Neurath Arthur

Arthur Neurath/Noy

*17.4.1907 in Nürnberg; ✡1.5.1957 in Kibbuz Dorot

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater Michael Neurath *9.1.1877 in Mödling; ✡17.1.1943 Auschwitz Birkenau

Mutter Jeannette Geiringer *6.4.1877 Nürnberg; ✡24.3.1942 in Izbica

Geschwister

Gerda Neurath *12.2.1909 in Nürnberg; ✡ 15.10.1981 New York

Cousin Hans Neurath; Schlosser; Tel Aviv

Beruf Landwirtschaftlicher Gärtner

Adressen Nürnberg, Hintere Ledergasse 49; Leipzig, Hohe Straße 7; Schniebinchen, Sorau

Heirat ca 1939 in Leipzig Ilse Kaufmann *25.6.1907 in Bruchhausen, Hamborn; 1961 in Kibbuz Dorot

Kinder zwei

Tochter Neurath; oo Kolnik

Weiterer Lebensweg

Vater lebte von 1895 bis 1937 in Nürnberg

1937 Prozess und Verurteilung des Vaters in Nürnberg

29.4.1937 Ausweisung des Vaters aus Nürnberg; Umzug; die Eltern ziehen nach Wien

15.5.1938 Vater Michael stellt einen Antrag zur Unterstützung der Ausreise bei der IKG Wien

16.9.1938 Vater Michael von Wien nach Brünn

Arthur Neurath zur Hachschara im Beith Chaluz in Leipzig; Lehre als landwirtschaftlicher Gärtner

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Arthur Neurath zur Hachschara auf Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Arthur Neurath registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen: aber auch registriert in Leipzig, Hohe Straße 7 zusammen mit Ilse Kaufmann

17.5.1939 beide Eltern in Nürnberg, Hintere Ledergasse 49

Britischer Census

Schwester Gerda in Birmingham bei britischem Census bei Frau Pauline Cohen und ihrer Tochter Rosemary als Haushilfe

Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

Nürnberg Izbica

24.3.1942 Mutter von Nürnberg, Wielandstraße 6 auf dem Transport nach Izbica

17.1.1943 Tod des Vaters Michael in Auschwitz; vermutlich von Brünn nach Theresienstadt und von dort nach Auschwitz

Alija von Arthur und Ilse Neurath; Zeitpunkt und Weise unbekannt

Gedenken

Quellen

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de936918

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de936919

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Genealogie Website My Heritage

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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