Oscar Jehoshua Pollin/Tropper
*16.11.1924 in Gera; ✡ ?
Staatsangehörigkeit russisch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater unbekannt
Mutter unbekannt
Geschwister ?
In Gera belegt
Bertold Pollin *22.12.1923 in Gera
Fanny Pollin/Tropper; Palästina
Leo Tropper
Emil Tropper
Sophie Tropper *13.10.1904 in Dresden; Gera; ✡22.2.1943 in Auschwitz
Beruf –
Adressen Gera; Berlin, Auguststraße 14/15; Schniebinchen, Sorau
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Kinderheim Ahawa
1931 Einschulung in Berlin

Oskar Pollin als Waise zusammen mit Bertold Pollin im Kinderheim Ahawa, Berlin, Auguststraße 14/15 ohne Angabe eines Elternteils

1.6.1935 – 27.3.1935 Bertold Pollin auf dem Gymnasium der Adass-Jisroel-Gemeinde in Berlin
31.3.1938 Schulentlassung nach 8 Schuljahren
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
1938 Oscar Pollin zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Oscar Pollin registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
Dänemark
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
21.9.1939 Oscar Pollin nach Dänemark; er beginnt eine Schmiedelehre bei Schmiedemeister Völund in Melby-Kalundborg

5.11.1940 Oscar Pollin bei Familie Meier in Gladsaxe, Sokkelund, Kopenhagen bei dänischem Census
1943 Auswanderung nach Schweden

21.6.1943 Antrag auf einen Fremdenpass in Stockholm (Tropper!)
Nachkriegszeit


Oktober 1945 Oskar Pollin auf der Mitgliederliste des Hechaluz Schweden, Teil B „Alte Chaluzim“
Gedenken
–
Quellen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/3-1-1-3_1211000?s=1211000
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1172569
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage