Marta Roer/Gordon
*21.7.1922 in Kreuzau, Untermaubach; ✡vor 1945; Ort und Datum unbekannt
russisch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Julius Roer *13.5.1891 in Kreuzau; ✡vor 1945; Ort und Datum unbekannt
Heirat der Eltern 3.5.1921
Mutter Selma Leiser *27.11.1896 in Kerpen; ✡vor 1945; Ort und Datum unbekannt
Geschwister
Erich Roer *2.11.1928 in Kreuzau
Cousin Albert Roer *23.3.1913 in Untermaubach, Düren ; ✡ 8/1981 in Brooklyn
Beruf –
Adressen Kreuzau; Schniebinchen, Sorau
Heirat Hermann Gordon *8.9.1903 in Gürzenich; Ort und Datum unbekannt
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Novemberpogrom
10.11.1938 Hermann Gordon verhaftet.

Einweisung in das KL Buchenwald als „Aktionsjude“ Häftlingsnummer 30083

6.12.1938 Entlassung von Hermann, Josef und Max Gordon aus dem KL Buchenwald
Cousin Albert war bis 1939 auf dem Gehringshof; Juni 1939 nach Schweden
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Marta Roer zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Marta Roer registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“
31.7.1941 Auflösung Schniebinchen, Ludwig Kuttner und seine Familie und eine Gruppe von Jugendlichen gehen ins Lager Paderborn, Fanny Bergas und andere ins Landwerk Neuendorf.
Heirat mit Hermann Gordon offenbar kurz vor der angekündigten Deportation
Unbekannter Deportationsort für Marta, Mutter Selma, Vater Julius und Bruder Erich Roer
Marta und ihr Mann Hermann Gordon sowie Mutter Selma, Vater Julius und Bruder Erich Roer erscheinen auf keiner der Deportationslisten aus dem Jahre 1941 aus dem Rheinland; es ist zu vermuten, dass sie zuvor an einen anderen Ort verzogen, wie z.B. Frankfurt; von dort gibt es einzelne Transporte nach Piaski ohne jegliche Dokumente.
Gedenken
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Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de950597
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de950588
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de950603
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de950575
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de877484
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278203
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage