Heymann Franz

Foto privat Michael Heymann

Franz Jacob Heymann

*6.7.1924 in Breslau; ✡11.3.2009 in Stockholm

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Paul Heymann *11.7.1885 in Gogolin; ✡?

Mutter Susanne Bucka *25.9.1895 in Strzelin; ✡ ?

Geschwister

Eva Heymann *20.5.1927 in Breslau; ✡?

Beruf Automechaniker; Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik und Chemie

Adressen Breslau, Freiburger Straße 17; Schniebinchen, Sorau

Heirat Ingeburg Vollrath *1.7.1932 Cuxhaven; ✡20.11.2019 in Stockholm

Kinder

Michael Heymann

Gabriel (Heymann) Solkvist

Weiterer Lebensweg

Vater Paul war Apotheker, Chemiker

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Franz Heymann zur Hachschara auf Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Franz Heymann registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen

Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

Emigration nach Schweden

1938 Nach dem Novemberpogrom hatte Schweden eine Kinderquote von zunächst 60 Kindern zugesagt. Diese wurde aber später auf 500 erhöht unter der Bedingung, dass jüdische Spender und die jüdische Gemeinde Stockholm die Bürgschaft für die nächsten 1 ½ bis 3 Jahre übernahmen. Dazu zählten auch die etwa 100, die mit der Kinder- und Jugendalija nach Schweden gelangten.

Frühjahr 1939 das Londoner Büro der „Youth Aliyah“ überträgt Eva Warburg die Leitung der Jugend Alijah i Sverige mit Sitz in Stockholm. Auf ihr Betreiben wurde der alte Gutshof Hälsinggården in Korsnäs in Nordschweden bei Falun als Jugendalijah-Hof für die mittlere Hachschara (15-17 Jahre) eingerichtet.

Juni 1939 wurde der Jugendalijah-Hof Hälsinggården – auch „Kibbuz Falun“- mit der »Stiftung für Landwirtschaftsausbildung« als Träger eröffnet. Die Jugendlichen arbeiten zumeist auf Bauernhöfen in der Umgebung.

Juni/Juli 1939 Franz Heymann mit einer Gruppe von etwa 80 Kindern und Jugendlichen als „Kindertransport“ nach Schweden in den „Kibbuz Falun“. Franz Heymann war Mitglied der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Habonim (Bauleute)

Nach den Plänen des britischen Büros der Kinder- und Jugendalija sollten insgesamt 120 junge Leute aus Schweden ausreisen – 85 mit einem Jugendalija Zertifikat und 35 als 14–16-Jährige mit einem Kinder-Zertifikat.

Nachdem der Skagerrak im November 1939 sowohl von der deutschen Kriegsmarine wie von der Royal Navy gesperrt worden war, blieb aber nur der beschwerliche Landweg über Russland die Türkei, Syrien nach Palästina übrig; nur zwei kleine Gruppen konnten diese Route nutzen.

Breslau – Grüsen -Izbica

Ab 1939 wurden die Breslauer Juden in eines der drei Sammellager Tormersdorf bei Görlitz, Grüssau bei Landeshut und Riebnig bei Brieg verbracht;

Im Lager Grüssau, einem beschlagnahmten, ehemaligen Zisterzienserkloster, wurden ab dem 5. Oktober 1941 schlesische Juden interniert; Einweisung der Eltern in das Lager Kloster Grüssau

13.4.1942 beide Eltern und Schwester Eva auf dem 2. Transport von Breslau ins Ghetto Izbica

Nachkriegszeit

Oktober 1945 Franz Heymann auf der Mitgliederliste des Hechaluz Schweden, „Alte Chaluzim“

Gedenken

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1572709

http://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/3-1-1-3_1211000?s=1211000

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420413_16.jpg

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Genealogie Website My Heritage

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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