
Isidor Jakob Kirschroth
*11.2.1919 in Minden; ✡20.5.2003 in Tacoma, USA
Religion jüdisch
Staatsangehörigkeit polnisch; USA
Vater Samuel Wolf Kirschroth *1.4.1893 in Warschau; ✡ vor 1945
Mutter Helene Hena Ingberg *27.5.1898 in Warschau; ✡ vor 1945
Onkel Hirsch Herz Wolf Ingberg *15.9.1870 in Warschau; ✡15.1.1943
Geschwister
Herbert Kirschroth *22.12.1920 in Minden; ✡vor 1945
Charlotte Kirschroth*4.9.1923 in Minden; ✡vor 1945
Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant; US Militär
Adressen Minden; Groß Breesen;
Erste Ehe
23.3.1940 in Sturminster Inge Salomon * 30.5.1921 in Dehme, Minden
Die Ehe wird geschieden
Zweite Ehe
1947 in Wien Lorena Ruth Bourke *13.3.1912 Hoquiam, Washington; ✡8.5.1981
„Meine Frau habe ich in Wien (Österreich) geheiratet. Sie war ein Hauptmann in der Armee und kam nach Wien, um mich abzulösen.“
Kinder aus 2. Ehe
Charlotte Kirshrot *1948; oo Fernandez
Herbert Kirshrot *1949
Weiterer Lebensweg
Vater Samuel als polnischer Kriegsgefangener im 1. WK im Lager in Minden
1934 Abbruch von Isidor Kirschroth auf der Bessel-Oberrealschule in Minden
Überseegruppenwanderer Lehrgut Groß Breesen
Mai 1936 Eröffnung des nichtzionistischen Übersee-Gruppenwanderer Lehrgutes Groß Breesen; im Gegensatz zu anderen Lagern ist Groß Breesen nicht an jüdische Organisationen gebunden, war jedoch stark geprägt vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V., assimiliert, liberal, national)
1936-1939 Curt „Bo“ Bondy Lagerleiter und pädagogischer Leiter, auf Bitten von Leo Baeck; von vielen ‚Groß-Breesenern‘ wurde er als charismatische Persönlichkeit, der sie viel zu verdanken haben, verehrt. Unterstützt wurde er von Ernst Cramer, einem älteren Praktikanten.
Leiter der landwirtschaftlichen Ausbildung war Oberinspektor Erwin Scheier, dessen Frau Ruth oblag die Hauswirtschaft, Tischlermeister Max Kiwi die Schreinerei.
Isidor und Herbert Kirschroth zur Umschulung ins Überseeauswanderer Lager Groß Breesen; dort lernt er Inge Salomon kennen.
Erste Polenaktion
28.10.1938 Abschiebung der Familie Kirschroth nach Zbaszyn
28.10.1938 Abschiebung der Familie von Onkel Hirsch Ingberg
Juli 1939 von Zbaszyn nach Warschau; Familie zuletzt im Ghetto Miedzyrzec Podlaski
Mai 1939 Mutter Helene nach Minden zur Abwicklung des Vermögens.
Mai 1939 Isidor Kirschroth vermutlich auf der SS WARSZAWA von Gdynia nach England
23.3.1940 Heirat in Sturminster mit Inge Salomon aus Minden; Wohnsitz der Eheleute in Lower Lillington; ihre Mutter lebt 1940 als Frieda Niermann in Arbutus Cottage bei Bristol

22.5.-1.6.1940 Isidor und Inge Kirschroth auf der SS SAMARIA von Liverpool nach New York

Ziel Hyde Park Farm Project in Burkeville ; 1938-1942 Aufbau des jüdischen Farm-Projekts, die Hyde Park Farm in Burkeville (Virginia, USA), wohin viele Groß Breesener kamen
Die Thalhimer-Farm „Hyde Farmlands“
William B. Thalhimer, Warenhausbesitzer in Richmond, kaufte die Farm „Hyde Farmlands“ in Nottoway County, Virginia zur landwirtschaftlichen Ausbildung jüdischer Jugendlicher für die „Virginiagruppe“ der Breesener (Chawerim aus dem Hachscharalager Groß-Breesen)
1940 Vierundzwanzig Groß-Breesener können mit einer Sonderquote für Landwirte nur für die Hyde Farmlands einreisen.
Als „Head“ wird Henry Cornes Heinz Kahn (HaKa) aus Eschwege geführt
29.11.1940 Isidor Kirschroth in Hyde Park, Burkeville, Nottoway County, Virginia
Ende 1941 nach Erkrankung von Thalhimer wird die Farm geschlossen; bei Kriegseintritt der USA gehen viele Chawerim in die US Army;
Militärkarriere in der US Army
1942 Eintritt in die US-Army
1943 Beförderung zum Offizier
1943-1972 mit der US Army in Nordafrika, Italien, Österreich, San Francisco, zweimal Generalstab im Pentagon und zweimal nach Philadelphia. Zwischendurch die Universität von San Francisco absolviert, sechs verschiedene Militärschulen und Außendienst in Korea, Japan, Deutschland und Vietnam.

1948 Suchanzeige von Captain Kirshrot (Wien) nach Schwester Charlotte Kirszrot
Juni 1964 25-Jahresfeier der Ankunft in Australien in Rockwood bei Herbert und Gerte Cohn mit 30 Teilnehmern (einschließlich Familie) dort trifft er u.a. Gert Pfingst, ebenfalls aus Minden: „Gert Pfingst who travelled over 500 miles to come here especially to meet Isi as they both came originally from the same town in Westphalia, namely Minden“
Juli 1974 Demission aus der US-Army als Colonel (Oberst)
Die Groß-Breesen Rundbriefe Nr. 23 und 24
Oktober 1966 im Groß-Breesen Rundbrief Nr. 23 heißt es über ihn:
KIRSHROT, Isi, Colonel, 01586722, 1905 Old Stage Road, Alexandria, Va. 22308 USA.
Isi ist inzwischen zum Obersten avanciert; im letzten Schreiben hoffte er, nach Europa versetzt zu werden; da wir nichts weiter gehört haben, müssen wir annehmen, dass daraus nichts geworden ist.
1974 im Groß-Breesen Rundbrief Nr. 24 ist seine Kurz-Autobiografie abgedruckt
KIRSHROT Isidor J. (Isi Kirschroth)
„Geboren 1919 in Minden, Westfalen. Unterbrach Oberrealschule, um nach Gross-Breesen zu gehen.
Oktober 1938 nach Polen abgeschoben. Von Mai 1939 bis Mai 1940 in England, dann Hyde Farmlands. 1941 ein Semester am Virginia Polytechnikum, 1942 als Gefreiter in die Amerikanische Armee einberufen 1943 zum Offizier befördert.
Die Heeres-Karriere brachte mich nach Nordafrika, Italien, Österreich, nach San Francisco, zweimal zum Generalstab im Pentagon und zweimal nach Philadelphia. Zwischendurch die Universität von San Francisco absolviert, sechs verschiedene Militärschulen und Außendienst in Korea, Japan, Deutschland und Vietnam.
In der Zwischenzeit vom Gefreiten zum Oberst befördert.
In Vietnam kommandierte ich von 71-72 den größten Depot des amerikanischen Heeres mit 4500 Soldaten und Offizieren. Seit Juni 1972 zum zweiten Mal in Heidelberg als Generalstabs-Offizier im Hauptquartier des Amerikanischen Heeres in Europa.
Meine militärische Karriere wird nach mehr als 32 Jahren im Juli 1974 zu Ende gehen. Ich werdesehr wahrscheinlich die Universität besuchen, um mein „doctorate in economy“ zu beenden. Dann hoffe ich an einer Universität zu unterrichten.
Meine Tochter ist mit einem Rechtsanwalt in Albuquerque, New Mexico, verheiratet. Mein Sohn beendete die Universität von Tennessee und ist Manager eines Restaurants in Houston, Texas. Meine Frau habe ich in Wien (Österreich) geheiratet. Sie war ein Hauptmann in der Armee und kam nach Wien, um mich abzulösen.“
Gedenken
23.6.1986 Pages of Testimony für seine Familie von Bruder Isidor Kirshrot in Tacoma
Stolpersteine in Minden, Simeonstraße 8 für Samuel, Helene, Herbert und Charlotte Kirschroth
Stolpersteine in Minden, Kampstraße 32 für Onkel Hirsch seine Frau Soscha und die Cousins Moritz, David und Erika Ingberg
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1005491
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1005492
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1005494
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1005493
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/86279549
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.mappingthelives.org
Werner Angress, Generation zwischen Furcht und Hoffnung, 1985
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_sln_43a.html
Arthur Wolff, Bericht für den Groß Breesen Rundbrief Nr. 24, 1984
Damit es nicht vergessen wird, Bericht in zwei Teilen, 1991
Günter Marcuse, Tagebuch Groß Breesen; Groß Breesen Rundbrief Nr. 23, 1966
https://archive.org/details/jdischesausb001f022/page/n2/mode/1up?view=theater
Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6471); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85.
https://www.yumpu.com/de/document/read/3840614/21-brief-19-p745-54-gross-breesen-silesia