Hans Heinz Hansi Pincus
*27.5.1919 in Berlin; ✡ ?Raasiku vor 1945
S
deutsch
Religion jüdisch
Vater Paul Albert Pincus *13.7.1885 in Berlin; ✡ 1942 Tötungsstätte Raasiku
Mutter Martha Levy *3.12.1993 in Berlin; ✡ 1942 Tötungsstätte Raasiku
Geschwister –
Beruf Landarbeiter
Adressen Berlin Schöneberg, Münchener Straße 49; Schniebinchen, Sorau; Gut Winkel Spreenhagen
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Hans Heinz Pincus zur Hachschara auf Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Gut Winkel
Hans Pincus war auch zur Hachschara im Gut Winkel; Zeitpunkt unbekannt
Minderheitenzählung
17.5.1939 Hans Heinz Pincus registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
17.5.1939 Paul und Martha Pincus erfasst in Berlin Schöneberg, Münchener Straße 49
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“
31.7.1941 Auflösung Schniebinchen, Ludwig Kuttner und seine Familie und eine Gruppe von Jugendlichen gehen ins Lager Paderborn, Fanny Bergas und andere ins Landwerk Neuendorf.
Reval Raasiku
26.9.1942 Paul Pincus, Hans Pincus mit seiner Mutter Martha auf dem 20. Osttransport, insgesamt 812 Juden aus Berlin nach Reval Raasiku, Tötungsstätte. Es ist zu vermuten, das sich die Mutter als „Halbjüdin“ mit einem christlichen Elternteil dem Transport angeschlossen hat. Vater Paul erscheint getrennt auf der Liste mit der Nr. 681

Am Güterbahnhof Moabit wurde ein Zug aus Frankfurt/Main mit weiteren 237 Häftlingen angekoppelt. Das Ziel der Deportation war Raasiku in Estland. Nach Ankunft in Raasiku kam ein Teil der Deportierten in das Lager Jägala, ein weiterer kleiner Teil in ein Arbeitslager in der Nähe von Riga, die übrigen Häftlinge wurden in einem unweit entfernten Waldgebiet (Kalevi-Liiva) direkt nach der Ankunft erschossen.

25.9.1946 Suchanzeige für Hans Pincus und seine Eltern von Heinrich Kahn
Gedenken
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Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1133306
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de944325
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1133237
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127205217
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/106813932
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127205228
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage