Wieselmann Helene

Helene Chana Wieselmann

*1.11.1923 in Buer, Gelsenkirchen; ✡12.1.2020

Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Ignaz Itzchak Wieselmann *4.4.1892 in Nadworna; ✡ 1944 in Lublin

Mutter Adele Weidenfeld *10.3.1897 in Kalusz; ✡ 1942 in Lublin an Typhus

Großvater Leo Juda Weidenfeld *1856 in Kalusz; ✡17.3.1919 in Buer

Großmutter Klara Reichenstein *9.2.1860 in Kalusz; ✡ ?

Onkel

Jakob Weidenfeld *6.6.1887 in Kalusz; ✡7.1.1946 in Gelsenkirchen; oo Bracha Berta Friedländer-Andersmann (*10.5.1896 in Buczacz, Galizien, ✡28.7.1972 in Tel Aviv); Tochter Ruth *15.6.1925 in Buer

Geschwister

Elfriede Chedva Wieselmann *16.12.1921 in Buer; 2002 in Tel Aviv; oo Re‘emy

Hildegard Wieselmann *6.7. 1926 in Buer; ✡ 1944 in Lublin

Beruf

Adressen Buer, Gelsenkirchen, Luggendelle 26; Schniebinchen

Heirat Natan Wegmann *22.7.1921; ✡28.12.1998

Kinder zwei

Dan Wegmann *30.7.1946; ✡20.2.2018

Weiterer Lebensweg

Januar 1937 Alija von Schwester Elfriede nach Palästina; geht nach Petah Tikwa

Erste Polenaktion

28.10.1938 Mutter Adele und Schwester Hildegard ausgewiesen nach Zbaszyn

Februar 1939 Helene  und Vater Ignaz Wieselmann umgemeldet in die Horster Straße 36

22.2.1939 Vater Ignaz ausgewiesen nach Polen

Hachschara Lehrgut Schniebienchen

Ende Februar 1939 Helene Wieselmann zur Hachschara nach Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt demApotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz.Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.

Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:

Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

1939 waren 109 Chaluzim und Personal im Lager;

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“

Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Helene Wieselmann in Schniebinchen
August 1939 Alija von Helene Wieselmann über Italien nach Palästina

Gedenken

Acht Pages of Testimony für die Eltern und Schwester Hildegard von Chedva Re‘emy

7.5.2024 Fünf Stolpersteine in Gelsenkirchen für die Eltern und die drei Schwestern

Grabstein für den Großvater Leo Juda Weidenfeld auf dem jüdischen Friedhof in Recklinghausen

Quellen

http://www.stolpersteine-gelsenkirchen.de/stolpersteine_familie_ignaz_wieselmann_gelsenkirchen.htm

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en280233

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en1603381

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en992242

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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