Benjamin Julius

Julius Abraham Jehuda „Osch“ Benjamin

*24.3.1921 in Königsberg; ✡ 1984 in Holon

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Bernhard Benjamin *27.4.1876 in Friedrichsdorf; ✡ nach Minsk 1942

Mutter Hedwig Jaffe *29.11.1881 in Schrimm; ✡ nach Minsk 1942

Geschwister

Susi Benjamin *30.5.1914 in Königsberg; ✡ 1943 Auschwitz; oo Adolf Schlumper (1909-1943)

Betty Belia Benjamin *10.10.1915 in Königsberg; ✡ 7.11.2003 Jerusalem; oo Scherhei

Wilhelm „Willi“ Ephraim Benjamin *2.7.1917 in Königsberg; ✡ 18.12.1943 Auschwitz Birkenau

Ruth Benjamin *14.5.1918 in Königsberg; ✡ 27.5.2004 in Jerusalem; oo Wolfgang Baruch (1916-2007)

Ismar Manfred Benjamin *12.9.1919 in Königsberg; ✡ 1979 in Berlin

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Königsberg, Hoffmannstraße 16; Werkdorp; Amsterdam

Heirat  –

Kinder

Weiterer Lebensweg

7.6.-10.7.1933 Manfred Benjamin verhaftet in Berlin, interniert im KL Sachsenhausen

17.5.1939 Manfred Benjamin in Berlin Linienstraße 7 bei der Minderheitenzählung

17.5.1939 beide Eltern in Königsberg, Hoffmannstraße 16 bei der Minderheitenzählung

Kibbuz Franeker

Der 1935 vom Arzt Dr. Jacob und seiner Frau Lina Bramson aus Franeker gegründete Kibbuz der religiösen Zionisten des Misrachi „Dath we Eretz“ bestand bis zu seiner Auflösung durch eine Razzia am 3. November 1941.

Das alte Bahnhofsgebäude des Kibbuz Franeker am Harlinger Weg 45 konnte etwa 25 Bewohner aufnehmen, anfangs waren es 10, zuletzt bis zu 30 Chalutzim.

1.2.1939 Bruder Willi Benjamin von Tienhoven in Utrecht, Middenweg 29 in Franeker angemeldet

Nov. 1939 Willi Benjamin aus Franeker abgemeldet; zurück nach Tienhoven, Middenweg 29

Joodse Werkdorp Wieringermeer

23.5.1939 Julius Benjamin von Königsberg ins Werkdorp

14.7.1939 Manfred Benjamin von Berlin ins Werkdorp

Alija Beth auf der SS DORA

Juli 1939 Bruder Julius mit 76 Werkdorpern aus dem Werkdorp Wieringermeer nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina

16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.

17.7.1939 Zustieg von etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

Verhaftung in Amsterdam

15.10.1940 Politierapporten Amsterdam: Willi Benjamin in Amsterdam verhaftet und auf Weisung des V.D. (VremdelingenDienst) auf der Polizeiwache inhaftiert. Als Adresse gibt er jeweils Tienhoven, Middenweg 29, wo das Flüchtlingsehepaar Artur Lindheimer und Ilse Stern wohnen.

31.10.1940 Politierapporten Amsterdam: erneut in Amsterdam aufgegriffen und auf Weisung des V.D. (VremdelingenDienst) auf der Polizeiwache inhaftiert mit der Ankündigung, dass er am Folgetage dem 1.11.1940 nach Westerbork eingewiesen werden soll.

Auflösung des Werkdorp und die zweite große Razzia in Amsterdam

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes.

13.8.1941 Manfred Benjamin abgemeldet aus dem Werkdorp nach Schermerhorn

Jugendheim Plantage Franschelaan 13

22.10.1942 Manfred Benjamin ins Jugendheim des Joodse Raad, Plantage Franschelaan 13

Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad. Hier wohnten zwischen November 1941 und April 1943 67 Personen, davon 44 Werkdorper

Werkkampen -jüdische Arbeitslager

Im September 1940 wurden im Zuge der Arbeitsbereitstellung durch das Reichsamt für Arbeitserweiterung „Werkkampen“ errichtet.

Ab September 1942 dienten diese Lager als jüdisches Arbeitslager und Puffer für das Lager Westerbork.

Oktober 1942 Auflösung aller jüdischer Arbeitslager

Kamp Westerbork

7.11.1942 Willi Benjamin eingewiesen aus dem Werkkamp in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork, Baracke 57

14.9.1943 Willi Benjamin nach Auschwitz

18.12.1943 Willi Benjamin verlegt aus Buna Monowitz nach Auschwitz Birkenau

Die erste Deportation aus Ostpreußen

24.-26.6.1942 Beide Eltern auf dem ersten Transport von 628 Juden aus Ostpreußen ins Ghetto Minsk

Flucht über die Pyrenäen

Manfred Benjamin war offenbar 1942 und 1943 als „Onderduiker“ in ein Versteck gegangen; ihm gelingt 1944 die Flucht über die Pyrenäen nach Lerida. Vermutlich in Lerida fälscht er seinen Geburtsjahrgang auf 1923, da die spanischen Behörden die älteren Flüchtlinge  in ein Internierungslager verbrachten.

Bruder Manfred weiter nach Barcelona, Madrid nach Cadiz.

Alija auf der SS GUINEE

Oktober 1944 erhielten die Palästina-Pioniere in Spanien von der britischen Mandatsregierung erteilte Einwanderungszertifikate für Palästina.  55  Hechaluz-Mitglieder gingen am  27.  Oktober  1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa.

Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina

27.10.-4.11.1944 Manfred Benjamin mit Arbeiter-Zertifikat des Hechaluz der Kategorie C/LS von Cadiz nach Haifa; Internierung im britischen Camp Athlit

14.11.1944 Entlassung der Chaluzim aus dem britischen Camp Athlit

11.12.1946 Einbürgerung von Manfred Benjamin in Palästina

Gedenken

13.5.1984 Pages of Testimony für Willi und die Eltern von Schwester Belia Benjamin-Sherhey

Quellen

Kelly Bauer, Syds Wiersma, Kibboets op de Klei, 2020

Auke Zeldenrust, Kibboets op de Klei, Boom, 2020

Morris Schnitzer, My three selves, a memoir, Lugus, Toronto, 2002

https://danielabraham.net/tree/related/dora

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1042395

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de839548

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de839566

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130257424

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT42_K%C3%B6nigsbergAllenstein5.jpg

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Benjamin%201917%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Benjamin%201919%22%7D

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de/research

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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