Paul Sommer
*21.5.1910 in Homburg vor der Höhe; ✡6.7.1952 in Tel Aviv
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Moritz Sommer *2.9.1873 in Homburg; ✡28.1.1919 Bad Homburg
Heirat der Eltern 13.9.1905 in Frankfurt
Mutter Karoline Ermann *7.4.1878 in Osann; ✡24.12.1940 in Frankfurt
Geschwister
Henriette Sommer *26.5.1917 in Bad Homburg; ✡1943 Auschwitz; oo Ernst Lindenheim (*23.2.1916 in Berlin; ✡10.7.1943 Auschwitz)
Beruf Kaufmännischer Angestellter, Landwirtschaftlicher Praktikant
Adressen Bad Homburg, Kaiser-Friedrich-Promenade 11 ½; Spreenhagen, Gut Winkel
Heirat 22.11.1950 in Tel Aviv
Kinder –
Weiterer Lebensweg
1912 Homburg v. d. Höhe erhält den Namenszusatz „Bad“
28.1.1939 Vater Moritz, von Beruf Metzger, Dragoner der 3. Eskadron des Reserve-Dragoner-Regiment 4 erliegt im Reserverlazarett Homburg seinen Kriegsverletzungen
18.10.1932 Anmeldung eines Gewerbe „Vertrieb für Putz- und Scheuermittel“
1.5.1933 Gewerbe wiederabgemeldet
Novemberpogrom
10.11.1938 Verhaftet im Novemberpogrom; Bericht Zimmermann:
„Sie wurden im Polizeigefängnis hinter dem Rathaus länger als 36 Stunden ohne Verpflegung verhöhnt und verspottet…“

12.11.1938 „Schutzhaft“ in Buchenwald; Häftlingsnummern 9522, später 26431
3.2.1939 ungewöhnlich späte Entlassung aus dem KL Buchenwald
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Paul Sommer mit der Mutter Karoline und Schwester Henriette Lindenheim in Bad Hamburg, Kaiser-Friedrich-Promenade 11 ½
Gut Winkel
Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.
1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.

14.6.1939 Paul Sommer zur Hachschara in das Lehrgut Schocken, Gut Winkel in Spreenhagen

September 1939 Paul Sommer mit ca 200 Chaluzim in Gut Winkel (Liste des Landrates von Beeskow Storkow
16.12.1939 Schwester Henriette Sommer zur Hachschara nach Gut Winkel
Die Patria Katastrophe
Sonderhachschara VII – Paraguay-Transport
März 1940 die führenden jüdischen Funktionäre aus Berlin, Prag und Wien werden von SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin vorgeladen, um die illegalen „Sondertransporte“ nach Palästina zu forcieren; Ephraim Frank als Vertreter des erkrankten Lyon vom Palästinaamt und als designierter Transportführer dabei.
Für die SH 7 sollen etwa 30.000 Anmeldungen vorgelegen haben, zum großen Teil aber nur fiktiv, um gegenüber der Gestapo die geplante Auswanderung belegen zu können
August 1940 offiziell abgemeldet nach „Paraguay“, zunächst Zugfahrt nach Berlin
16.8.1940 mit dem Zug aus Berlin, Bahnhof Friedrichstraße fahren 350 Jugendliche und 150 Eltern, deren Kinder bereits Palästina-Pioniere in Palästina waren, nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa zu kommen; Transportführer war Ephraim Frank
Zweiter Transportführer Hans Wendel
Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes
Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule oder Lehrlingsheim
3.9.1940 Paul Sommer mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau; in Pressburg für eine Woche in einem Lager im Stadtteil Patronka; Josef Nussbaum berichtet bei der Registrierung in Atlith, „The Camp was taken over as store for Heavy Opel trucks.“
10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN
10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;
Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.
Zwischenstopp im Hafen Agios Nikolaos, Kreta, um Kohle aufzunehmen
31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet
1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa.
3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden
4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)


8.11.1940 Registrierung im Camp Atlith;
Paul Sommer gibt als Referenz an Marie Goldmann und Harry Ermann in Haifa, 46 Bar Gyora Street (vermutlich Cousin Hans Ermann *29.11.1906 Frankfurt; 1937 Palästina; ✡30.12.1976 Naharija)
zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen
23. oder 24.11.1940 Ankunft der SS ATLANTIC in Haifa
25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.
Walter Steinitz, aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:
“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“ (ca 200 von 1771)

Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.
25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.
26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;
Dezember 1940 noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht.
1941 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können
September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith
12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.
Tod der Mutter

24.12.1940 Tod der Mutter in Frankfurt im jüdischen Krankenhaus, Gagernstraße
Fabrikaktion – Räumung von Gut Winkel-31. Osttransport Berlin Auschwitz
5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung der noch bestehenden in „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“
Zwischen Juni 1941 und der Fabrikaktion im März 1943 bestand Gut Winkel als Arbeitseinsatzlager
Ernst und Henriette Lindenheim bis 1943 im Arbeitseinsatzlager Gut Winkel
20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz deportiert, um den Arbeitskräftebedarf im Nebenlager Buna zu decken.
Auflösung von Gut Winkel

1.3.1943 Henriette und Ernst Lindenheim mit 19 Chaluzim aus Gut Winkel auf dem 31.Osttransport Berlin Auschwitz, u.a. mit Hilde und Sally Rose aus M.-Gladbach
1.3.1943 Deportation nach Auschwitz
Am 2.3. wurden im Konzentrationslager Auschwitz lediglich 677 jüdische Häftlinge als arbeitsfähig neu registriert, davon 292 Männer und 385 Frauen. Die übrigen 1059 Männer, Frauen und Kinder des 31. Osttransports wurden demnach sofort ermordet. Dazu zählt auch Henriette Lindenheim.
10.7.1943 Tod von Ernst Lindenheim in Auschwitz
Gedenken

10.9.2024 Stolpersteine für Paul und Karoline Sommer sowie seine Schwester Henriette Lindemann in Bad Homburg, Kaiser-Friedrich-Promenade 13
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/71076341
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/7155895
Arolsen Archives Signatur 10010181
Doris Stennert, Hrsg. Initiative Stolpersteine Bad Homburg, Stolpersteinverlegung 2024
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108436
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT31-88.jpg
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7
Manfred de Vries, Mauritius – Insel des Lebens, BtJ-Magazin, April 2019
https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php?SourceId=19584
https://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=19561
www.raoulwallenberg.net/general/ruth-kl-uuml-ger-mossad-le/
Rudolf Stern (Chawer aus Dortmund), Meine Aliyah – 13. Oktober 1939 – 29. Januar 1940; unveröffentlichtes Manuskript, 1987