Gronowski Daisy

Daisy Gronowski/ Diane Jacobs

*6.3.1921 in Königsberg; ✡ 17.2.2016

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Bruno Louis Gronowski *19.12.1892 in Danzig; ✡30.11.1941 in Riga

Heirat der Eltern 19.2.1920 in Berlin

Mutter Ella Philipp *25.10.1996 in Berlin; ✡ vor 1944 in Piaski

Die Ehe der Eltern wurde 1939 geschieden. Die Mutter war später mit Walter Eppenstein verheiratet.

Geschwister

Ines Gronowski *18.8.1925 in Königsberg; ✡vor 1944 in Piaski

Cousine Erika Gronowski *7.3.1922 in Königsberg; ✡7.6.1944 in Kulmhof

Beruf Landarbeiterin; Kellnerin; Kosmetikerin

Adressen Königsberg; Berlin, Charlottenburg, Kantstraße 116; Urfeld, Hauptstraße 78; Los Angeles

Heirat

1947 Verlobt mit M. Filler (?)

24.7.1956 als Diane Peters in Kalifornien mit Alfred Francis Jacobs

Kinder

Weiterer Lebensweg

Vater Bruno war Schneidermeister in Berlin

Ostern 1927 Einschulung in die 20. Volksschule, Bleibtreustraße

10.10.1933 nach Umzug in die Fürstin Bismarck-Schule

27.3.1936 Schulaustritt mit dem Ende der Pflichtschulzeit

Eintritt in die zionistische Jugendorganisation Hashomer Hazair

Hachschara in Urfeld

1938 Daisy Gronowski zur mittleren Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von März 1934 bis April 1940 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für mehr als 180 meist junge Juden. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg); es wurde finanziert vom jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)

Polenaktion

28.10.1938 Herbert Taub verhaftet in Urfeld in der ersten Polenaktion, zusammen mit neun weiteren Chaluzim u.a. Susi Schmerler, Leo Geffner und Josef Kleinmann sowie Muchi, Max, Oskar und Ida (nicht identifiziert). Susi Schmerler notierte in ihrem Tagebuch:

„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“

„Doch da kam man uns mitten in unseren (Alija-) Plänen dazwischen. Eines Tages kamen mehrere Polizisten ins Beth Chaluz und brachten 10 Ausweisungsbefehle. Wir rechneten alle damit, dass uns noch 2-3 Monate Zeit bleiben würde. Doch nein! Es sollte heute noch sein! Wir telefonierten mit dem Flugplatz, wann das nächste Flugzeug nach London ging, doch die Polizei stand daneben und forderte von uns, dass wir sofort mitkommen müssten. Nicht einmal unsere Sachen durften wir mitnehmen.“

Novemberpogrom in Urfeld

Die Massenausweisung nach Zbaszyn war dann auch das Motiv für das Attentat des Herschel Grynspan auf den deutschen Legationsrat von Rath und dessen Tod wiederum der Vorwand für den reichsweit organisierten Terror im Novemberpogrom.

Auch Urfeld blieb nicht verschont.

Der in Urfeld als Lehrer beschäftigte Gerhard Rachwalsky notierte in seinem Tagebuch:
„Wir hatten schon öfter festgestellt, dass wir in Urfeld auf dem Mond lebten. Während in allen deutschen Landen die Volksseele … programmmäßig überkochte, während seit den frühen Morgenstunden … in den Städten Synagogen und jüdische Gemeindehäuser brannten, … standen wir wie jeden Morgen im Winter, um sieben Uhr auf, gingen zur Arbeit und arbeiteten bis zur Mittagspause …“

10.11.1938 abends kamen vier betrunkene bewaffnete Nazis, trieben die Chaluzim im ersten Stock zusammen und fingen an, die Einrichtung zu zerstören.

Der nichtjüdische Hausbesitzer Doering kam aus dem Gartenhaus hinzu und vertrieb die Eindringlinge mit seinen Söhnen, bewaffnet mit Jagdwaffen;

Später kam dann eine weitere Gruppe auf Pritschenwagen auf den Hof.

Die Bewohner wurden durch ein Spalier auf sie einschlagender SA-Männer getrieben. Chaluza Daisy Gronowski hatte den Mut, nicht zu rennen, sondern betont langsam hindurchzugehen und jedem SA-Mann ins Gesicht zu sehen. Sie erinnerte sich: „Zur Hölle, ich will da nicht rennen. Ich werde gehen. Da bin ich, gut 1,50 Meter groß, ein schlankes kleines Mädchen.“

Am Ende der Reihe bedrohte ein SA-Mann sie mit einem Messer und verletzte sie am Arm. Daisy fasste die Beine des SA-Manns, rammte ihren Kopf gegen seinen Bauch, entrang ihm das Messer und verletzte ihn selbst damit. Der Angreifer soll daraufhin ohnmächtig geworden sein

Nachts versteckte Doering einige Chaluzim in seinem Keller, andere in der Gärtnerei Giesen.

Minderheitenvolkszählung

17.5.1939 beide Eltern mit Schwester Ines in Berlin, Charlottenburg, Kantstraße 116

Emigration nach England

März(?)1939 Daisy Gronowski abgemeldet aus Urfeld nach England

25.3.1939 Samuel Chanachowitz abgemeldet aus Urfeld nach England

29.9.1939 Daisy Gronowski zusammen mit Samuel Chanachowitz als „agricultural trainee“ mit ca 80 anderen Chaluzim auf der Manor Farm, ein britisches Hachschara Project, Leiter war Erwin Scheier, zuvor Leiter der landwirtschaftlichen Ausbildung in Groß Breesen, dessen Frau Ruth oblag die Hauswirtschaft.

Rigaer Blutsonntag

30.11.1941 Rigaer Blutsonntag, Tod des Vaters beiMassenerschießung von 14000 lettischen Juden im Wald von Riga-Rumbula; noch zuvor waren die 1053 Berliner Juden des ersten Riga-Transportes vom Rangierbahnhof Šķirotava in den Wald geführt und erschossen worden

8.12.1941 Zweite Massenerschießung von 12500 lettischen Juden aus dem Ghetto im Wald von Riga-Rumbula;

Ghetto Piaski

28.3.1942 Mutter Ella Eppenstein und Schwester Ines deportiert nach Trwaniki und weiter ins Ghetto Piaski

Nachkriegszeit

9.5.1947 Abflug von Prestwick, Schottland nach New York mit dem Ziel der Eheschließung mit ihrem Verlobten M. Filler auf Long Island

10.5.1947 Ankunft von Daisy Gromowski in New York

1947 Umzug nach Kalifornien, wo sie Architekturvorlesungen an der University of California UCLA hörte und eine Fachschule für Kosmetik besuchte.

1952 Einbürgerung als US-Citizen, US-amerikanische Staatsbürgerschaft, Namensänderung von Daisy Gronowski in Diane Peters

24.7.1956 Heirat in Kalifornien mit Alfred Francis Jacobs

30 Jahre lang als Kosmetikerin in Los Angeles

Vize-Präsidentin der Beverly Hills Republican Assembly

Beisetzung

Bestattung von Veteranen auf dem Los Angeles National Cemetery, 950 South Sepulveda Boulevard

Gedenken

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1186993

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1068535

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1061956

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/12656051

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7350); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

https://taz.de/Juedischer-Widerstand-gegen-die-Nazis/!6078280

StA Bornheim, Sammlung Zerlett; Liste der Bewohner im „Lager Urfeld“

Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)

https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/josef-wimar-giesen-versteckte-juedische-jugendliche-in-der-pogromnacht/DE-2086/lido/dc00018960

Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.

https://www1.wdr.de/urfeld100.html

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://collections.arolsen-archives.org/de

Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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