Wahl Edgar

Edgar Wahl

*14.3.1903 in Bochum; ✡1966 in Stuttgart

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Max Moses Wahl „Moshe bar Jitzchak“ *25.4.1864 ; ✡6.2.1924 in Bochum

Heirat der Eltern 14.1.1901 in Berlin

Mutter Hedwig Wollstein *6.6.1875 in Stettin; ✡ 13.6.1925 in Bochum

Großvater Jitzchak Wahl

Heinz Wahl links mit den Brüdern und Eltern

Geschwister

Alfons Dicky Wahl *27.5.1905 in Bochum; ✡18.2.1954 in Neuilly sur Seine, American Hospital; oo Brunhilde Kramer

Heinz Jakob Wahl *26.1.1912 in Bochum; ✡ 17.3.1943 in Auschwitz; Sophia „Fie“ Poppers

Beruf Kaufmann; Elektrotechniker;

Adressen Bochum; Herne;

Heirat Helene Wiegand *3.12.1906 in Wanne; Nichtjüdin; 1980 in Stuttgart

Kinder

Ursula Wahl *30.1.1927 in Bochum ; 14.10.2009 : oo Goldstein

Melanie Wahl *24.8.1934 in Herne; oo Bea

Weiterer Lebensweg

Die erste Frau des Vaters Harriet Alexander (*18.2.1875 in Breslau) war am 3.2.1899 in Berlin verstorben.

1921 Bruder Heinz Wahl in die Sexta Alumnat – Internat in der Jacobson Schule in Seesen

Unbekannter Zeitpunkt: Heinz Wahl zu Bruder Edgar nach Herne, Schäferstraße 9

1934 eröffnet die Fröbel- Erzieherin Hildegard Schütz in der Schäferstraße 9den ersten Fröbel- Kindergarten von Herne.

1934 Flucht von Herne nach Hilversum

Bruder Alfons flüchtet nach Antwerpen

19.12.1934 von Hilversum nach Amsterdam

4.3.1936 Heirat mit der Diplomierten Fröbel-Erzieherin Sophie Poppers in Hilversum

20.3.1936 Sophie Poppers von Hilversum nach Amsterdam

18.12.1942 Bruder Heinz und Frau Sophie Amsterdam eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork;

Eingesperrt in den Strafbaracken 67 dann 66 von Westerbork; wegen der Weihnachsttage findet der Transport nach Auschwitz erst am Montag, 11.1.1943 statt; die „Strafbaracke“ und die unmittelbare Deportation aus Westerbork sind in der Regel durch Verhaftung nach Untertauchen erklärbar

Edgar Wahl in privilegierter Mischehe

Heirat von Bruder Edgar mit der nichtjüdischen Helene Wiegand (privilegierte Mischehe)

Ca 1928 Umzug nach Herne in die Schäferstraße 9

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Edgar Wahl in Herne, Schillerstraße 12 mit Frau Helene und den Töchtern Ursula und Melanie

22.5.1941 Tochter Ursula Wahl Berlin, Prenzlauer Berg, Fehrbelliner Straße 92 zur Ausbildung in Kinderpflege; der Verein „Jüdisches Kinderheim“ unterhielt hier von 1910-1942 einen Kindergarten und ein Kinderheim

Aufbaulager Dumte bei Borghorst

Wegen wiederholter Überflutung landwirtschaftlicher Flächen durch die Aa im Kreis Steinfurt wurden vom „Wasser- und Bodenverband Steinfurter Aa“ Maßnahmen zur Regulierung und Begradigung der Aa im Kreis Steinfurt beschlossen, für die das Landesarbeitsamt Dortmund Arbeitslose aus Westfalen zuteilen sollte.

Das erste Lager wurde 1936 in einer ehemaligen Ziegelei in Dumte bei Borghorst erbaut. Es war durch Drahtzaun, Busch- und Baumbestand vor neugierigen Blicken geschützt. Bewacht wurde es vom zivilen Lagerführer Otto Rautenberg. Die einzige Ausstattung bestand nach einem Bericht eines Überlebenden aus Strohsäcken.

1938 wurden auf der Grundlage des „Geschlossenen Arbeitseinsatzes“ für arbeitslose Juden, die zuvor zumeist als Kaufmann ihrer Existenzgrundlage beraubt worden waren, reichsweit entsprechende Zwangsarbeiterlager möglich.

In der Arbeits-Bestandsliste von 1939 werden 36 Juden genannt.

1939 Edgar Wahl zur Zwangsarbeit in Steinfurt, Regulierung der Steinfurter Aa; Aufbaulager für Zwangsarbeiter in Dumte, Borghorst, Steinfurt

September 1941-Februar 1944 Edgar Wahl interniert in Zwangsarbeiterlagern u.a. mit OttoBaer, Moritz Hirschberg, Karl Reissner, Louis Ulmer

September 1944 „Mischehen-Aktion“

19.9.1944 reichsweite „Mischlingsaktion“, Männer wurden zunächst im Sammellager Zeitz, bzw. im Zwangsarbeiterlager Oberloquitz interniert; die Frauen aus dem Reg.-Bezirk Arnsberg werden in das Arbeitslager Elben bei Kassel verbracht.

29.9.1944 Arbeitslager Weißenfels,

10.12.1944 Transport nach Halle/Saale, Leuna-Werke, gemeinsam mit Simon Joseph aus Castrop!

aus Herne sind dies Ernst Laufer, Karl Reissner und Edgar Wahl

12.1.1945 Halle ->Theresienstadt bis 1945

Februar Auflösung des Arbeitslagers Zeitz. Die 55 jüdischen Zwangsarbeiter aus den Mischehen werden mit der Bahn nach Theresienstadt deportiert, Ankunft des Transports XVI/6 am 12.2.45.

12.2.- 8.5 1945 im Ghetto Theresienstadt interniert

5.5.1945 die SS verlässt Theresienstadt und übergibt an das Internationale Rote Kreuz

8.5.1945 Eintreffen der Roten Armee; Befreiung

Rückkehr nach Herne, Schäferstraße 14

Bruder Alfons über Antwerpen, Havanna nach New York

9.11.1932 Heirat in Cottbus mit Brunhilde Kramer (*17.3.1909 in Cottbus)

Bruder Alfons flüchtet nach Antwerpen

Alfons Wahl flüchtet mit Frau Brunhilde von Antwerpen nach Havanna, Kuba

3.-6-5.1941 Alfons Wahl mit Frau Brunhilde auf der SS MEXICO von Havanna nach New York

Wohnadresse Forest Hills, NY

18.2.1954 Tod im American Hospital Paris in Neuilly sur Seine

Vorsitzender der Nachkriegsgemeinde

Im Ortsartikel Herne im LWL- Handbuch der jüdischen Gemeinschaften heißt es über ihn:

„Edgar Wahl (1903–1966) organisierte nach seiner Rückkehr aus Theresienstadt jüd. Gottesdienste in einer Privatwohnung und veranlasste Ende 1945 die Neugründung der Herner Gemeinde, deren Vorsitz er übernahm. Ein Jahr später verzeichnete sie 20 Mitglieder, die Herner Juden nahmen in Bochum am Gottesdienst teil. Wahl nahm 1946 an der konstituierenden Sitzung des ‚Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Westfalen‘ teil. Da die Zahl der jüd. Gemeindemitglieder in Herne sank, schloss sich die Gemeinde 1953 mit den Gemeinden in Bochum und Recklinghausen zusammen. Edgar Wahl war anschließend über mehrere Jahre Mitglied des Vorstandes der jüd. Gemeinde Bochum-Herne-Recklinghausen.“

Gedenken

Beisetzung der Eltern auf dem jüdischen Friedhof in Bochum U1 12/13; Hebräische Inschrift:

Hier ist begraben, er war ein Mann, der vollkommen wandelte, er lebte gerecht in seinem Glauben, er liebte die Gerechtigkeit und die Geradheit, er tat Gutes dem ihm Nahen und auch dem Fremden, es ist Mosche, Sohn des Herrn Jitzchak, er starb am Tag 2 (Montag) 6. Adar 684. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens.

29.7.1980 Pages of Testimony für die Eltern von Hedy Markowitz, Miami

2.11.1989 Pages of Testimony für die Eltern von Hedy Markowitz, Miami

1995 Videointerview der Nichte Hedy Markowitz ((USHMM)

26.3.2000 Pages of Testimony für die Eltern von Hedy Markowitz, Miami

Jakob Heinz Wahl auf der Gedenkliste und der Gedenkstele der Stadt Herne

Quellen

https://www.joodsmonument.nl/en/page/25634

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de985539

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5125825

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130395607

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130395609

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5125825

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/69574244

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Wahl%201912%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Poppers%201914%22%7D

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_mid_43t.html

https://www.statistik-des-holocaust.de/XVI6-1.jpg

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6543); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

Brasilien, Rio de Janeiro, Einwanderungskarten, 1900-1965 – Alfons Wahl

https://www.herne.de/Migration/_Gedenkliste/Gedenkliste_okt_2011.pdf.pdf

https://www.lwl.org/hiko-download/OA_AR/Herne_(Hildebrandt)_443-451.pdf

https://portal.ehri-project.eu/units/us-005578-irn501724-irn505354

Stadtarchiv Bochum (Hrsg.) Vom Boykott zur Vernichtung, Klartext, 2002

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Hubert Schneider, Die Entjudung des Wohnraums: Judenhäuser in Bochum; Münster, 2010

Hubert Schneider, Leben nach dem Überleben; LIT-Verlag 2014

Gedenkbuch der Opfer der Shoa aus Bochum und Wattenscheid, 2000

Manfred Keller/Gisela Wilbertz (Hg.), Spuren im Stein. Ein Bochumer Friedhof als Spiegel jüdischer Geschichte, Essen 1997

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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