Lothar Harry Moses/ Berger
*26.7.1924 in Elberfeld; ✡1995 in Stockholm
Staatsangehörigkeit
Religion jüdisch
Vater Julius Moses *4.11.1886 in Sottrum; ✡nach 1941 in Minsk
Mutter Eugenie Herzberger *27.1.1888; ✡ 8.11.1925 Elberfeld
Stiefmutter Adele Jonas *28.10.1888 Borken; ✡ nach 1941 in Minsk
Geschwister

Edith Moses *2.9.1925 in Elberfeld; ✡ nach 1941 in Minsk
Beruf –
Adressen Barmen, Elberfeld, Rheinische Straße 59, Gesundheitstraße, Adolf-Hitler-Straße 310; Kleve; Gelsenkirchen; Sorau; Stockholm Schweden
Beruf Landarbeiter; Fotograf
Heirat Thyra Gunnela Margareta Bergared *16.11.1930; ✡22.7.2011 in Stockholm
Kinder zwei
Weiterer Lebensweg
November 1925 Tod der Mutter Eugenie
1933 Umzug der Familie nach Kleve
1936 Rückkehr nach Elberfeld, Gesundheitstraße
Hachschara Lehrgut Schniebienchen
Lothar Harry Moses Berger zur Hachschara nach Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.
Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:
Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Lothar Harry Moses/ Berger mit 122 Personen, 1939 waren 109 Chaluzim und Angestellte registriert in Schniebinchen
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
Emigration nach Schweden
Frühjahr 1939 das Londoner Büro der „Youth Aliyah“ überträgt Eva Warburg die Leitung der Jugend Alijah i Sverige mit Sitz in Stockholm
Juni 1939 wurde der alte Gutshof Hälsinggården in Korsnäs in Nordschweden bei Falun als Jugendalijah-Hof für die mittlere Hachschara (15-17 Jahre) in Trägerschaft der »Stiftung für Landwirtschaftsausbildung« eröffnet Julie 1939 Lothar Moses emigriert nach Schweden
Wuppertal-Düsseldorf- Minsk
Hauptmann der Schutzpolizei Meurin in seinem Transportbericht:
„Der Judentransport, umfassend 992 Juden aus den Städten Düsseldorf, Essen und Wuppertal, wurde am 10.11.1941 um 10,40 Uhr vom Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf abgelassen. Die Fahrt führte über Mettmann nach Wuppertal-Steinbeck, wo die von dort zu evakuierenden Juden fertig verladen bereitstanden und an den Zug angehängt wurden.“
10.11.1941 beide Eltern und Schwester Edith von Wuppertal nach Minsk
Nachkriegszeit


Oktober 1945 Lothar Moses auf der Mitgliederliste des Hechaluz Schweden, Alte Chaluzim
Gedenken
18.4.1972 Pages of Testimony für die Eltern und Schwester von Harry Lothar Berger
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/3-1-1-3_1211000?s=1211000
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/78777793
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411110-Wuppertal8.jpg
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de840568
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316