Durlacher Ruth

Ruth Durlacher-Horn/Dor

*8.6.1918 in Köln

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Jacob Horn *8.11.1875 in Walberberg, Bonn; ✡USA

Heirat der Eltern 8.3.1908 in Köln

Mutter Rosalia Kahn *5.2.1884 in Zülpich; ✡31.8.1942 in Auschwitz

Geschwister

Klara Horn *6.2.1904 in Köln; ✡ 30.9.1942 in Auschwitz oo Philipp Fillenbaum

Gustav Horn *11.7.1911 in Köln; ✡ 9.6.1989; oo Ruth Wiener (*1916 Breslau)

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Ludwigshafen; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat 23.10.1939 in Schagen Heinz Durlacher/Zwi Dor *4.10.1913 in Ludwigshafen; ✡ 21.8.1989 in Hazora

Kinder

Uri Durlacher *17.11.1940 in ASD; ✡1.1.1962 in Israel

Dvora und Reuben Dor *1948

Eli Dor *1953

Weiterer Lebensweg

Besuch der Mittelschule

1928 Eintritt in die Werkleute Ortsgruppe Köln

1934 Bruder Gustav bereits in Jaffa

Hachschara in Urfeld

1935 Ruth Horn zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling, Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von 1933 bis 1938/39 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für ca 60 Jugendliche über 18 Jahren.  Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg), finanziert von dem jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

10.-21.5.1935 Seminar des Hechaluz-Ortsgruppen des Rheinlandes in Urfeld; vermutlich haben sich Ruth und Heinz Durlacher hier kennengelernt

25.2.1939 Heinz Durlacher und Ruth Horn zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

29.8.1939 Lore Durlacher zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

23.10.1939 Heirat von Ruth Horn mit Heinz Durlacher in Schagen, Nachbarort des Werkdorp

28.10.1939 erscheint die Anzeige der Heirat im Niederl. Staatsanzeiger von Schagen

Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage

2.1.1938 formal bedingte Ummeldung aller Bewohner von der Gemeinde Barsingerhorn nach Wieringermeer

10.5.1940 Einmarsch der Wehrmacht in die neutralen Niederlande.

Die Schlichim (Plural von Schaliach) aus Palästina mit ihrem Britischen Pässen wurden als „feindliche Ausländer“ verhaftet (Uri Koch, Mosche Katznelson, Zwi Kuttner).

1939-1942 Redakteur der Zeitung des Hechaluz „Dwar Hechaluz“ mit Schuschu Simon

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Heinz und Ruth Durlacher gehören zu den 60 „Aufräumern“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

10.9.1941 Heinz und Ruth Durlacher abgemeldet nach Deventer; Eintritt in die „Deventer Vereniging tot Vakopleiding“

Mai 1942 Verpflichtung den „Judenstern“ zu tragen

August 1942 Heinz Durlacher auch zur „Deportation aufgerufen, wird aber freigestellt. Als Mitarbeiter der Deventer Vereniging haben er eine „Sperre“ mit entsprechendem Stempel im „Persoons Bewijs“ (ID)

Sommer 1942 Beratung der Leitung (Merkas) des Hechaluz in der Wohnung des Ehepaars mit Kurt Reilinger, Schuschu Simon und Kurt Hannemann.

3.10.1942 Sohn Uri nach Den Haag zu einem Pflegevater, der noch 1945 von den Deutschen als Widerständler erschossen wurde.

1.1.1943 Umzug nach Amsterdam

Arbeit in der im „Joodse Volkstuin“, Kleingartensiedlung des JCB/Judenrats am Zeeburgerdijk

März 1943 Auflösung der Hechaluz-Zentrale in der Tolstraat nach der

Die illegale Arbeit des Hechaluz verlagert sich nun zu Ihnen in den Afrikanerplein 28

Verhaftung und Flucht

23.5.1943 Verhaftung bei einem aufgeflogenem Treffen mit Norbert Klein. Eingeliefert in das Sammellager „Hollands Schouburg“. Flucht vor dem Abtransport zum Bahnhof. Er wird vom Netzwerk in Terwolde versteckt und kann im Juli 1943 mit seiner Frau bei der Familie Roos in Utrecht untertauchen: Er berichtet später:

Verhaftung von Norbert Klein am 6.8.1943

1.5.1944 Heinz und Ruth Durlacher werden von Max Windmüller vom Westerwheel Netzwerk nach Paris geschleust; kurze Zeit darauf bringt sie Betty Britz nach Toulouse.

In Toulouse arbeiten Heinz und Ruth Durlacher in einem Büro der Wehrmacht, zusammen mit Lodi Cohen und Lilo Spiegel (-Cohen), Ludi Goldwein, Rivka Roos.

Pyrenäen-Passage

Mai 1944 nachdem in Paris verschiedene Chaluzim des Netzwerk Westerweel verhaftet worden waren, geht er auf Anraten der Gruppe Cor nach Bordeaux. Dort trifft den ebenfalls auf den Transfer über die Pyrenäen wartenden Benjamin Hermann. Sie müssen sich dem militärischen Arm des „revisionischen“ Untergrunds mit hochdramatischem Aufnahmeritual und Schwur anschließen.

20.5.1944 Ankunft von Sohn Uri in Barcelona

25.7.1944 Der Übergang über die Pyrenäen gelingt erst im vierten Anlauf. Zur Gruppe gehören neben 25 Franzosen 13 Chawerim aus den Niederlanden: Fiet Andriessen, Betty Britz, Lodi Cohen und Lilo Spiegel (-Cohen), Heinz und Ruth Durlacher, Emil Glücker, Ludi Goldwein, Benjamin Jürgen Hermann, Rivka Roos, Lore Süsskind, Betteke Tal und Flora de Vries.

Nach dem Übergang in Internierung in Lerida und noch im Juli nach Barcelona

5.9.1944 Ausstellung des Identity Certificate in der britischen Botschaft in Barcelona

22.9.1944 Visum eingetragen im ID-Certificate in der britischen Botschaft in Barcelona

Die Rettung von Sohn Uri Durlacher

Sohn Uri wird im April 1944 aus dem Versteck geholt und von Max Windmüller durch Belgien und Frankreich nach Toulouse geschleust. Dort finden mehrere jüdische Kinder bei einer Jüdin Aufnahme; es gibt ein Wiedersehen mit den Eltern, bevor er Mitte Mai 1944 mit den anderen Kindern über die Pyrenäen nach Spanien geführt wird. Am 20.5.1944 kommen die Kinder in Barcelona an.

Alija auf der SS GUINEE

Oktober 1944 erhielten die Palästina-Pioniere in Spanien von der britischen Mandatsregierung erteilte Einwanderungszertifikate für Palästina. 

55 Hechaluz Mitglieder gingen am 27. Oktober 1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa.

Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina

27.10.-4.11.1944 — mit Arbeiter-Zertifikat des Hechaluz der Kategorie C/LS von Cadiz nach Haifa; Internierung im britischen Camp Athlit

14.11.1944 Entlassung der Chaluzim aus dem britischen Camp Athlit

Nachkriegszeit

27.2.1947 Einbürgerung in Palästina mit Frau Ruth und Sohn Uri

Sie leben im Kibbuz Hagorea

Gedenken

Stolpersteine für Erich und Heinz Durlacher in Mannheim/Ludwigshafen

Quellen

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Durlacher%22%7D

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://infocenters.co.il/gfh/multimedia

Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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