Weinstein Bernhard

Bernhard Weinstein

*23.3.1920 in Warschau; ✡ 6.7.2015 in Kfar Yekhezkel

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater Benjamin Weinstein *2.4.1895 Tschenstochau; ✡1942

Mutter Sarah Bondiskowska *10.10.1897 in Warschau; ✡ 1942

Geschwister

Heinrich Jakob Weinstein *27.5.1922 in Rossberg, Beuthen; ✡ 17.5.2018; oo Sophie Tirza Getreu (1921-2017)

Moritz Weinstein *26.2.1923 in Beuthen; ✡ ?; Susi Bacher

Joseph Weinstein *18.1.1928 in Beuthen; ✡1942

Cousin Friedel Weinstein *6.11.1915 in Hindenburg

Beruf

Adressen Beuthen, Adolf-Hitler-Platz 12; Halbe; Dänemark; Schweden; Kfar Yekhezkel

Heirat ledig

Kinder keine

Weiterer Lebensweg

1938Bruder Heinrichzur Hachschara ins Landwerk Ahrensdorf, Pfadfinderbund Makkabi HaZair

19.9.1938 Legale Alija von Bruder Heinrich nach Haifa

Minderheitenzählung

17.5.1939 die Eltern und Brüder Weinstein in Beuthen, Adolf-Hitler-Platz 12

Landwerk Halbe

Bernhard Weinstein als Mitglied des Hechaluz zur Hachschara ins Landwerk Halbe

Landwerk Halbe Jüdische Mustersiedlung und Landerziehungsheim Halbe (1919-1926) und Landwerk Halbe (1934-1938) für die Mittlere Hachschara (14-17 Jahre)

Träger Makkabi; wie auch Ahrensdorf und Freienstein

Leiter Friedrich Perlstein

Das zweigeschossige Hauptgebäude verfügte im Erdgeschoss über einen Speisesaal für ca. 60 Personen, die Küche und den Schlafsaal der Mädchen, im Obergeschoss befanden sich Schlafräume und ein Waschraum. Das Haus auf der anderen Straßenseite beherbergte das Büro und Perlsteins Wohnung. In einer weiteren Baracke wohnten die „Umschichtler“ der „Älteren-Hachschara“. Die Felder mit den Ställen waren über einen Kilometer entfernt.

1938 wirkte Alex Moch an der ersten Abschlussprüfung im jüdischen Landwerk Halbe (Brandenburg) mit, gemeinsam mit dessen Leiter Friedrich Perlstein sowie Martin Gerson, dem Leiter der Hachschara Ausbildungsstätte Gut Winkel in Brandenburg, die beide Diplom-Landwirte waren. Die neun Lehrlinge aus dem Jugendbund Makkabi Hazair hatten nach ihrer zweijährigen Ausbildung in Halbe eine schriftliche Klausurarbeit zu verfassen, ein Fachtagebuch vorzulegen, ihre praktischen Fertigkeiten in Acker- und Pflanzenbau, Viehhaltung, Obst- und Gemüsebau nachzuweisen, und wurden mündlich in Bodenkunde, Düngung, Botanik, Pflanzenschutz sowie betriebswirtschaftlichen Kenntnissen geprüft.

Novemberpogrom in Halbe

Zu den überfallenen Ausbildungsorten gehörten Ellguth/Schlesien, Freienstein/Pommern, der Gehringshof bei Fulda, Groß-Breesen/Schlesien, Grüsen bei Frankenberg, Neuendorf bei Fürstenwalde, das Landwerk Halbe/ Brandenburg, „Jom Tow“ Silingthal/Schlesien, Halberstadt, Jägerslust bei Flensburg, Bomsdorf/Krs.Bitterfeld und Sennfeld/Baden. Hachschara-Stätten wie Urfeld bei Köln, Polenzwerder, der Brüderhof bei Hamburg, der Kibbuz Westerbeck in Westfalen und Einrichtungen wie das Jüdische Jugendheim Essen, das auch für Ausbildungszwecke genutzt werden musste, waren ebenfalls betroffen.

10.11.1938 Novemberpogrom in Halbe; Diplomlandwirt Friedrich Perlstein ist Leiter des Landwerks

Perlstein dazu in einem Brief an das Ausgleichsamt des Kreises Bergstraße vom 7. 2. 1973:

„Am 9. November 1938 erschienen Lastautos, gefüllt mit schwarz uniformierten Sturmtruppen. Sie stürmten in die Gebäude und befahlen uns hinter dem Gebäude anzutreten. Es war stock dunkel und wir wurden mit starken Scheinwerfern geblendet. Untermischt mit Schimpfwörtern wurde uns erklärt, dass wir erschossen würden, aber vor der Hinrichtung sollten wir zusehen, wie sie das ‚Judennest‘ vollständig zerstören würden. Sie stahlen, was sie für sich haben wollten und zertrümmerten alles was in bestialischer Weise zerstört werden konnte.
Zum Schluss gaben sie den Befehl das Landwerk Halbe zu verlassen und erklärten mit grausamen Drohungen, dass sie morgen zurückkommen würden, um sich zu versichern, dass ihr Befehl ausgeführt wurde. Dann bestiegen sie ihre Lastwagen und verschwanden in der Nacht. Das war das Ende des Landwerk Halbe.“

1939 Bernhard Weinstein nach der Auflösung des Landwerks nach Dänemark; Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

Ausnahmezustand in Dänemark 1943

1939 Emigration nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen

9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943

29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen

17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark

September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark

„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.

28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.

Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.

8.10.1943 Bernhard Weinstein von Talstrup über den Öresund nach Landskrona

26.5.1944 In Esperöd, Väsby, Malmöhus, Skåne, Sweden

8.9.1944 Bernhard Weinstein auf der Hechaluz Liste notwendiger Passverlängerungen

Alija von Bernhard Weinstein

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Bruder Moritz Weinstein zur Hachschara nach Schniebinchen; Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld Niederlausitz

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

17.5.1939 Moritz Weinstein erfasst in Schniebinchen mit 122 Personen

Kindertransport

10.8.1939 Moritz Weinstein zusammen mit Heinz Alter, Helmut Kirsch, Sala Zyskind auf einem GEF-Kindertransport (gefährdete Kinder) über Hoek van Holland nach Harwich

Kriegseintritt Großbritannien

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen

3.9.1939 Großbritannien und Frankreich erklären Deutschland den Krieg

Winston Churchill: „Collar the lot“

10.5.1940 Winston Churchill Premierminister als Nachfolger von Neville Chamberlain; Anordnung Churchills, zur Internierung und Verschiffung außer Landes der etwa 70000 Deutschen und Österreicher in Großbritannien; 60000 von ihnen waren Flüchtlinge.

11.6. -1.8.1940 10000 Männer und 4000 Frauen als „enemy aliens“ interniert in neun Camps auf der Isle of Man

Juli 1940 Innerhalb von 16 Tagen wurden über 10000 Internierte auf fünf Schiffen illegal nach Übersee deportiert

29.3.1942 Rückkehr von Moritz Weinstein aus Sydney über Auckland von 1987 Deportierten „aliens“ nach Liverpool auf der HMS CAPETOWN CASTLE; Ziel Bloomsbury House, die Zentrale des Hechaluz in London

22.6.1942 Offizielles Ende der Internierung; Freilassung zur Rückkehr in ein Land ihrer Wahl

Beuthen – Auschwitz

13. 6.1942 Deportation der Eltern und Bruder Joseph von Beuthen nach Auschwitz

Gedenken

5.5.1999 Pages of Testimony für die Eltern und Bruder Joseph von Jakob Weinstein

Quellen

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de988603

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de988655

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_sln_420514.html

United Kingdom and Ireland, Incoming Passenger Lists, 1878-1960

https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?itemId=6548076

Herbert Fiedler, Eine Geschichte der Hachschara; Verein Internationale Begegnungsstätte Hachschara-Landwerk Ahrensdorf e.V

Herbert und Ruth Fiedler, Hachschara, Hentrich & Hentrich 2004

http://www.hachschara-ahrensdorf.de/html/body_anfang.html

https://safe-haven.dk/fileadmin/user_upload/Fraemlingspass_Weinstein__Bernhard.pdf

Schweden, Haushalte-Untersuchungsbücher, 1840-1947

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish Historyhttps://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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