Adolf Tyger/Itzchak Namery
*26.12.1919 in Elberfeld; ✡ 20.2.1998 in Pikesville, Maryland
Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos
Religion jüdisch

Vater Moritz Moshe Tyger *28.12.1893 in Teradow; ✡25.4.1941 Dachau

Mutter Lena Laja Waintraub *12.2.1890 in Laszow, KIelce; ✡ August 1944 in Auschwitz
Großeltern Nathan und Malka Tyger
Großeltern Schmuel und Mindel Waintraub
Geschwister
Wolfgang Tyger *10.10.1921 in Elberfeld; oo Ala Simenhaus *14.12.1925
Rosa Tyger ca 1925 in Elberfeld; oo Leo Lindenberg
Adressen Elberfeld, Wuppertal, Karlstraße 28; Ellguth, Steinau
Heirat ledig
Kinder –
Weiterer Lebensweg
1919 Zuzug der Eltern aus Roda/Polen nach Elberfeld
Vater Moritz war Schneider in Elberfeld, Maß und Konfektionsnäherei
Lehrgut Ellguth
Adolf Tyger zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion in Ellguth
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern polnischstämmige Chaluzim abgeschoben. Vermutlich gehörte Adolf Tyger zu dieser Gruppe.
Benno Teichmann berichtet:
„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“
Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse.
10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen.
10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht; die erwachsenen Männer werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.
10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.
Im September 1939 gibt der Vater Moritz an, dass Adolf bereits nach Palästina ausgewandert sei.
Erste Polenaktion
28.10.1938 Bei der ersten „Polenaktion“ wurden polnischstämmige jüdische Männer nach Zbaszyn abgeschoben, so auch Vater Moritz und Bruder Wolfgang.
Dezember 1938 Schwester Rosa mit Kindertransport über Belgien nach England
27.1.1939 Rückkehr von Vater Moritz nach Wuppertal
Bruder Wolfgang bleibt Polen; er kann später aus dem Ghetto Lodz flüchten und bis Kriegsende im Untergrund überleben.
Zweite Polenaktion
1.9.1939 Überfall der Wehrmacht
7.9.1939 Reichsweiter Funkspruch des RSHA, alle polnischstämmigen Männer als „feindliche Ausländer“ zu verhaften

12.9.1939 Inhaftierung von Vater Moritz Tyger

23.12.1939 Verlegung von Moritz Tyger aus dem Polizeigefängnis Wuppertal-Elberfeld statt ins KL Buchenwald in das KL Sachsenhausen; vorgesehen war, ihn in das KL Buchenwald einzuweisen; dieses war zum Zeitpunkt wegen Überfüllung für Neuaufnahmen gesperrt.

3.9.1940 Verlegung von Moritz Tyger aus dem KL Sachsenhausen in das KL Dachau

25.4.1941 Tod des Vaters in Dachau;
Wuppertal – Düsseldorf – Ghetto Lodz – Auschwitz
26.10.1941 Verbringung der Mutter aus dem Judenhaus Tannenbergstraße 12 vom Bahnhof Wuppertal Steinbeck ins Sammellager Viehhallen Düsseldorf

27.10.1941 Deportation der Mutter von Düsseldorf ins Ghetto Lodz
August 1944 Mutter Lena deportiert vom Ghetto Lodz nach Auschwitz
Einbürgerung
Einbürgerung von Adolf Tyger als US Citizen verbunden mit Namensänderung in Namery
Gedenken
Urnengrab des Vaters mit Gedenktafel für die Eltern auf dem jüd. Friedhof Am Weinberg, Wuppertal
22.12.1981 Pages of Testimony für die Eltern von Adolph Namery
16.10.2006 Pages of Testimony für die Eltern von Schwester Rosa Lindenberg
Grabstein für
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de982003
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de982001
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411027-Wuppertal8.jpg
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/1-1-5-1_8012500074?s=8012500074
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/9916278
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/128633179
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten
Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278110