Edith Pinkus
*24.2.1923 in Königsberg
Staatsangehörigkeit polnisch, deutsch; staatenlos
Religion jüdisch
Vater Sally Pinkus *28.7.1896 in Mrotschen; ✡21.9.1949 Spencerville Ontario
Mutter Lydia Seelig *12.4.1901 in Breslau;
Onkel Moritz Pinkus *in Mrotschen, Mrocza, Polen; ✡ nach 31.7.1943 in Auschwitz
Im Gedenkbuch des Bundesarchiv sind aus der Familie Pinkus – gebürtig in Mrotschen, wohnhaft in Königsberg – als Deportierte erfasst: Erwin, Julius, Marie, Paul und Ruth Pinkus
Geschwister
Rita Pinkus *22.10.1921 in Königsberg
Manfred Pinkus *18.4.1924 in Metgethen, Königsberg
Meinhard Pinkus *14.12.1931 in Königsberg
Beruf –
Adressen Königsberg, Schlageterstraße 11; Schniebinchen, Sorau
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Novemberpogrom

10.9.1938 Vater Sally verhaftet und in der zum Gefängnis umgebauten Feuerwehrschule Metgethen eingesperrt bis Ende Juni 1939
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
1939 Edith Pinkus zur Hachschara auf Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Edith Pinkus registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
17.5.1939 Edith Pinkus erfasst in Königsberg, Schlageterstraße 11
17.5.1939 Rita Pinkus erfasst im Lehrgut Havelberg
17.5.1939 Manfred Pinkus erfasst in Gut Winkel, Spreenhagen
Familie Pinkus lebte zuletzt in Metgethen bei Königsberg
Emigration
August 1939 Familie Pinkus im „Maternal Hotel in London

19.8.1939 Familie Pinkus auf der SS AUSONIA von Southampton nach Montreal
21.9.1949 Tod des Vaters Sally Pinkus in Spencerville Ontario
Gedenken
–
Quellen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/82697341
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de944320
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage