadt.
2.-5.10.1943 Transport XXV/1 von 21 Chaluzim der Jugendalija in Dänemark, insgesamt 83 in Dänemark Inhaftierten nach Theresienstadt
6.10.1943 aus dem Lager Frøslev 198 Juden auf Transport XXV/2 nach Theresienstadt
9.10.1943 Ankunft des zweiten Transportes XXV/2 vom Lager Frøslev in Theresienstadt
Verhaftung – Horserødlejren
Im Oktober hatte die Familie von Nils Bohr die Flucht von Alex Eisenstein und weiteren 50 Juden nach Schweden bereits organisiert.
4.10.1940 Verhaftung dieser Gruppe durch die deutschen Besatzer auf dem Syrefabriksvej in Amager bei Kopenhagen
Der dritte Transport XXV/3
Inhaftierung der auf Seeland Verhafteten in Horserødlejren, einem Internierungscamp bei Helsingør
13.-14.10.1943 die dritte dänische Gruppe mit 175 Gefangenen auf dem Transport XXV/3 nach Theresienstadt
13.10.1943 morgens 4 Uhr mit dem Zug von Helsingør nach Gedser
13.10.1943 um 9:20 Uhr auf der Fähre „Schwerin“ von Gedser nach Warnemünde bei Rostock
13.-14.10.1943 Transport in Güterwaggons von Warnemünde nach Theresienstadt.
13.-14.10.1943 Transport in Güterwaggons von Warnemünde nach Theresienstadt.

Die schwedischen „Weißen Busse“
13.4.45 Vorbereitung auf den Abtransport in einer Kaserne in Theresienstadt
14.4.1945 Elf weiße Busse zur Befreiung der 450 dänischen Inhaftierten

Routen der schwedischen „Weißen Busse“
14.4.1945 Irrfahrt durch das zerbombte Berlin
Über Flensburg nach Odense auf Fünen

Weiße Busse aus Theresienstadt bei Ankunft in Haderslev, Dänemark
15.4.1945 von Odense nach Kopenhagen
5.5.1945 Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Dänemark
5.5.1945 SS verlässt Theresienstadt
8.5.1945 die Rote Armee erreicht Theresienstadt
Nachkriegszeit
1948 Studium von Alex Eisenberg
1954 Bibliothekar
1955 Buch Debut: Løbet (Die Flucht), Roman; es folgen „Einhorn“ (Memoiren) und „Theresienstädter Elegie“
Zahlreiche weitere Publikationen
Gedenken
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Quellen
Volkszählung in Dänemark 1940
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4972699
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/129821726
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage