Rosa Shoshana Szryftgiser
*24.8.1924 in Bautzen
Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Elieser Szryftgiser *1884 in Brzesc; ✡ 1943 in Warschau
Mutter Sara Blima Szryftgiser geb. Engelscher *8.3.1892 in Warschau; ✡ 1943 in Warschau
Großeltern Israel und Liba Szryftgiser
Onkel (?) Icko Szryftgiser *1884 in Brzesc
Geschwister
Kurt Kalmon Szryftgiser *1912 in Warschau; ✡1981

Jehuda Willy Wolf Szryftgiser *6.2.1913 in Warschau; oo Käthe Cohn (1915 Bresalu)
Jakob Jack Szryftgiser *1920 ✡ 1999
Liesbeth Helene Aviva Szryftgiser *14.6.1925 in Bautzen; David Silberman
Nanni Esther Szryftgiser *10.7.1928 in Bautzen; ✡ 1943 in Warschau
Beruf Praktikantin
Adressen Bautzen; Breslau, Schwertstraße 6;Schniebinchen, Sorau
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
29.10.1934 Alija von Bruder Kalmon mit Arbeiterzertifikat des Hechaluz
1938/39 beide Eltern und Schwester Nanni ausgewiesen nach Polen

Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Rosa Szryftgiser zur Hachschara auf Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Rosa Szryftgiser registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“
31.7.1941 Auflösung Schniebinchen, Ludwig Kuttner und seine Familie und eine Gruppe von Jugendlichen gehen ins Lager Paderborn, Fanny Bergas und andere ins Landwerk Neuendorf.
Kindertransport

4.7.1939 Schwester Helene auf dem 20. Kindertransport ab Berlin via Bentheim, Hoek van Holland nach Harwich
30.3.1946 Suchanzeige für Schwester Nanny von Bruder J.K. Sinclair (Juda?)
Gedenken

5.4.1995 Pages of Testimony für die Eltern Sara und Eliezer sowie für Schwester Nanni von Aviva Silbermann-Szryftgiser
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en185069
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en980985
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/121480305
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/86598735
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage