
Rolf Herschthal
*3.6.1924 in Barmen
Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos
Religion jüdisch

Vater Michael Herschthal *30.3.1889 in Groß Salze Galizien; ✡12.8.1942 in Auschwitz
Mutter Elsa Schmiedl *26.3.1897 in Austerlitz, Mähren; ✡ 12.8.1942 in Auschwitz
Geschwister
Ellen Solmea Herschthal *8.6.1928 in Barmenl; ✡12.8.1942 in Auschwitz
Beruf Motorenschlosser
Adressen Barmen; Wuppertal, Straße der Alten Garde 54 (heute Werth); Schniebinchen, Sorau
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
1.8.1929 Zusammenschluss von Barmen, Elberfeld u.a. zur Stadt Wuppertal
Polenaktion
28.10.1938 die Familie kann wegen ihrer Staatenlosigkeit nicht nach Zbaszyn abgeschoben werden
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Rolf Herschthal zur Hachschara nach Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.
Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:
Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Rolf Herschthal mit 122 Personen, 1939 waren es 109 Chaluzim und Angestellte registriert in Schniebinchen
Legale Alija

21.7.1939 Passausstellung für Rolf Herschthal in Sorau
9.8.1939 Einschiffung in Triest
14.8.1939 Ankunft von Rolf Herschthal in Haifa mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)
5.9.1942 Eintritt in die Palestinian Company der Royal Army
10.11.1944 Einbürgerung in Palästina
Belgien – Mechelen – Auschwitz
1939 Flucht der Eltern mit Schwester Ellen nach Belgien
17.5.1939 Eltern und Schwester Ellen nicht mehr erfasst bei der Minderheitenzählung

6.8. – 11.8.1942 Deportation der Eltern und Schwester Ellen auf dem II. Transport von Mechelen nach Auschwitz
Gedenken
–
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de861078
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de861079
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de861081
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316