Sigrid Miriam Liebenthal
*29.5.1922 in Riddagshausen, Braunschweig: 12./13.10.1941 in Zasavica
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch

Vater Hugo Chaim Liebenthal *4.12.1886 in Strelitz; ✡?
Mutter Henny Blumann *26.1.1887 in Bielefeld; ✡ ?
Onkel Moses Liebenthal *11.4.1899 in Strelitz; ✡ 1942/43 Riga
Tante Ruth Liebenthal geb. Kahn *1.8.1905 Ensdorf; ✡ 11/1943 Riga
Onkel Wilhelm Liebenthal *18.4.1881 in Strelitz; ✡ 1942/43 im KL Auschwitz

Bruder Karl Borwin Liebenthal*1.11.1911 Dortmund; 1937 Alija
Beruf –
Adressen Riddagshausen; Witten, Hauptstraße 63; Schniebinchen
Heirat ledig
Kinder –
Weiterer Lebensweg
1935 Bruder Karl zur Hachschara auf den Hof Stern in Westerkappeln
1937 Alija von Bruder Karl Liebenthal
Novemberpogrom
10.11.1938 Vater Hugo verhaftet
13.11.1938 Einweisung in das KL Sachsenhausen
16.12.1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Sachsenhausen
17.5.1939 beide Eltern in Witten, Hauptstraße 63 bei der Minderheitenzählung
Hachschara Lehrgut Schniebienchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz.Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.
Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:
Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
1939 waren 109 Chaluzim und Personal im Lager;
17.5.1939 Sigrid Liebenthal bei der Minderheitenzählung in Schniebinchen
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
13.10. 1939 fuhren etwa 20 Chawerim, ab Schniebinchen über Sommerfeld und Breslau nach Wien, wo sie der Sonderhachschara (SH2) über die Schwarzmeerroute angeschlossen werden und auf der SS HILDA vor der Drei-Meilen-Zone von der Royal Navy vor Haifa geentert werden.
16.11.1939 Sigrid Liebenthal abgemeldet zur Auswanderung nach Palästina
Der Kladovo-Transport Sonderhachschara Nr. 5
Vom Hechaluz Österreich organisierte Alija beth mit 17 Chaluzim (13 Jungen, 4 Mädchen) aus Ahrensdorf; erstmals sollten auch Jugendliche unter 18 Jahren über die Donauroute, Schwarzes Meer, illegal nach Palästina gebracht
24./25.11.1939 mit 822 von Wien nach Bratislava; dort kamen weitere 130 aus Berlin, 50 aus Danzig, 100 aus Prag
Anfang Dezember auf die SS URANUS zunächst nach Gyor; dann wieder zurück nach Bratislava
12.12. 1939 weiter nach Bezdan
14./15.12.1939 in Budapest auf drei jugoslawischen Schiffen SS Kraljica Marija, Car Dusan and Car Nikola zur jugoslawisch-rumänischen Grenze. Die Rumänen verweigern die Einreise
18.12.-30. 12.1939 in Prahovo
31.12.1939 die Schiffe liegen im Winterliegeplatz in Kladovo, die Flüchtlinge bleiben an Bord
Januar 1940 ein umgebauter Schleppkahn wird angehängt, um mehr Platz zu haben
Mai 1940 die Schiffe fahren ab, die Flüchtlinge suchen bei Bauern Unterkunft
19. 9.1940 die Flüchtlinge werden auf dem Kahn nach Sabac geschleppt
Unterbringung in Sabac in einer alten Mühle und einem Getreidespeicher
März 1941 verlassen bevorzugt Kinder und Jugendliche Sabac mit legalen Visa
6.4.1941 Einmarsch der Wehrmacht in Serbien
August 1941 Juden von Sabac und die Flüchtlinge in einer alten Festung Camp Sabac interniert
11.10.1941 Jüdische Männer, Zigeuner und manche Serben verlegt in das Seniak Camp
12./13. Oktober 1941 Massenerschießung in Zasavica von 2100 Männern als Vergeltungsaktion für 21 tote deutsche Soldaten
Anfang Januar 1942 Frauen und Kinder des Kladovo-Transportes (ca. 750 – 800) aus dem KL Šabac deportiert in das von der SS verwaltete KL Sajmište
19. 3. bis 10. 5.1942 tägliche Fahrten eines Gaswagens mit 50 – 80 Opfer zur Erstickung mit CO-Gas
Ghetto Riga

27.1.1942 die Familie Liebenthal aus Gelsenkirchen nach Riga
5. Februar 1942 beide Eltern abgemeldet zum „Osttransport“, am ehesten auch nach Riga
Gedenken
12.6 1945 Exhumierung und Beisetzung der Juden auf dem jüdischen Friedhof von Sabac
Oktober 2012 Gedenkfeier für die Opfer von Zasavica im Kibbuz Gan Shmuel in Israel mit über 1000 Teilnehmern
Gedenkstätte für die Opfer von Kladovo-Sabac im Museum für die „illegalen Einwanderer der Mandatszeit“ Athlit, Haifa, ehemaliges Internierungscamp
13.10.1955 Pages of Testimony für Miriam und die Eltern Liebenthal von Karl Aharon Liebenthal
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/en/search?s=Zasovica
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de915022
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de915002
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de915024
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de915017
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de915019
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1107238
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316