Reinhardt Deborah

Deborah Reinhardt

*18.6.1911 in Köln

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Abraham Reinhardt *1.9.1881 in Wachenbuchen; ✡3.5.1937 Köln

Mutter Sara Loeb *1884

Großvater Joseph Reinhardt *27.2.1862 (?); 2.2.1918 Wachenbuchen

Großmutter Hannchen Reinhardt geb. Montag *1852 Crumstadt; ✡19.11.1910 in Wachenbuchen

Tante Sara Selma Reinhardt * 5.3.1883; ✡ 20.8.1937 in Palästina

Tante Margarethe Reinhard geb.Heimann *23.4.1878 in Trier; ✡18.5.1944 in Auschwitz

Tante Eva Emma Loeb *17.11.1877 Köln; ✡Mai 1942 in Chelmno/Kulmhof

Geschwister

Gideon Reinhardt *29.7.1912 in Köln

Ephraim Reinhardt *4.1.1916 in Köln; ✡ 10.2.1976; oo Margaret

Josua Reinhardt *8.4.1919 in Köln;

Beruf Krankenschwester

Adressen Köln Ehrenfeld; Haifa

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Vater Abraham Lehrer an der jüdische Volkschule in der Lützowstraße, auch Vorbeter in der Synagoge in der Ottostraße in Köln-Ehrenfeld

21.1.1935 Ankunft von Bruder Ephraim in Haifa auf der SS JERUSALEM mit Arbeiterzertifikat des Hechaluz der Kategorie C/LS

11.2.1935 Ankunft von Bruder Gideon auf der SS JERUSALEM

3.5.1937 Tod des Vaters im Israelitischen Asyl in Köln Ehrenfeld

14.8.1939 Ankunft von Mutter Sara Reinhard auf der SS PALESTINE in Haifa

Hachschara in Rissen

Josua Reinhardt zur „Älteren-Hachschara“ in Rissen/Blankenese, Heim Wilheminenhöhe, Rissener Landstraße 127, hier existierten drei Zentren für die Älteren/Erwachsenen: Ejn Chajim (seit August 1933), Schachal und Cherut-Charut (beide seit Dezember 1933)

17.5.1939 Josua Reinhardt in Hamburg Blankenese/Rissen

Gut Winkel

Josua Reinhardt zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde;

September 1939 Josua Reinhardt auf der Bewohnerliste von Gut Winkel

Alija beth auf der SS HILDA – Sonderhachschara 2

12.10.1939 Josua Reinhardt mit der Bahn von Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien;

29.1.1940 Ankunft Haifa nach Abschluß von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung

29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Athlit verbracht

21.7.1940 Registrierung von Josua Reinhard in Athlit; er gibt Oskar Fischbein, Köln als Referenz an , als Gemeindeältesten Dr. Caro, Köln(Dokument D/1214/40/CHU)

Er gibt als Zieladressen die Mutter Sara Reinhard in Haifa und Lotte Heymann an

18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager

29.7.1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlit

Sonderhachschara VII „Paraguay-Transport“

März 1940 die führenden jüdischen Funktionäre aus Berlin, Prag und Wien werden von SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin vorgeladen, um die illegalen „Sondertransporte“ nach Palästina zu forcieren; Ephraim Frank als Vertreter des erkrankten Lyon vom Palästinaamt und als designierter Transportführer dabei.

Für die SH 7 sollen etwa 30.000 Anmeldungen vorgelegen haben, zum großen Teil aber nur fiktiv, um gegenüber der Gestapo die geplante Auswanderung belegen zu können

August 1940 Deborah Reinhardt offiziell abgemeldet nach „Paraguay“, zunächst Zugfahrt nach Berlin; aus Berlin, Bahnhof Friedrichstraße fahren 350 Jugendliche und 150 Eltern, deren Kinder bereits Palästina-Pioniere in Palästina waren, nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa zu kommen; Transportführer war Ephraim Frank

Zweiter Transportführer Hans Wendel

Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes

Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule oder Lehrlingsheim

3.9.1940 mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau; in Pressburg für eine Woche in einem Lager im Stadtteil Patronka; Josef Nussbaum berichtet bei der Registrierung in Atlith, „The Camp was taken over as store for Heavy Opel trucks.“

10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN

10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;

Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.

Zwischenstopp im Hafen Agios Nikolaos, Kreta, um Kohle aufzunehmen

31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet

1.11.1940 Ankunft von Deborah Reinhardt auf der SS PACIFIC in Haifa

3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden

4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppen-transporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18000 t)

7.11.1940 Registrierung von Debora Reinhardt im Camp Atlith;

Sie gibt als Referenz ihre Mutter Sara und Bruder Gideon, beide Haifa an

Deborah Reinhardt war zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen

23. oder 24.11.1940 Ankunft der SS ATLANTIC in Haifa

Die PATRIA-Katastrophe

25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.

Walter Steinitz, aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:

“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“ (ca 200 von 1771)

Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.

25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.

26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;

Dezember 1940 noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht.

1941 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können

September-Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith

12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.

Köln – Theresienstadt – Auschwitz

27.7.1942 Tante Margarete auf dem Transport Köln – Theresienstadt – Auschwitz

Gedenken

1937 Beisetzung von Vater Abraham Reinhardt auf dem jüdischen Friedhof Köln-Bocklemünd, Flur 20A Nr. 161

Die auf der Sterbeurkunde angegebene Wohnadresse von Abraham Reinhardt, Körnerstr. 93, ist die Adresse der Synagoge Köln-Ehrenfeld, welche heute nicht mehr existiert.

Quellen

http://www.brüder-schönfeld-forum.de/Juden_W.htm

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

https://nsdok.de/Details-Gedenkbuch?sfrom=958&id=35734&buchstabe=R

Genealogie Webseite My Heritage

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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