Behar Sara

Sara Behar

*20.3.1920 in Berlin; ✡24.4.1889 in Gat, Askelon

Staatsangehörigkeit türkisch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Elia Behar *4.2.1888 in Istanbul; ✡13.6.1942 in Majdanek

Mutter Lea Hakko *5.5.1890 in Istanbul; ✡13.6.1942 in Majdanek

Geschwister

Simcha „Sara“ Behar *25.5.1912 in Berlin; ✡1.3.1943 in Auschwitz

Albert Abraham Behar *11.5.1913 in Berlin; Emigration ✡ ?

Jehuda Behar *1915 in Berlin; ✡ ?

Isaak Behar *19.5.1917 in Berlin; ✡ 29.10.2002 Kfar Sava; oo Anneliese Jordan

Jakob Behar *21.10.1921 in Berlin; ✡ 1.3.1943 in Auschwitz

Ester Behar *1925 in Berlin; ✡ ?

Beruf

Adressen Berlin Mitte, Köpenicker Straße 115; Leipzig, Ludendorffstraße 7; Schniebinchen, Sorau

Heirat Lev Deutsch/Dotan *3.1.1916 in Kroatien; 6.2.1993 in Israel

Kinder

Tochter Deutsch/Dotan; oo Tamir

Weiterer Lebensweg

Oktober 1934 Umzug der Familie in Berlin von der Rungestraße 13 in die Köpenicker Straße 115

24.8.1938 Zuzug von Berlin nach Leipzig

Novemberpogrom

10.11.1938 Isaak Behar in Frankfurt verhaftet, Polizeigefängnis

12.11.1938 Einweisung in das KL Buchenwald

1.12.1938 Entlassung aus dem KL Buchenwald

Dezember 1938 Isaak Behar von Berlin nach Dänemark

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Sara Behar zur Hachschara nach Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.

Seine geschiedene Ehefrau Martha  Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:

Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“

Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Sara Behar erfasst mit 122 Personen in Schniebinchen

17.5.1939 beide Eltern mit Jakob und Simcha in Berlin Mitte, Köpenicker Straße

10.10.1939 Bruder Jakob zur Hachschara in das Lehrgut Winkel

23.7.1940 Schwester Simcha zur Zwangsarbeit bei Siemens-Schuckert

Alija beth auf der SS HILDA – Sonderhachschara 2

12.10.1939 Sara Behar auf Bahnfahrt von Breslau nach Wien

14.10. 1939 Ankunft in Wien, über die Schwarzmeerroute Bratislava, Budapest, Belgrad, Bukarest

6.11.1939 Ankunft in Sulina, Schwarzmeer-Hafen

26.11.1939 Abfahrt mit 729 Passagieren auf der SS HILDA

15.1.1940 hinter den Dardanellen von britischer Marine gestoppt und geentert

22.1.1940 Ankunft vor der Dreimeilen-Zone vor Haifa

24.1.1940 Britische Mandatsbehörden verweigern die Landung

29.1.1940 Ankunft Haifa nach Abschluß von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung

29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Athlit verbracht

13.2.1940 Registrierung in Athlit; Sara Behar gibt Rabbi Abraham Avido als Gemeindeältesten an (Dokument D/614/40/CHU);

18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager

29.7.1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlit

Berlin – Sobibor

13.6.1942 beide Eltern ab Berlin deportiert nach Sobibor; Tod in Majdanek

25.7.1942 Schreiben von Schwester Simcha an die Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten Berlin – Brandenburg mit der Bitte, die Möbel in der elterlichen Wohnung nutzen zu dürfen

20. 8.1942 die Möbel werden dennoch aus der Wohnung geräumt und zu Gunsten des Deutschen Reiches verwertet (in der Regel versteigert)

Fabrikaktion

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“ als Vorbereitung auf die „Fabrikaktion“

Febr./ März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

1.3.1943 die Geschwister Simcha und Jakob auf dem 31. Osttransport von Berlin nach Auschwitz

Gedenken

13.5.1899 Pages of Testimony für die Eltern und Geschwister von Bruder Itzchak Behar

Stolpersteine für die Eltern, Schwester Simcha und Bruder Jakob in Berlin, Köpenicker Straße 115

Quellen

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11207137

https://www.stolpersteine-berlin.de/de/kopenicker-strasse/112/jakob-behar

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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