Alter Heinz

Heinz Alter

*31.7.1925 in Stuttgart

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater unbekannt

Mutter Margit Alter *20.2.1905; ✡ 29.7.1937

Geschwister keine

Großvater Sandor Alter *10.3.1876; ✡?

Großmutter Mali Alter geb. Ardel *15.6.1874 in Wien

Beruf Landarbeiter

Adressen Stuttgart, Hauptstätter Straße 46; Schniebinchen, Sorau

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

29.7.1937 Tod der Mutter

Polenaktion

28.10.1938 Abschiebung von Sandor Alter nach Zbaszyn

17.5.1935 Großmutter Mali Adler in Stuttgart, Hauptstätter Straße 46 bei der Minderheitenzählung

Sommer 1939 Großmutter Mali Adler folgt nach Polen

1.9.1939 Besetzung Polens durch die Wehrmacht und die Rote Armee

Deportation der Großeltern aus dem russisch besetzten Ostpolen nach Sibirien

1940 sind die Großeltern in einem Lager für feindliche Ausländer in Novosibirsk interniert

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

1939 Heinz Adler zur Hachschara nach Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.

Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:

Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“

Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Heinz Adler erfasst mit122 Personen, 1939 waren 109 Chaluzim und Angestellte registriert in Schniebinchen

Kindertransport

10.8.1939 Heinz Alter auf einem GEF-Transport (gefährdet) über Hoek van Holland nach Harwich

Eintritt in die Royal Army

6.8.1946 Suchanfrage von H. Alter, „Private“ der 53. RHU in BAOR /British Army of the Rhine

Er gibt sich als „Son“ von Sandor und Mali Alter aus.

Gedenken

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de830236

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de830240

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/85977897

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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