Eugen Ernst Berlowitz
*20.11.1924 in Frankfurt/Oder; 10.8.1990 in Norrtälje, Schweden
Staatsangehörigkeit staatenlos
Religion jüdisch

Vater Max Berlowitz *11.12.1889 in Deutschkrone; ✡ vor 1944 in Polen

Mutter Margarete Rau *19.12.1900 in Posen; ✡ vor 1944 in Polen
Geschwister

Peter Julius Gad Berlowitz *16.2.1927 in Frankfurt/O.; ✡21.7.2015; oo Carmela Lebel
Beruf Schüler; Landarbeiter; Student
Adressen Frankfurt/Oder, Bergstraße 17; Schniebinchen, Sorau
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Eugen Berlowitz zur Hachschara nach Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.
Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:
Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-August 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Eugen Berlowitz erfasst mit 122 Personen in Schniebinchen
1939 Emigration von Eugen Ernst Berlowitz nach Dänemark
1939 Emigration von Bruder Peter Berlowitz nach Palästina
2.1.1940 Ankunft des Bruders in Haifa mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

5.11.1940 Eugen Berlowitz bei dänischem Census bei der Familie Goldstein, Frederiksberg Allé, København
Ausnahmezustand in Dänemark 1943
1939 Emigration nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen
9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943
29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen.
17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark
September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark
„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.
28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.
Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.

15.10.1943 Eugen Berlowitz auf einem Motorboot mit 35 Passagieren von Kopenhagen nach Bäckviken auf Ven
Frankfurt/Oder – Ghetto Warschau
2.4.1942 Verhaftung der Eltern; Verbringung auf Lastwagen in das Sammellager, eine große Turnhalle am Leipziger Platz in Frankfurt/Oder
3.4.1942 Deportation der Eltern mit 1009 Personen nach Warschau; auf diesem Transport befanden sich auch die älteren und bereits bei der Gestapo zuvor auffällig gewordenen Chaluzim aus Neuendorf
Gedenken
30.3.1909 Pages of Testimony für die Eltern von Bruder Gad
Quellen
https://safe-haven.dk/fileadmin/user_upload/Uppgift_Berlowitz__Eugen_Ernst.pdf
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de608327
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de260380
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316