
Hanna Beck geb. Grün
*15.4.1888 in Bukowsko; ✡ 3.12.1956 Aarau AG
Staatsangehörigkeit polnisch
Religion jüdisch
Vater unbekannt
Mutter unbekannt
Schwager Calel Beck; oo Pesel Pinter; ✡ ?
Nichten
Hencze Beck *10.1.1907 in Bukowsko; ✡4.6.1943 Sobibor; oo Eliezer Elburg
Ryfka Beck *10.2.1918 in Bukowsko; ✡2.9.1943 Auschwitz
Beruf Hausfrau
Adressen Berlin, Auguststraße 51; Haifa
Heirat Leser Beck in Bukowsko; ✡ in Israel
Tochter Sima Beck *1912 in Bukowsko ; ✡ ?.
Weiterer Lebensweg´
Hachschara in Urfeld
24.8.1935 Tochter Sima Beck von Berlin zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling;
22.9.1936 Sima Beck abgemeldet aus Urfeld nach Palästina

12.10.1936 Ankunft von Tochter Sima Beck in Haifa auf der SS GALILEA ab Triest
Flucht in die Niederlande-Sobibor-Auschwitz
1937 Nichte Ryfka nach Amsterdam
Nichte Hencze mit Mann Eliezer und Sohn nach Utrecht
1.6.1943 Nichte Hencze mit Mann Eliezer deportiert von Westerbork nach Sobibor
31.8.1943 Nichte Ryfka deportiert von Westerbork nach Auschwitz
Ehemann Leser Beck nach Palästina
Minderheitenzählung
17.5.1939 Chana Beck allein in Berlin, Auguststraße 51
Die Patria Katastrophe
Sonderhachschara VII – Paraguay-Transport
März 1940 die führenden jüdischen Funktionäre aus Berlin, Prag und Wien werden von SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin vorgeladen, um die illegalen „Sondertransporte“ nach Palästina zu forcieren; Ephraim Frank als Vertreter des erkrankten Lyon vom Palästinaamt und als designierter Transportführer dabei.
Für die SH 7 sollen etwa 30.000 Anmeldungen vorgelegen haben, zum großen Teil aber nur fiktiv, um gegenüber der Gestapo die geplante Auswanderung belegen zu können
August 1940 Chana Beck offiziell abgemeldet aus Berlin nach „Paraguay“,
16.8.1940 Chana Beck mit dem Zug aus Berlin, Bahnhof Friedrichstraße fahren 350 Jugendliche und 150 Eltern, deren Kinder bereits Palästina-Pioniere in Palästina waren, nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa zu kommen; Transportführer war Ephraim Frank
Zweiter Transportführer Hans Wendel
Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes
Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule oder Lehrlingsheim
3.9.1940 Chana Beck mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau; in Pressburg für eine Woche in einem Lager im Stadtteil Patronka; Josef Nussbaum berichtet bei der Registrierung in Atlith, „The Camp was taken over as store for Heavy Opel trucks.“
10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN
10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;
Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.
Zwischenstopp im Hafen Agios Nikolaos, Kreta, um Kohle aufzunehmen
31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet
1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa.
3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden
4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)
6.11.1940 Registrierung von Chana Beck im Camp Atlith;
Chana Beck gibt ihren Ehemann Leser in Tel Aviv und Tochter Sima Beck in Haifa als Referenzen an
zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen
23. oder 24.11.1940 Ankunft der SS ATLANTIC in Haifa
25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.
Walter Steinitz, aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:
“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“ (ca 200 von 1771)
Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.
25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.
26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;
Dezember 1940 noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht.
1941 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können
September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith
12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.
Quellen
StA Bornheim, Slg Zerlett
Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)
Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.
https://www1.wdr.de/urfeld100.html
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Beck%201918%22%7D
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130255501
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://collections.arolsen-archives.org/de
Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume
Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History