Zebrak Moritz

Moritz Moshe Zebrak

*26.3.1923 Augsburg; in Tel Aviv

Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Josef Srul Zebrak *10.3.1877 in Stoczek, Polen; ✡14.3.1942 Bernburg

Heirat der Eltern 19.6.1922

Mutter Scheindel Jenny Slon *15.1.1990 Kaluszyn; ✡vor 1944 in Piaski

Josef Zebrak mit Familie

Geschwister

Hedwig Zebrak *9.5.1925 in Augsburg; ✡ vor 1944 in Piaski

Rosa Zebrak*3.11.1927 in Augsburg; ✡ vor 1944 in Piaski

Paula Zebrak *11.1.1930 in Augsburg; ✡ vor 1944 in Piaski

Halbgeschwister 1.Ehe, Mutter Rachel Karlewitz *1.1.1880; ✡vor 1921 in Augsburg

Jakob Zebrak *6.6.1898 in Kaluszyn; ✡13.12.1947 Melbourne

Schmul Zebrak *6.6.1903 in Kaluszyn; ✡Santiago de Chile

Ari Ludwig Zebrak *3.3.1908 in Kaluszyn; ✡21.11.1981 in Tel Aviv; oo Hanna Najman

Beruf

Adressen Augsburg, Ulmer Straße 228; Oberhausen; Schniebinchen, Sorau

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Vater Josef war Schuster, Chasan und Schochet

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Moritz Zebrak zur Hachschara nach Schnibinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.

Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:

Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“

Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Moritz Zebrak mit 122 Personen, 1939 waren 109 Chaluzim und Angestellte registriert in Schniebinchen

Legale Alija

4.7.1939 Passausstellung für Moritz Zebrak in Sorau

9.8.1939 Einschiffung in Triest mit Rolf Herschthal

18.8.1939 Ankunft in Haifa mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)

10.8.1942 Eintritt in die Palestinian Company der Royal Army

27.8.1942 Einbürgerung in Palästina

Erste Polenaktion

28.10.1938 die Familie kann wegen ihrer Staatenlosigkeit nicht nach Zbaszyn abgeschoben werden.

Die Zweite Polenaktion

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen

7.9.1939 Anweisung des RSHA alle polnischen Männer als „feindliche Ausländer“ zu verhaften

Verhaftung von Vater Josef Zebrak in Augsburg, Einsperrung ins Polizeigefängnis Augsburg

16.10.1939 Einweisung ins KL Buchenwald durch STAPO Augsburg

Aktion 14f13 „Häftlingseuthanasie“ – Tötungsanstalt Bernburg

November/Dezember 1941 Selektion durch die „Euthanasie“-Gutachterkommission unter Dr. med. Fritz Mennecke, Aktion 14f13 „Häftlingseuthanasie“

Anfang 1942 alle Juden werden zur erneuten Selektion in den Häftlingskrankenbau befohlen.

Lagerarzt Hoven stand breitbeinig auf dem Tisch, während die jüdischen Männer vorbeimarschierten.

Der kommunistische Kapo Heinrich Weingärtner muss die Häftlingsnamen der für Zwangsarbeit ungeeigneten notieren.

Report von Emil Carlebach Blockältester im Judenblock in Buchenwald

 „Am 2. März 1942 fuhren morgens beim Zählappell Lastkraftwagen vor dem Lagertor auf. 90 Jüdische Häftlinge mußten auf Transport. An drei Tagen wiederholte sich das.“

14.3.1942 Josef Zebrak – streng nach dem Alphabet – auf dem letzten Transport mit den grauen Bussen; die 99 Gefangenen wurden in der Gaskammer von Bernburg unmittelbar nach Ankunft ermordet, insgesamt 402 bei vier Transporten

Die Sterbeurkunden sind fingiert, fiktiv mit Todesort, Datum und Ursache, angeblich 21.3.1942 von einem nicht existenten Standesamt Kulmhof ausgestellt.

Augsburg – München – Piaski

3.-4.4.1942 Deportation der Mutter Scheindel sowie der Schwestern Hedwig, Paula und Rosa Zebrak von München nach Piaski

Gedenken

Grabstein für Josef Zebrak in Augsburg; Urnengrab mit fälschlichem Todesdatum

Quellen

Emil Carlebach, Zur Lage der jüdischen Häftlinge im KZ Buchenwald, in:
Buchenwald Mahnung und Verpflichtung, Hrsg. Gedenkstätte Buchenwald, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1983, S. 449-453

https://early-testimony.ehri-project.eu/document/EHRI-ET-WL16560413#&gid=2&pid=6

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de996810

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de996811

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de996812

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de996813

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de996814

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/74729879

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/7479220

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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