Selbiger Erika

Erika Katz /Eka Selbiger

*18.6.1914 in Rogasen; ✡ Dezember 1942 in Auschwitz

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Elias Katz *14.9.1887 in Rogasen; ✡ 19.10.1944 in Auschwitz

Mutter Selma Gerber *17.11.1891 Groß Friedrichsberg, Flatow; Überlebende; ✡? USA 

Geschwister

Hildegard Katz *7.5.1921 in Rogasen; ✡nach dem 9.12.1942 in Auschwitz; oo Michaelson

Schwager Manfred Michaelson *11.1.1923 in Berlin; ✡24.12.1943 in Auschwitz

Beruf

AdressenRogasen; Berlin; Havelberg

Heirat Alfred Selbiger *16.5.1911 in Berlin; ✡ 1. oder 3.12.1942 in Sachsenhausen

Kinder keine

Weiterer Lebensweg

Waldgehöft Havelberg

1938/39 Alfred Selbiger als Madrich ins Waldgehöft, auch Jagdgehöft Barella, Damlacker Weg, nördlich von Havelberg (1934-1941) zur landwirtschaftlichen Hachschara: Träger bis zum Pogrom November 1938 war der Hechaluz, dann die RVJD. Die frühere Jagdpacht gehörte dem jüdischen Rechtsanwalt Siegfried Freund, er war zunächst auch der Leiter. Es umfasste acht Hektar Land, eine kleine Villa, zwei Wohnhäuser, eine Werkstatt, einen Stall, Gewächshäuser und Schuppen. Bis zu 50 Chaluzim waren hier untergebracht.

16.11.1936 Richard Horn eingestellt als Betriebsleiter in Havelberg; in dieser Funktion bleibt er bis September 1939.

30.6.1937 Auf der Belegschaftsliste von Havelberg finden sich neben den angestellten Leitern Horn und Hans Cohn 13 Chaluzim und sieben Chaluzoth.

Juni 1938 Günter Timendorfer im Team mit Leo Lippmann, Norbert Klein und Schreiner Ludwig Weiss beim Bau eines Gewächshauses in Havelberg

Im Novemberpogrom 1938 wird das Gehöft verwüstet. Die jungen Männer über 17 Jahre werden ins örtliche Polizeigefängnis gebracht.

Verhaftet wurden der Leiter Richard Horn und Madrich Werner Weitzfelder sowie die Chalutzim Heinz Budwig, Herbert Gotthilf, Gross Walter, Lutz Rosenberg, Norbert Klein, Arno Lewy, Leo Lippmann, Janus Nadler, Heinrich Stern, Günter Timendorfer, Heinrich Timendorfer, Ludwig Weiss.

Die Chaluza Annette Eick berichtet:

»Die Frau unseres Leiters (Johanna Horn) war auf der Farm geblieben und stand vor der Entbindung. Das Kind blieb im Bauch, sie hat furchtbar gelitten und ist daran gestorben.«

Johanna Horn ist auf dem jüdischen Friedhof unweit vom Waldgehöft begraben.

12.11.1938 Entlassung der älteren Chaluzim aus dem Polizeigefängnis.

Dezember 1938 Viele aus der Haft Entlassene gehen zum Hachschara-Trainingskurs im Lager Schlosshofstraße in Bielefeld zusammen mit der aus Buchenwald entlassenen Gruppe aus Ellguth von von dort weiter nach Holland.

Nach November 1938 waren Nachfolger von Richard Horn als Betriebsleiter in Havelberg: Siegfried Freund, Artur Posnanski, Alfred Selbiger, Heinz Berg und Hilde Nathan.

Vermutlich Anfang 1939 geht Erika Katz in das Waldgehöft in Havelberg zur Hachschara. Dort lernt Erika Katz Alfred Selbiger kennen. Auf den Belegschaftslisten von 1937 und 1938 sind beide noch nicht verzeichnet

Winter 1939 Alfred Selbiger, Eka Katz und Hans Wendel zu Besuch in Ahrensdorf

Minderheitenvolkszählung

17.5.1939 Erika Selbiger gemeldet in Berlin, Prenzlauer Berg, Winsstraße 7 bei ihren Eltern und der Schwester Hedwig mit deren Mann Manfred Michaelson: In der Winsstraße 7 wohnen auch die Eltern von Manfred Michaelson, Paula und Rudi.

17.5.1939 Alfred Selbiger bei den Eltern in Berlin, Baumschulenweg, Güldenhofer Ufer 10

Gemeindeaktion in Berlin -Personaltransport

Im Herbst 1942 beschäftigte die RVJD in Berlin 1580 Mitarbeiter in 26 Abteilungen. Von diesen sollten im Rahmen der Berliner „Gemeindeaktion“ der Gestapo 533 und 328 Angehörige auf dem 22. Osttransport -auch „Personaltransport nach Riga deportiert werden. 19 zur Deportation vorgesehene Mitarbeiter waren untergetaucht

Geiselnahme der 19 RVJD-Funktionäre

10.11.1942 Verhaftung von 19 führenden Funktionäre de der RVJD und JKV Berlin durch die Gestapo,

Der Tod von Alfred Selbiger

3.12.1942 Alfred Selbiger im KL Sachsenhausen mit sieben weiteren Geiseln als „Abschreckung“ erschossen (Blumenthal, Godstein, Joseph, Mendelsohn, Lamm, Looser, Wolf)

Die JKV Berlin bekam unmittelbar den 1. Dezember als Todesdatum mitgeteilt

Deportation der Angehörigen

9.12.1942 Witwe Erika Selbiger mit beiden Eltern (Transportnummern 686, 687 und 688) als Angehörige der am 3.12.1942 in Sachsenhausen Hingerichteten auf dem 24. Osttransport von Berlin nach Auschwitz; dazu gehörten auch Herta Blumenthal, Herta und Ruth Joseph, Margot Mendelsohn Helene Lamm, Ilse Looser sowie Edith Wolff; weiterhin die bei der „Gemeindeaktion“ vom 20.10.42 verhafteten Funktionäre der JKV Berlin und der RV, wie Bernhard Adler, Marta Henschke, Bruno Mannheim, Johanna Karminski, Robert Bielschowsky, Kurt Rosenberg und Walter Sprinz

Berlin-Theresienstadt-Auschwitz

21.8.1942 beide Eltern auf den Alterstransporten 45-50 von Berlin nach Theresienstadt

16.10.1944 Vater Elias auf dem Transport E r von Theresienstadt nach Auschwitz

Mutter Selma überlebt in Theresienstadt

3.2.1943 Schwester Hildegard Michaelson auf dem 28. Osttransport von Berlin nach Auschwitz

19.4.1943 Schwager Manfred Michaelson aus dem Forsteinsatzlager Schönfelde mit den Chaluzim aus Neuendorf auf dem 37. Osttransport von Berlin nach Auschwitz; zuvor war er im Lager Neumühle im Kreis Lebus

Gedenken

Madricha Anneliese Borinski schreibt in ihren Erinnerungen über sie:

„Drei Tage später kam die Nachricht, daß Alfreds Eltern und sein Frau in das Sammellager „große Hamburger Straße“ bestellt worden seien. Zur gemeinsamen Evakuierung? Ein kleines Atemholen. Und einen Tag später wissen wir, daß der Transport abgegangen ist, ohne Alfred. Arme, arme Eka – damit muß ihr Leben eigentlich schon aufgehört haben, denn sie lebte nur für Alfred, durch Alfred.“

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4135599

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/12673804

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127207604

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1159600

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot22.html

Anneliese Ora Borinski, Erinnerungen 1940-1943; 1945/1970

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://collections.yadvashem.org/en/photos/collection/13069463

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1159582

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11240223

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4994352

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127204972

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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