
Alfred Cohn
*25.6.1897 in Breslau; ✡1976 in Israel
Staatsangehörigkeit staatenlos
Religion jüdisch
Vater Julius Cohn; ✡?
Mutter Rebecca Thal; ✡ ?
Geschwister ?
Beruf Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin
Adressen Breslau; Berlin; Schniebinchen, Sorau; London; Tel Aviv; Haifa

Heirat 14.10.1941 in Jerusalem die Witwe Margarete Lore Schatzky geb. Brinitzer *14.6.1895 in Görlitz; ✡ Juni 1976 in Haifa
Kinder –

Stieftochter Marianne Schatzky *10.11.1919 in Breslau; oo Wolfgang Perl
Weiterer Lebensweg
17.3.1915 Abitur am Johannes-Gymnasium Breslau
Studium Lehramt in den Fächern Latein, Griechisch und Philosophie
18 Monate Militärdienst im „Deutschen Heer“
5.3.1923 Abschluss des Referendariats
1.4.1924 Einstellung als Studienassessor am Johannes-Gymnasium Breslau
1.4.1930 Beförderung zum Studienrat
20.3.1934 Entlassung aus dem Staatsdienst
1934 -1937 Lehrer am jüdischen Gymnasium in Berlin
Die Private Waldschule Kaliski
7.4.1932 Gründung als reformpädagogisches Tagesinternat„Private Waldschule Kaliski“ (PriWaKi), benannt nach der Gründerin Lotte Kaliski.
Oktober 1933 Umzug in die Villa der 1931 emigrierten jüdischen Kaufmannsfamilie Hartog Frank Bismarckallee 35/37 in Berlin-Grunewald
1936 Umzug in eine Villa in Berli-Dahlem

2.9.1937 Anzeige in der Central-Verein-Zeitung Nr. 35
1938 besuchten mehr als 400 Schüler die Waldschule Kaliski
März 1939 Anordnung der Schließung der Waldschule
1937- 1939 war Dr. Alfred Cohn Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin zusammen u.a. mit Ludwig Kuttner
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Dr. Alfred Cohn registriert mit 122 Personen in Schniebinchen
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
Emigration nach England
August 1939 Emigration nach England
1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen
3.9.1939 Kriegseintritt von Großbritannien und England
29.9.1939 Alfred Cohn bei Ehepaar Hermann Perl und Elfriede Perl-Steinitz sowie deren Schwester der Lehrerin Gertrud Steinitz einquartiert in 74, Holden Road, Finchley, Middlesex beim britischen Census; das waren die späteren Schwiegeeltern seiner Stieftochter Marianne Schatzky-Perl

19.10.1939 Passausstellung/ID-Certificate für Alfred Cohn in London
Alija nach Palästina
6.1.1940 Ankunft in Haifa mit Kapitalisten Zertifikat der Kategorie A (1)

1.11.1940 Alija Beth von Margaret Schatzky, Hilde und Erich Schatzky auf der SS PACIFIC in Haifa
25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.
25.11.1940 Tod von Schwager Erich Schatzky beim Untergang der SS PATRIA

14.10.1941 Heirat in Jerusalem mit der Witwe Margarete Schatzky geb. Brinitzer

19.2.1942 Einbürgerung von Alfred und Margarete Cohn

Erzieher im Kinderheim „Ahava“ (Liebe) in Kirjat Bialik nordöstlich von Haifa, eine Neugründung des Berliner Waisenhaus „Ahava“, das zwischen 1934 und 1938 unter der Leitung von Beate Berger nach Palästina auswandern konnte. 1941 war Hugo Rosenthal Leiter des Heims.
1943/1944 Alfred Cohn Pädagoge in einem Kinderheim bei Pardes Hanna,
1944 Gymnasiallehrer in Tel Aviv
Bis zur Pensionierung Dozent an der Lehrerakademie in Oranim bei Haifa in Trägerschaft der links-zionistischen Kibbuzvereinigung Kibbutz HaArtzi (Landeskibbuzverband)
Gedenken
–
Quellen
https://de.wikipedia.org/wiki/Private_Waldschule_Kaliski#Lehrerinnen_und_Lehrer
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
Genealogie Website My Heritage
Central-Verein-Zeitung Nr. 35 2.9.1937