
Oskar Jehoshua Händler
*29.6.1909 in Ludwigshafen; ✡ 24.11.1979
Staatsangehörigkeit staatenlos
Religion jüdisch

Vater Avigdor Viktor Händler *28.5.1877 in Dukla; ✡3.12.1959 in Givat Brenner
Heirat der Eltern 25.7.1901 in Luxemburg

Mutter Dvora Teodora Teichmann *7.7.1878; ✡ 26.4.1954 in Givat Brenner
Großvater Moses Leib Händler *7.1.1858 in Dukla, Galizien; ✡ 10.8.1942 in Lemberg
Großmutter Pessel Schabse Hinde ; 1922
Geschwister
Hermann Lazarus Händler *1905; ✡1929

Selma Scheindel Händler *8.1.1907 in Ludwigshafen; ✡ Januar 1942 in Mary, Turkmenistan
Max Elimelech Händler *14.2.1908; ✡4.12.1944 in Palästina mit Typhus
Hugo Joseph Händler *1911; ✡1996 in Israel; oo Netti Cohen
Simon Händler/Avidor *20.6.1913; ✡4.8.1954 in Israel; oo Lea Hoffnung
Bob Emanuel Händler/Avidor *1916; 1989 in Israel;
Meir Nathan Händler *1919; 2009 in Israel
Beruf
Adressen Ludwigshafen, Maxstraße 64; Berlin; Mannheim;
Heirat Pelzig
Kinder zwei
Weiterer Lebensweg
1933-1935 viele Familienmitglieder, Eltern und fast alle Geschwister emigrieren nach Palästina


1.4.1935 Einreise der Eltern auf der SS GALILEA von Triest nach Tel Aviv
Zurück bleiben nur der Großvater Leib, Oskar und seine Schwester Selma, die wegen ihrer langjährigen Tuberkulose keine Einreiseerlaubnis bekommt
Oskar Mitglied in der zionistischen Jugendgruppe „Hechaluz“.
Oktober 1936 im Vorstand des Hechaluz in Berlin, verantwortlich für die „Inlands-Ausbildung“
März 1938 von SA-Schlägern überfallen und misshandelt; weil er seine Verhaftung befürchtet, geht Händler in den Beit Chaluz nach Mannheim
Oskar Händler vermutlich mit weiteren „Mannheimern“ zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.
Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)
Polenaktion
28.10.1938 Oskar Händler verhaftet in Mannheim oder in Urfeld in der ersten Polenaktion, zusammen mit neun weiteren Chaluzim u.a. Susi Schmerler, Leo Geffner, Josef Kleinmann, Max Schliesser, Herbert Taub sowie Muchi und Ida (nicht identifiziert). Susi Schmerler aus Bochum schreibt in einem Bericht von 1939 über die in Zbaszyn gestrandeten Chaluzim:
„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“
„Doch da kam man uns mitten in unseren (Alija-) Plänen dazwischen. Eines Tages kamen mehrere Polizisten ins Beth Chaluz und brachten 10 Ausweisungsbefehle. Wir rechneten alle damit, dass uns noch 2-3 Monate Zeit bleiben würde. Doch nein! Es sollte heute noch sein! Wir telefonierten mit dem Flugplatz, wann das nächste Flugzeug nach London ging, doch die Polizei stand daneben und forderte von uns, dass wir sofort mitkommen müssten. Nicht einmal unsere Sachen durften wir mitnehmen.“
28.10.1938 Großvater Moses und Schwester Selma Händler, sowie Tante Dobre Hinde Nord mit ihrer Familie aus Ludwigshafen nach Zbaszyn ausgewiesen.
3.12.1938 Arno Fischmann, Chawer der Werkleute, schreibt aus Zbaszyn an Elieser Liebenstein in Tel Aviv:
„Wir haben hier einen Waad gebildet: Elek Stern, Dada Pick, Max Schliesser, Oskar Händler und ich, der laufend A.–H [Allgemeines Hilfs-Komitee für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland in Polen, KB] und Alijaangelegenheiten erledigt. […] Vom Lager zu berichten, ist eine grundtraurige und unerquickliche Angelegenheit, so dass ich ihr nicht gerne nachkomme. Der Rahmen wird auf allen diesen Lagern derselbe sein. Baracken, Notwohnungen, Feldküchen, schlechte Organisation, Kleiderverteilung und eine trostlos verzweifelte Stimmung einiger Tausend Menschen, die zur Untätigkeit verurteilt sind.“
August bis Oktober 1939 Auflösung des Lagers Zbaszyn
Sommer 1939 Oskar Händler mit Schwester Selma zunächst nach Warschau
1.9.1939 Einmarsch der Wehrmacht in Polen
September 1939 Flucht mit Schwester Selma in den von der Sowjetunion besetzten Teil Polens
Oktober 1939 Schließung des Lagers Zbaszyn
DROR
1915 DROR (Freiheit) gegründet als Abspaltung der „Ze’ire Zion“ (Zionistischen Jugend“). Bereits 1913 hatte sich Zeire Zion mit „Hashomer“ zu „Hashomer ha Za‘ir“ zusammengeschlossen
1942 waren Mitglieder von Dror an der Gründung der ZOB Żydowska Organizacja Bojowa/ Jüdische Kampforganisation im Warschauer Ghetto beteiligt, unter ihnen Zivia Lubetkin, Oskar Händler und Jitzhak Zuckerman.
Die Kibbuz-Organisation war „Ha-Kibbuz Ha-Me’uchad“.
1982 Zusammenschluss von Ha’Bonim und DROR zu Habonim-Dror
Ghetto-Fighter in Lemberg
Ab Oktober 1939 ist Oskar Händler in Lemberg/Lwow aktiv
Massendeportation nach Sibirien
1940 werden die nach Lemberg geflohenen polnischen Juden von den Sowjets genötigt, die russische Staatsbürgerschaft anzunehmen und auf Stalin zu schwören. Bei Ablehnung erfolgte die Deportation aus dem russisch besetzten Ostpolen nach Sibirien
Februar 1940 bis Juni 1941 Massendeportationen von 330.000 Polen in vier Wellen nach Sibirien und Zentralasien, u.a. 40000 Menschen in das Arbeitslager Workuta in Sibirien
Mai bis Juni 1940 Dritte Welle der Deportationen vor allem polnischer Flüchtlinge und Juden
1940 Oskar Händler mit seiner Schwester Selma verhaftet und in der dritten Welle nach Sibirien verschickt.
1940 Oskar und Selma Händler in einem Lager für feindliche Ausländer (GULAG) in Sibirien interniert
1941 in Usbekistan und Turkmenistan
Ende 1942 Tod der Schwester Selma in Mary, Turkmenistan an Typhus
1942 Oskar Händler zurück nach Polen
Ghetto Fighter in Warschau
1942 Seine Chawerim in der ZOB im Ghetto Warschau waren u.a. Zivia Lubetkin, Szimek Lustgarten, „Poldek“ Jehuda Wasserman Maimon
Nachkriegszeit
Bricha

Bricha-Aktivist in Polen, Rumänien, Deutschland und Italien als Shaliach im Auftrag der zionistischen Organisation DROR
Juni 1945 in Italien
Sommer 1945 in Bukarest
1946/47 Delegierter des Kongress des DROR im DP Camp Hochland in Deutschland; das DP Camp Hochland war von März 1946 bis 1949 ein Hachschara-Nebenlager von Camp Föhrenwald; es diente auch als Ausbildungslager für Hagana-Offiziere. Von dort wurden viele spätere Kibbuzniks von NETZER SERENI von Soldaten der Jewish Brigade in einer Bricha-Aktion nach Frankreich geschleust und dann mit der Bahn nach Marseille
10.5.1948 Staatsgründung Israels durch Proklamation von Ben Gurion.
Alija
1949 Alija von Oskar Händler nach Israel
Oskar Händler führend beim Aufbau des „Kibbuz der Ghettokämpfer“ (Lochamei Hagetaoth/Ghetto Fighters House) und eines Kibbuz-Kunstinstituts
Jahrzehnte im Einsatz für zionistische Verbände und den „Kibbuz der Ghettokämpfer“ (Lochamei Hagetaoth); u.a. im Vorstand des DROR; auf dem Podium der DROR-Convention im Kibbuz Shefayim in den 1960er Jahren
24.11.1978 Tod von Oskar Händler
Erinnerung
Susi Schmerler aus Bochum schreibt in ihr Tagebuch am 12.10.1940:
„Oskar! Von dir könnte ich vieles schreiben. Denn du warst mir etwas mehr als alle die anderen. Viel könnte ich von dir schreiben, aber gerade weil es so vieles gibt, kann ich es nicht. Irgendwie waren wir beide verbunden, durch so viele feine, unsichtbare Fäden. Ich liebte an dir so vieles. Deine hohe, schöne Gestalt, Dein edles Gesicht und dein ganzes, vornehmes und stilles Wesen. Dein ganzes Geld gabst du uns und vor keiner Arbeit schrecktest du zurück. Es war so schön, wie wir beide in den ersten Tagen zusammenarbeiteten. Ohne dich wäre aus der ganzen Gruppe nichts geworden. Du nur hieltest alles zusammen und organisiertest. Wo wäre ich wohl heute, wenn du nicht gewesen wärest? Stundenlang könnte ich von dir und Deinem „Werk“ erzählen, aber schreiben davon, kann ich nicht das Kleinste. Die ganze Zeit wollte ich dir schon mal schreiben, aber jetzt ist es schon unmöglich. Ich habe zu lange gezögert! Auch als wir weg waren, arbeitetest du noch. Erst wolltest du alle die anderen schicken, bevor du gingst. Und als du sogar in Russland warst, arbeitetest du heimlich für unsere Bewegung weiter. Achtetest nicht darauf, wie du dich selbst in Gefahr bringen kannst, arbeitest und arbeitetest und dein Lohn war der, dass sie dich nach Sibirien verbannten.“
Gedenken
2.8.2011 Stolpersteine für Oskar, Selma und Leib Händler und Verwandte der Familien Nord und Diamant in Ludwigshafen-Süd, Mundenheimer Straße 245
Quellen
https://infocenters.co.il/gfh/list.asp
Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018
Knut Bergbauer, Unterwegs. Jüdische Jugendbewegung aus Deutschland in Europa; in: Jüdische Jugend im Übergang, 2024
StA Bornheim, Sammlung Zerlett; Liste der Bewohner im „Lager Urfeld“
Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)
Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.
https://www1.wdr.de/urfeld100.html
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://collections.arolsen-archives.org/de
Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History