Irma Fernheimer geb. Dessauer
*24.11.1910 in Gelsenkirchen; ✡1962 Palästina;
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Gustav Dessauer *10.9.1879 in Warendorf; ✡18.3.1942 in Frankfurt
Mutter Selma Regine Heymann *14.8.1875 in Wattenscheid; ✡ in Gelsenkirchen

Onkel Alfred Heymann *24.8.1888 in Wattenscheid; ✡nach Jan. 1942 in Riga
Großvater August Dessauer *11.8.1857 in Warendorf; ✡10.6.1935 im jüd. Altenheim Bielefeld
Geschwister
Arthur Dessauer *21.3.1916 in Gelsenkirchen; oo Johanna Passmann; beide ✡3.3.1943 in Auschwitz
Beruf –
Adressen Gelsenkirchen; Ellguth, Steinau
Heirat 1931 in Gelsenkirchen Max Fernheimer *21.4.1906 in Wörth/Main; 1984 in Israel
Kind
Alfred Kurt Fernheimer *19.11.1931 in Gelsenkirchen; ✡ 1962 in Israel
Weiterer Lebensweg
1931 Irma heiratet in Gelsenkirchen
Umzug von Irma und Max Fernheimer zu den Schwiegereltern nach Wörth
Das Lehrgut Ellguth
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Irma Fernheimer mit Sohn Kurt zur Hachschara ins Lehrgut Schocken
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern polnischstämmige Chaluzim abgeschoben. Diese konnten aber oftmals illegal wieder zurückkehren.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen
10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht; die erwachsenen Männer werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.
25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.
17.5.1939 mit beiden Eltern in Gelsenkirchen bei Minderheiten-Volkszählung
1939 Bruder Artur im Zwangsarbeiterlager in Borghorst, Dumte, Regulierung der Steinfurter Aa
Nach Mai 1939 Vater Gustav nach Frankfurt, Grüne Straße 36

1.8.1939 Ankunft von Irma mit Ehemann Max und Sohn Kurt auf der SS MERIAT PASCHA in Haifa Emigration nach Palästina
24.3.1940 Bruder Artur aus Berlin kommend angemeldet in Paderborn, Umschulungs- und Einsatzlagers Schloßhofstraße 73 a

18.3.1942 Vater Gustav stirbt im Krankenhaus der israelitischen Gemeinde in Frankfurt, Gagernstraße 36; Diagnosen Lungenentzündung, Herzschwäche, Schenkelhalsbruch
November 1942 in Kraft tretendes Gesetz: „Alle im Reich gelegenen Konzentrationslager sind judenfrei zu machen und sämtliche Juden sind nach Auschwitz und Lublin zu deportieren.“
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz deportiert, um den Arbeitskräftebedarf im Nebenlager Buna zu decken.
27.2.1943 Befehl von Wilhelm Pützer (1893-1945), Leiter des Judenreferats der Gestapo-Außendienststelle Bielefeld, das „jüdische Arbeitseinsatzlager in Bielefeld“ aufzulösen und deren Insassen und weitere Juden aus dem Sprengel bis zum 1. März, also zwei Tage später, nach Bielefeld zu bringen, wo sie „spätestens“ bis 13 Uhr im „Saal der Eintracht“ eintreffen mussten.
1.3.1943 Auflösung des Arbeitslagers Bielefeld, mit Bussen ins Sammellager Saal im Haus der Gesellschaft „Eintracht“ am Klosterplatz
Erwin Angress berichtet:
„Die Jüdischen Lagerinsassen – insgesamt 99 – wurden in Extrawagen nach Bielefeld transportiert, die an den fahrplanmäßigen Zug ab Paderborn am 1.3.43 um 8.24 Uhr angehängt wurden. In Bielefeld gab es im Saal des Vereinslokals ,Eintracht‘ ein Sammellager für Juden aus dem ganzen Bezirk. Bereits in der darauffolgenden Nacht vom 1. auf den 2. März 1943 wurden alle Juden zum Bielelelder Güterbahnhof gebracht und in Waggons gepfercht. Mit diesem Zug rollten wir dann nach Auschwitz… Nur 9 Personen haben überlebt.“
2.3.1943 40 Stunden im geschlossenen Güterwaggon, Transport Bielefeld über Hannover – Erfurt – Dresden nach Auschwitz mit allen 98 Chawerim aus dem Arbeitslager
3.3.1943 Ankunft und Selektion der ‚Alten Rampe‘ am Güterbahnhof von Auschwitz;
Ernst Michel berichtet:
„Es gab nun zwei Reihen, beide rückten langsam voran. Männer an eine Seite, Frauen an die andere. … Issy schlurfte neben mir. Er war in Paderborn einer der charismatischen und zuverlässigsten Leiter. Er war dynamisch, optimistisch und stets hilfsbereit. Er war stark wie ein Stier. Er hatte Lilo in Paderborn geheiratet einige Wochen vor unserer Deportation. Sie war bereits auf der anderen Seite. Tränen rannen sein Gesicht hinunter. Ich berührte ihn. Er nickte nur.“
Arthur nicht eingewiesen in Auschwitz III zum Aufbau des IG-Farben Werkes Buna Monowitz, Kalendarium von Auschwitz vom 3.3.1943
„Reichssicherheitshauptamt Transport, Juden aus Berlin. Nach der Selektion lieferte man 535 Männer als Häftlinge ins Lager ein, sie bekamen die Nr. 104 890 – 105 424; 145 Frauen bekamen die Nr. 36 9035 – 37 079. Die übrigen wurden vergast.“
Gedenken
10.6.1999 Page of Testimony für seine Großeltern Gustav und Selma Dessauer von Enkelsohn Abraham Nave Fernheimer
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4977739
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de851573
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de942509
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1578336
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/76728735
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430302_1.jpg
Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7
Ernest W. Michel, „Promises Kept – Ein Lebensweg gegen alle Wahrscheinlichkeiten“, 2013