Max Moses Kellner
*8.6.1924 in Den Haag; ✡7.5.2003 Florida
Staatsangehörigkeit polnisch; staatenlos
Religion jüdisch
Vater Leib Leo Kellner *7.10.1882 in Limanow, Krakau; ✡?
Mutter Milli Schönberg *18.10.1898 in Limanow, Krakau; ✡?
Geschwister
Rena Kellner *11.2.1923 in Den Haag; ✡8.4.2021 in Jerusalem; oo David Bleier (*21.5.1914, ✡19.9.2010)
Lilly Kellner *12.7.1925 in Köln; ✡ 2.11.1942 in Auschwitz
Beruf Landwirtschaftlicher Arbeiter
Adressen Den Haag, Köln, Burgunder Straße 4
Heirat ledig
Kinder zwei
Richard Kellner
Weiterer Lebensweg
Erste Polenaktion Oktober 1938
Die Eltern waren nach Antwerpen geflohen, Bouwhandelstraat 68
Novemberpogrom 1938
22.11.1938 Ankunft von Max Moses und Schwester Lilly mit dem Zug in Rotterdam
22.11.1938 Unterbringung von Max Moses und Schwester Lilly im „Koloniehuis Rotterdam“ des I.G.K. Monster, Barendzstraat 24, Ter Heijde (Monster)
3.4.1939 Verlegung von Max Moses und Lilly in das Kinderheim Huize Kraaybeek, Hoofdstraat 63, Driebergen
2.12.1939 Max zur Hachschara ins Werkdorp Wieringermeer
Alija von Rena Kellner
15.3.1939 Einschiffung von Schwester Rena Kellner in Triest auf der SS PALESTINA

21.3.1939 Ankunft in Haifa mit Fremdenpass und Studentenzertifikat der Kategorie B(III) der Jugendalija
Werkdorp Nieuwe Sluis
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija).
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam das Hachschara Zentrum „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. 99 Jugendliche fanden hier Zuflucht. Ab 1939 bis zur Schließung am 16.10.1940 bestand parallel der Jugendalija Hof von Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 14-Jährige.
Nachdem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde das Lager kurzfristig nach Alkmaar evakuiert.
2.1.1940 Eintritt von Lilly Kellner in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“
7.5.1940 Max folgt nach Loosdrecht, „het Paviljoen“

Lilly Kellner kam als zweites Mädchen auf den Hof von Frau J. Veraar-Meijer in Loosdrecht Oud-Loosdrechtsedijk 14. Max Moses arbeitete nebenan bei Bauer Schoenmaker, Oud-Loosdrechtsedijk 16. Dessen Grundstück grenzte an das Gelände des „Paviljoen“.

Frühjahr 1942 Max Moses nach Abschluss der Hachschara ins Huize Voorburg in Elden
Kibbuz Elden
Nach Abschluss der Umschulung in Loosdrecht nach Elden,
Kibbuz Elden im Huize Voorburg, Drielse Dijk war im Besitz der Familie Kahn
Juni 1941-Oktober 1942 für Chaluzim mit abgeschlossener Hachschara und Palästinazertifikat
Oktober 1942 Auflösung aller jüdischer Arbeitslager
4.10.1942 Razzia im Huize Voorburg, Verhaftung von 36 der 40 Chaluzim in Elden und Verbringung ins „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“, dazu zählen auch der Leiter von Huize Voorburg Ernst Cosmann, Kurt Pollack aus Bochum, Rosa Kratzer aus Dortmund und ihr Verlobter Gerd Sternlicht (*16.7.1924); Leo Goldschmidt (*26.7.1924) und Verlobte Clara Helena Leefsma (*15.9.1924)
4 Chaluzim bleiben zum Aufräumen zurück
Transport nach Hooghalen. Zu Fuß ins Kamp Westerbork. Die Bahntrasse Hooghalen-Westerbork wurde erst im November 1942 fertiggestellt.
13.10.1942 Max Kellner schreibt aus Westerbork einen Brief an seinen Bauern:
„Sie werden sicher gehört haben, dass ich jetzt im Kamp Westerbork sitze. Das ganze Haus Elden musste letzten Samstag weg. Das ist natürlich nicht schön, aber ich hoffe, dass wir nicht so bald auf Transport nach Polen müssen. Wir sitzen hier mit 500 Menschen in einer Baracke mit drei Betten übereinander. Das Essen ist auch sehr wenig. Aber wir müssen durchhalten. Ich wäre sehr froh, wenn Sie mir Lebensmittel schicken könnten, denn die hätte ich sehr nötig. Ich will nichts weiter über die Zustände hier schreiben, denn das kann ich nicht in Worte fassen. Doch ich hoffe das Beste für uns alle. Mit besten Grüßen Max„
In Westerbork blieb die gesamte Elden-Gruppe nach Intervention von Josef Samson („oude kampbewooner“) zunächst von den Deportationen zurückgestellt; dessen Sohn Manfred Shlomo Samson war ebenfalls Mitglied der Elden- Hachschara.
Vater Josef Samson, Leiter der Arbeitsverwaltung in Westerbork, Innendienst-Abteilung 5, arrangiert mit dem SS-Kommandanten Gemmeker, die Chaluzim als qualifizierte Landarbeiter auf Feldern außerhalb des Lagers einzusetzen. Neben dem Lager befand sich ein Bauernhof, genannt Schattenberg, den sie bewirtschafteten und dies Hachschara Westerbork nannten. Diese Pioniere, nicht nur aus Elden, wurden nach ihrem Leiter Josef Klijnkramer als „Kleinkramer-groep“ bezeichnet.
14.9.1943 Deportation der über 20-jährigen Chaluzim nach Auschwitz; auf diesem Transport befanden sich mehrere orthodoxe Chaluzim u.a. Ernst Cosmann, Heinz Friedländer, Arnold Erlanger, Karl Elias und Erwin Moses.
Die Chaluzim unter 21 Jahren mit Palästina Zertifikat nach abgeschlossener Hachschara erhielten eine Palästina-Verklaring als „Austauschjuden“; sie sollten gegen Deutsche, die in Palästina („Templer“) oder einem anderen Staat des Britischen Empire lebten.
Sternlager Bergen-Belsen
Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
11.1.1944 Max Moses Kellner mit 1037 „Austauschhäftlingen“ auf dem zweiten Transport von Westerbork ins Sternlager Bergen-Belsen
Der Verlorene Zug
10. 4.1945 Evakuierung der Austauschjuden von Bergen-Belsen in drei Transportzügen mit dem Ziel Theresienstadt; Moses Kellner auf dem dritten Transport, dem „Verlorenen Zug“.
23.4.1945
Irrfahrt des verlorenen Zuges endet an der gesprengten Elsterbrücke; Ankunft Tröbitz, Befreiung durch die 1. Ukrainische Front der Roten Armee, General Tschukow

Rückkehr in die Niederlande
Alija beth auf der SS MATAROA

4. 9.1945 Abfahrt der SS MATAROA aus Marseille Abfahrt der SS MATAROA aus Marseille, an Bord 600 legale, darunter die 78 Buchenwald Chaluzim und 300 Ma‘apilim, meist Überlebenden aus Bergen-Belsen und Buchenwald

8.9.1945 Ankunft von Moses Kellner auf der SS MATAROA in Haifa; Verbringung in das britische Internierungscamp Athlit
14.3.1958 Einreise über den Flughafen Prestwick in Schottland nach New York als Israelischer Staatsbürger
7.5.2003 Tod in West Palm Beach, Florida
Onderduiker
7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.
14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz
Erica Bloot erfährt beim Joodse Raad, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen. Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.
15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Simon und Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.
13.8.1942 Ankündigung von Menachem Pinkhoff und Schuschu Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.
Karteikarte mit dem typischen Datumsstempel der onderduiker aus Loosdrecht
Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!
Verhaftung an der belgischen Grenze
September 1942 eine Gruppe von acht „onderduiker“ aus Loosdrecht soll über Belgien und Frankreich in die Schweiz geschleust werden: Bernhard Aschheim, Siegbert Leo Adler, Robert Jozef Dürheim, Juda Pinkhof, Lilli Kellner, Fabian Schön, Jossel Waldmann and Esra Jurovics
8.9.1942 Sie werden beim Grenzübertritt verhaftet und zum SD (Gestapo) nach Brüssel gebracht
25.10.1942 Internierung der Gruppe im Sammellager Kazerne Dossin in Mechelen
28.10.1942 Siegbert Adler und Robert Dürheim auf dem XVI. Transport von Mechelen nach Auschwitz
30.10.1942 Deportation der anderen sechs Flüchtlinge auf dem XVII. Transport von Mechelen nach Auschwitz
18.8.1943 Chana Kellner von Mechelen nach Auschwitz
Gedenken
Mirjam Pinkhof-Waterman beschreibt seine Schwester Lilly 1987 so:
„Lilli war ein fröhliches Mädchen. Ziemlich hübsch, errötend, immer zufrieden, immer bereit, das zu tun was eben gerade getan werden musste. Eine Weile arbeitete sie in Het Paviloen in der Wäscherei… Später kam sie zum Veraar-Bauernhof, wo sie zusammen mit Rosel und Ruth arbeitete. Sie war sehr stark und konnte graben wie die kräftigsten Jungen.“
1956 Pages of Testimony für Schwester Lilly von Schwester Rena Bleier
Quellen
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de897433
http://dokin.nl/deceased-children/Lilli-Kellner-born-12-Jul-1925
http://www.dokin.nl/surviving_children/max-moses-kellner-born-8-jun-1924/
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130318069
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130318070
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316