
Joachim Sonnenberg
*28.4.1923 in Königsberg; ✡7.7.2008 Moshav Arbel
deutsch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Julius Sonnenberg *12.2.1885 in Nordhofen; ✡26.6.1942 nach Minsk
Heirat der Eltern 1919
Mutter Klara Neumark *8.5.1883 in Budwethen; ✡26.6.1942 nach Minsk
Geschwister
Herta Sonnenberg *11.9.1919 in Königsberg; ✡26.6.1942 Maly Trostinec
Beruf –
Adressen Königsberg, Neue Dammgasse 6a; Schniebinchen, Sorau
Heirat ja
Kinder vier
Weiterer Lebensweg
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Joachim Sonnenberg zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Joachim Sonnenberg registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
17.5.1939 beide Eltern in Königsberg, Neue Dammgasse 6a
1.7.1939 Passausstellung für Joachim Sonnenberg in Sorau
Vor der Abreise aus Berlin trifft er sich ein letztes Mal mit seiner dort in der Wilmersdorfer Privatklinik arbeitenden Schwester Hertha. Joachim Sonnenberg berichtete später seinem Sohn über dieses letzte Treffen mit Herta:
„Als ich 16 Jahre alt war, kam ich aus Königsberg auf dem Bahnhof in Berlin an, um mit meiner Jugendorganisation nach Triest zu reisen. Herta kam zum Bahnhof, um mich zu verabschieden und versuchte mich auf Wunsch unseres Vaters zu überzeugen, nicht nach Israel zu gehen.“
Dieses Ansinnen lehnte er ab, stieg in den Zug und hörte nie wieder etwas von ihr.
14.8.1939 Ankunft von Joachim Sonnenberg in Tel Aviv mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)

16.6.1941 Eintritt in die Palestinian Company „The Buffs“ der Royal Army
9.9.1942 Einbürgerung in Palästina
Straftransport
Schwester Herta war Angestellte in der Statistikabteilung der RVJD in Berlin

23.6.1942 Schwester Herta auf dem 16. Osttransport von Berlin nach Minsk; auf diesem Straftransport befanden sich 46 Mitarbeiter der RVJD Zentrale
Vermutlich wurde der 16. Osttransport aus Berlin am 24.6.42 in Königsberg an den Transport aus Ostpreußen angeschlossen, der am 26.6.42 mit insgesamt 770 Juden den Güterbahnhof Minsk erreichte.

Auf dem Königsberger Transport befanden sich auch die Eltern Erich und Klara Sonnenberg.
Gedenken
Stolperstein für Schwester Herta in Berlin Wilmersdorf
Quellen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT16_10.jpg
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT42_K%C3%B6nigsbergAllenstein26.jpg
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage