Hochmann Fanny

Fannie Hochmann

*19.7.1920 in Siegen; ✡ ; ✡11.9.2015 in Kfar Avigdor

Staatsangehörigkeit polnisch, deutsch. staatenlos

Religion jüdisch

Vater Siegmund Hochmann *15.12.1883 in Rozniatow; ✡ 1942 in Zamosc

Heirat der Eltern 1908 in Galizien

Mutter Matilde Spiegel *14.12.1883 in Brosniow; ✡ 1942 in Zamosc

Mathilde, Jakob, Betty, Fanny und Siegmund Hochmann,  Siegen1938. Foto: Aktives Museum Südwestfalen

Geschwister

Betty Hochmann *22.7.1922 in Siegen; ✡15.6.2015 Rishpon; oo Waldemar Zeew Holz (1919 Allenstein)

Jakob Hochmann *23.3.1924 in Siegen; ✡ 1999 in Ein‘Harod

Beruf

Adressen Siegen, Kornmarkt 8 und zuletzt in der Poststraße 16; Urfeld; Zbaszyn

Heirat 1942 Manfred Moshe Reinhold *28.4.1921 in Husen; ✡ 26.1.2014 in Israel

Kinder drei

Denny Reinhold *1942

Yoram Reinhold *19.9.1948; ✡18.10.1973

Weiterer Lebensweg

1919 Zuzug der Eltern nach Duisburg

1919 Zuzug der Eltern nach Siegen zu Schwager Saul Hausmann

1925-1929 Stadtschule in Siegen

1929-1933 Lyceum

1933 Kfm. Lehre in Konfektionsgeschäft der „Gebr. Hermann“;

1936 Arisierung des elterlichen Geschäftes

1937/38 mit Schwester Betty zu einem Hachschara-Vorbereitungskurs in Urfeld

28.2.1938 Schwester Betty abgemeldet in Siegen zur Alija nach Palästina

Novemberpogrom in Siegen

Beim Brand der Synagoge versucht Fanny vergeblich, die Thora-Rollen zu retten.

Bis November 1938 Fanny in der Buchhaltung und als Kassiererin bei „Gebr. Hermann“ („Arisierung“)

Alija der Geschwister Betty und Jakob

7.3.1938 Einreise von Betty Hochmann auf der SS GALILEA mit Studentenzertifikat der Jugendalija/WIZO in Haifa

22.2.1939 Einreise von Bruder Jakob in Palästina

Hachschara in Urfeld

11.3.1939 Fanny Hochmann zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling, Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von 1933 bis 1938/39 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für ca 60 Jugendliche über 18 Jahren.  Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg), finanziert von dem jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

Anfang 1938 auch mittlere Hachschara für 15–17-Jährige Chaluzim.

28.10.1938 Herbert Taub verhaftet in Urfeld in der ersten Polenaktion, zusammen mit neun weiteren Chaluzim u.a. Susi Schmerler, Leo Geffner und Josef Kleinmann sowie Muchi, Max, Oskar und Ida (nicht identifiziert). Susi Schmerler notierte in ihrem Tagebuch:

„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“

„Doch da kam man uns mitten in unseren (Alija-) Plänen dazwischen. Eines Tages kamen mehrere Polizisten ins Beth Chaluz und brachten 10 Ausweisungsbefehle. Wir rechneten alle damit, dass uns noch 2-3 Monate Zeit bleiben würde. Doch nein! Es sollte heute noch sein! Wir telefonierten mit dem Flugplatz, wann das nächste Flugzeug nach London ging, doch die Polizei stand daneben und forderte von uns, dass wir sofort mitkommen müssten. Nicht einmal unsere Sachen durften wir mitnehmen.“

Novemberpogrom in Urfeld

10.11.1938 im Novemberpogrom verprügelten vier besoffene bewaffnete Nazis die Chaluzim und zerstörten das Inventar. Der nichtjüdische Hausbesitzer Doering vertrieb die Eindringlinge mit seinen Söhnen, bewaffnet mit Jagdwaffen; nachts versteckte er die Chaluzim in seinem Keller.

11.3.1939 Fanny Hochmann zur Hachschara nach Urfeld

1939 Manfred Reinold zur Hachschara nach Urfeld, vermutlich zusammen mit seinem Bruder Erich

Auflösung in Urfeld

September 1939 Wegen der anstehenden Auflösung des Lagers Urfeld gehen Fanny Hochmann und Manfred Reinhold mit anderen Chaluzim aus Urfeld zur Einzelhachschara in die Niederlande

15.10. 1939 nach Auflösung des Lagers Urfeld wechseln 5 Chawerim direkt nach Paderborn: Heinz Becker, Karl-Heinz Goldstein, Emil Heilbronn, Hans Peter ScheierHans Werner Rabinowitz. Bis zum Schluss war Benny Paul Stein Madrich in Urfeld. Manfred Wolf und vermutlich auch Erich Reinhold folgen Benny Stein nach Schniebinchen, der dort bis Juli 1940 Leiter ist.

Einzelhachschara in den Niederlanden

September 1939 Fanny Hochmann aus Urfeld  zur Einzelhachschara in die Niederlande

1942 Heirat mit Manfred Reinhold

1942 Geburt von Sohn Denny

Onderduiker

Nach Einsetzen der ersten Massendeportationen aus Westerbork nach Auschwitz gehen

1943-1945 als onderduiker im Versteck in einer stillgelegten Fabrik in Terwolde; der acht Monate alte Sohn Denny kommt bei niederländischen Pflegeeltern unter

Siegen – Dortmund – Zamosc

April 1942 Deportationsbefehl der Gestapo für die Eltern in Siegen

28.2.1942 10:20 angeordnetes Sammeln am Gleis 4 am Bahnhof Siegen

28.4.1942 Deportation in die Turnhalle des Sportvereins „Eintracht“ in Dortmund

30.4.1942 Deportation mit 791 Juden vom Sammellager zum Dortmunder Südbahnhof am Heiligen Weg deportiert nach Zamosc

3.5.1942 Ankunft in Zamosc

16.10.1942 Auflösung des Ghetto Zamosc; alle Bewohner ins Ghetto Izbica; von dort in die Vernichtungslager Sobibor und Belzec; niemand kehrte zurück

Tod nach dem 3.5.1942, Ort und Datum des Todes der Eltern ist unbekannt

Nachkriegszeit

1945 Manfred und Fanny Reinhold auf der „Eindhovenlijst“ der Überlebenden

1947 Manfred und Fanny Reinhold noch in Terwolde

1947 Alija Beth nach Palästina

1948 sie holen Sohn Denny von den Pflegeeltern ab

19.9.1948 Geburt von Sohn Joram

18.10. 1973 Sohn Joram im Sinai- oder Yom-Kippur-Krieg gefallen

Gedenken

Stolpersteine in Siegen für beide Eltern

Quellen

Ralf Piorr / Peter Witte (Hg.) Ohne Rückkehr. Die Deportation der Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg nach Zamość im April 1942; Klartext, Essen 2012

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de939102

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de939109

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf

Liste der Zbaszyn-Deportierten, die Verwandte im Ausland haben, erstellt in Krakau August 1939

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2012-Nr-16.pdf

Hubert Schneider, Die Entjudung des Wohnraums: Judenhäuser in Bochum; Münster, 2010

Zbaszyn Liste der in Deutschland geborenen, nach Herkunftsort der Familie, Typoskript Krakau 1939

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://www1.wdr.de/urfeld100.html

U.S. Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI)

New Jersey Todes Index, 1920-1929, 1949-2017

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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