Ehrlich Heinz

Heinz Erwin Ehrlich

*23.7.1920 in Dresden; ✡  21.8.1942 in Auschwitz

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater Alfred Ehrlich *7.9.1882 in Choszczno; ✡ 8.3.1925 in Dresden

Heirat der Eltern 20.10.1919 in Brelau

Mutter Sybille Sklarek *8.8.1896 in Chemnitz; ✡ 1942 in Auschwitz

Zweite Ehe der Mutter mit Schwarz

Halbbruder

Klaus Friedrich Schwarz *1924; 2000; oo Gerda Kempe (1924-2011)

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Dresden, Leubnitzerstrasse 8; Ellguth, Steinau; Bielefeld; Berlin, Kerkerstraße 50; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer

Heirat   

Kinder

Weiterer Lebensweg

Juni 1938 Flucht der Mutter

Das Lehrgut Ellguth

Heinz Ehrlich zur Hachschara ins Landwerk Ellguth

Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.

Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.

Polenaktion

28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern polnischstämmige Chaluzim abgeschoben. Diese konnten aber oftmals illegal wieder zurückkehren.

Novemberpogrom

10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen

10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht; die erwachsenen Männer werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.

In Buchenwald erhielten einzelne Chaluzim aus Ellguth zunächst durch Entlassung von ASJ Häftlingen freigewordenen Nummern im Bereich 10000-11000, später erfolgte einen Umnummerierung auf Nummern um 27450; Heinz Ehrlich erhält die Nummer 27333.

6.12.1938 Mutter Billa Schwarz schickt 20 RM als Reisegeld

10.12.1938 Entlassung von Heinz Ehrlich mit einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald

6.1.1939 nach der Entlassung flüchten einige mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande zu Einzelhachschara in der Deventer Vereniging tot Vakopleiding.

25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.

Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.

Werkdorp Nieuwe Sluis

25.2.1939 Heinz Ehrlich zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis, gemeldet in Wieringermeer

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

2.1.1938 formal bedingte Ummeldung von — und aller Werkdorper von der Gemeinde Barsingerhorn nach Wieringermeer

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten, Heinz Ehrlich kommt in die Gastfamilie Rosenbaum in Amsterdam, Courbetstraat 13-I;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

20.3./26.7.1941 abgemeldet nach Amsterdam

17.7.1941 Zuzug zur Mutter in die Nieuwe Kerkstraat 61-I

21.7.1941 Mutter Sybille meldet den Verlust von Auswanderungs-dokumenten, etc. auf der Wache Jonas Daniël Meyerplein in Amsterdam

28.8.1941 Umzug in die Nieuwe Keizersgracht 80

Dritte Große Amsterdam Razzia – Erster großer Massentransport aus den Niederlanden

15.7.1942 in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia  werden Heinz Ehrlich und seine Mutter  verhaftet und nach Hooghalen deportiert; 7 Km zu Fuß ins Kamp Westerbork, Registrierung in der großen Halle und unmittelbar zu Fuß zurück nach Hooghalen

Erst ab November 1942 gab eine eigene Bahnlinie und Station im Kamp Westerbork; Juli-November mussten die Deportierten von und zur Station Hooghalen zu Fuß laufen.

15.7.-17.7.1942 Heinz Ehrlich und seine Mutter auf dem ersten großen Massentransport aus den Niederlanden ab Hooghalen nach Auschwitz

21.8.1942 Tod von Heinz Ehrlich in Auschwitz II-Birkenau

Das Todesdatum 30.9.1942 wurde offiziell von den niederländischen Behörden festgelegt und ist fiktiv.

Gedenken

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1020196

www.werkdorpwieringermeer.nl/

www.werkdorpwieringermeer.nl/de/heinz-erwin-ehrlich-3/

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Ehrlich%20Heinz%22%7D

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5812870

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130282132

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://yvng.yadvashem.org/ad

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

“My