Martin Fiebelmann
*29.11.1919 in Hüsten; ✡1975;
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Hermann Fiebelmann *1881 in Haselünne; ✡ 15.9.1920 in Enschede
Heirat der Eltern 23.9.1908 in Enschede
Mutter Aaltje Stofkoper *22.11.1883 in Enschede; ✡ ?
Großeltern Joseph Fiebelmann und Rosette Müller
Großeltern Isaak Stofkooper und Cientje de Leeuw
Geschwister

Cäcilia Fiebelmann * 12.3.1911 (in Borne?); ✡29.1.1942 in Essen; oo Ewald Herz (*20.3.1910-1983)
Isidor Fiebelmann *27.2.1916 in Borne; ✡ nach 1945 in Mc Henry, North Dakota, USA

Rosa Fiebelmann *7.9.1918 in Hüsten; ✡1943 in Auschwitz; oo 1942 Ewald Herz
Neffe Gerson Gerd Herz *21.10.1940 in Neheim; ✡28.3.1943 in Auschwitz
Beruf
Adressen Hüsten, Bahnhofstraße 147; Laer; Falkenstein, Oberpfalz
Heirat Elinor Kempner *23.5.1925
Kinder
Achtung Bruder Isidor (*1916) nicht verwechseln mit Isidor Fiebelmann geb. 1906 in Meppen, der auch nach Riga deportiert wurde und am 29.3.1945 im Buchenwald-Außenlager Ohrdruf umkam.
Weiterer Lebensweg
Zuzug der Familie nach Hüsten (heute Neheim-Hüsten)
15.9.1920 Tod des Vaters in Enschede
21.10.1936 bis 19.07.1937 Schwester Rosa im Heim des Jüdischen Frauenbundes, Neu-Isenburg, gegründet von Bertha Pappenheim für sozial entwurzelte jüdische Mädchen, unverheiratete Schwangere zur Vorbereitung auf die Entbindung und ledige Mütter mit ihren Kindern.
Novemberpogrom
10.11.1938 Martin Fiebelmann verhaftet

Verbringung in das KL Buchenwald; Martin bekommt die Häftlingsnummer 119209

Isidor Fiebelmann (*1906 in Meppen) die Häftlingsnummer 118378
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Martin Fiebelmann mit der Mutter, Bruder Isidor und den Schwestern Cäcilia und Rosa in Hüsten, Bahnhofstraße 147
Schwester Cäcilia zieht nach Essen zu Ewald Herz; Geburt des Sohnes Gerd 21.10. 1940;
29.1.1942 Tod von Cäcilia bei einer Fehlgeburt
1942 Heirat von Schwester Rosa mit dem Witwer Ewald Herz
Aufbaulager Dumte, Steinfurt Laer und Altenberge
Wegen wiederholter Überflutung landwirtschaftlicher Flächen durch die Aa im Kreis Steinfurt wurden vom „Wasser- und Bodenverband Steinfurter Aa“ Maßnahmen zur Regulierung und Begradigung der Aa im Kreis Steinfurt beschlossen, für die das Landesarbeitsamt Dortmund Arbeitslose aus Westfalen zuteilen sollte.
Das erste Lager wurde 1936 in einer ehemaligen Ziegelei in Dumte bei Borghorst erbaut. Es war durch Drahtzaun, Busch- und Baumbestand vor neugierigen Blicken geschützt. Bewacht wurde es von einem zivilen Lagerführer. Die einzige Ausstattung bestand nach einem Bericht eines Überlebenden aus Strohsäcken.
1938 wurden auf der Grundlage des „Geschlossenen Arbeitseinsatzes“ für arbeitslose Juden, die zuvor zumeist als Kaufmann ihrer Existenzgrundlage beraubt worden waren, reichsweit entsprechende Zwangsarbeiterlager möglich.
Minderheiten-Volkszählung in Steinfurt
17.5.1939 im Aufbaulager Dumte bei Borghorst wurden 62 Zwangsarbeiter erfasst, überwiegend aus Westfalen, 16 aus Frankfurt
17.5.1939 im Aufbaulager Laer Steinfurt wurden 47 Zwangsarbeiter erfasst (18 aus Frankfurt)
Die Brüder Fiebelmann sind 1939 noch nicht in Steinfurt.
Das Lager Dumte wurde 1940 nach Abschluss der dortigen Arbeiten geschlossen.
1939 wurde das Aufbaulager Laer in der Bauernschaft Altenburg Nr. 27 a errichtet, in das Isidor und Martin Fiebelmann am 15. Juli 1940 mit einer Gruppe von 31 jüdischen Zwangsarbeitern eingewiesen wurden. Lagerführer war der Nichtjude Otto Rautenberg


Am 16.10.1940 erfolgte dann die Weiterverlegung der Gruppe in das Lager Altenberge, Kümper 35 auf den Hof Geuker.
Deportation aus Frankfurt nach Kauen
22.11.1941 Max Levy, Julius Freudenthal, Markus Wallach
25.11.1951 Massenerschießung im Fort IX
Deportationen nach Riga
Bielefeld -Riga
November 1941 Ankündigung der „Umsiedlung in den Osten“
10.12.1941 frühmorgens Transporte aus dem Gestapobezirk Münster mit LKW und Bussen nach Münster in das zuvor beschlagnahmte Sammellager Gertrudenhof.
Aus den drei Aufbaulagern zählten dazu neben Isidor Fiebelmann 16 weitere Zwangsarbeiter aus:
Altenberge, Kümper 35: Hermann Neuhaus, Mandel Reicher, Julius Sichel, Kurt Zwillenberg
Bocholt: Adolf Blumenthal, Otto Landau, Max Markus
Drensteinfurt: Siegmund Salomon, Rudolf Seelig
Epe: Gustav Gottschalk

Laer nach Münster Isidor Fiebelmann, Walter Perlstein,
Lengerich: Hermann Abrahamson, Norbert Neufeld,
Rheine: Albert Abrahamsohn, Moritz Metzger, Ernst Reinhaus,
Weseke: Heimann Cohen
11.12.1941 Rudolf Sax aus Aschendorf/Sögel via Viehhallen Osnabrück nach Bielefeld
13.12.1941 ab Bielefeld nach Riga
15.12.1941 23 Uhr, Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa Riga
16.12.1941 vom Rangierbahnhof Skirotawa Riga, Fußmarsch ins Ghetto Riga
22.12.1941 500 junge Männer aus den ersten Transporten vom Ghetto zum Aufbau nach Salaspils
Düsseldorf-Riga
Am 11.12.1941 aus Düsseldorf deportiert
Karl Gradus, Siegfried Landau
Dortmund -Riga
27.1.1942 von Dortmund nach Riga deportierte Zwangsarbeiter waren
Aus Bochum Kurt Karl Broch, Karl Hirschberger, Karl Meyer, Wilhelm Naphtali, Fritz Nussbaum
Aus Dorsten die Brüder Max und Ernst Metzger,
Aus Dortmund Arthur Jägers
Aus Gelsenkirchen Chaim Endel, Hermann Goldenberg, Arnold Heymann, Hans Isaacson, Karl Posner, Jonas Reiner und sein Sohn Moritz Reiner, Leo Schwalbe,
Aus Herne Karl Steilberger
Dortmund-Zamosc
28.4.1942 von Dortmund nach Zamosc, Zwangsarbeiter aus dem Reg-Bezirk Arnsberg
Bochum: Leopold Daniel (28.4.1942 von Dortmund nach Zamosc)
Herne: Leopold Weiß, Artur Grabowski, Heinz Hirschen, Hermann Spiro,
Dortmund: Max Löffler
Unna: Eduard Müller
Theresienstadt
Otto Baer aus Bochum, Überlebender von Theresienstadt
Karl Hirsch, Max Löwenhardt aus Dortmund, Überlebende von Theresienstadt
Adolf Nussbaum, Willi Szymjawicz, Emil Schott aus Frankfurt, Überlebende von Theresienstadt
Riga
Isidor Fiebelmann (*1916) deportiert ab Laer über Münster und Bielefeld nach Riga
22.12.1941 500 junge Männer aus den ersten Transporten vom Ghetto zum Aufbau nach Salaspils
Die meisten der nach Riga deportierten Zwangsarbeiter aus den Aufbaulagern sind bereits 1941 unter den mörderischen Bedingungen des Aufbaulagers Salaspils umgekommen.
Die Judenbararacken im Ohl
1941 wurden die ersten Familien aus ihren Wohnungen in das Sammellager „Judenhaus Im Ohl 79″ zwischen Neheim und Hüsten eingewiesen, so auch Martin Fiebelmann, seine Mutter Aaltje, seine Schwester Rosa und Neffe Gerd Herz
Fabrikaktion
20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“
24.2.1943 Schreiben der RVJD-Verwaltungsstelle Dortmund, unterzeichnet von Adolf Stern und Willi Meier an die in Unternehmen beschäftigten jüdischen Zwangsarbeiter:
„Auf Anordnung der Geheimen Staatspolizei – Staatspolizeistelle – Dortmund haben Sie zwecks Überprüfung Ihres Arbeitseinsatzes persönlich amSonnabend, den 27. Februar 1943, vormittags 10 Uhr im jüdischen Gemeindehaus Dortmund, Kampstraße 14, möglichst mit Ihren Arbeitspapieren zu erscheinen. Dieser Aufforderung ist unbedingt nachzukommen. Sie ist ggf.dem Arbeitgeber auf Verlangen vorzulegen. Sollten Sie dieser Aufforderungnicht nachkommen, so haben sie mit den strengsten staatspolizeilichen Maßnahmen zu rechnen.“
Anfang März 1943 reichsweite Fabrikation besonders in Berlin, Breslau und Westfalen; die 300 überwiegend in kriegswichtigen Betrieben Zwangsarbeit verrichtenden Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg wurden im Saal der Gastwirtschaft Gerold am Brackeler Hellweg war in Dortmund als Sammelstelle interniert. In der Nacht vom 1./2.3.43 war die Gaststätte Zur Börse am Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofs zugleich Zwischenstation für Juden aus einen Koppelzug, der von Stuttgart kommend über Trier durch das Ruhrgebiet geführt wurde und bereits 212 Menschen aus Württemberg, Baden und dem Rheinland aufgenommen hatte.


Am 2.3.43 fuhr dieser Zug mit nunmehr über 500 Juden vom Dortmunder Südbahnhof aus weiter in Richtung Bielefeld, wo etwa 250 Menschen für den Transport im Saal der Eintracht am Klosterplatz gesammelt wurden.

1.3.1943 Schwager Ewald Herz deportiert aus Essen nach Auschwitz
2.3.1943 40 Stunden im geschlossenen Güterwaggon, Transport Bielefeld über Hannover – Erfurt – Dresden nach Auschwitz
Auschwitz
3.3.1943 Ankunft und Selektion der ‚Alten Rampe‘ am Güterbahnhof von Auschwitz;
Martin Fiebelmann vermutlich eingewiesen in Auschwitz III zum Aufbau des IG-Farben Werkes Buna Monowitz, auf LKW in die Quarantäneblöcke des „Arbeitslager Buna“ gebracht; Tätowierung der „nichtarischen“ Häftlinge, er bekommt die Häftlingsnummer 105463 in den linken Unterarm tätowiert; diese Nummer wurde März 1943 vergeben
Tod der Mutter Aaltje und der Schwester Rosa mit Sohn Gerson in Auschwitz vermutlich kurz nach der Ankunft in Auschwitz II

Isidor Fiebelmann (*1906!) hat die Auschwitz-Nr. 175263, die Nr. wurde Februar 1944 vergeben
Todesmarsch
15.1.1945 die Häftlinge in Auschwitz hören den russischen Kanonendonner 30 km aus dem Osten
Die SS-Wachmannschaften verbrennen die Lagerkartei und Transportlisten, sprengten die Krematorien und zünden die Magazine mit dem geraubten Häftlingseigentum an.
18.1.1945 Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca. 60 000 Häftlinge; 10000 Männer aus Monowitz
18.1.1945 Beginn des Todesmarsches mit 400 Frauen von Auschwitz- Birkenau nach Loslau
Auschwitz-Überlebende berichten von der Brutalität der SS-Leute während des Todesmarsches:
Asher Aud:
„Wenn wir sind gegangen Totenmarsch, da sind keine Menschen gegangen, da sind nur Skelette gegangen.“
Sigmund Kalinski:
„Wer nicht konnte oder wer zur Seite war, wurde erschossen, bei ungefähr 15 bis 20 Grad minus in unseren Kleidern.“
Isidor Philipp berichtet:
„Wer sich hinlegte, wurde von den SS-Männern, die auf Motorrädern fuhren, erschossen.“
22.1.1945 Martin Fiebelmann zusammen mit Isidor Fiebelmann (*1906!) von Auschwitz nach Buchenwald, zunächst im Kleinen Lager
dann Baracke 66, dieser Block wurde ab Januar für Kinder und Jugendliche eingerichtet, Blockältester war der tschechische Kommunist (KPT) Antonin Kalina (Häftlingsnummer 1173)
9.2.-3.4.1945 stationäre Behandlung im Häftlingskrankenbau von Buchenwald wegen Erfrierungen, Frostwunden an den Füßen
6.4.1945 Himmlers Befehl zur Evakuierung von Buchenwald (47500 Häftlinge)
7.4.1945 Die SS beginnt mit der Evakuierung des Konzentrationslagers; etwa 28.000 Häftlinge des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager werden auf insgesamt 60 Marschrouten – meist zu Fuß – auf die Todesmärsche getrieben, 12000 (Schätzung) kommen auf diesen Märschen um.
10.4.1945 9.280 Insassen haben an diesem Tag Buchenwald in zwei Kolonnen verlassen. Evakuierung des KL Buchenwald in geschlossenen Güterwaggons nach Theresienstadt, Flossenbürg und Dachau
3800 in offenen Güterwagen nach Flossenbürg abtransportiert, darunter auch Paul Wolf und Max Windmüller; ab Flossenburg Todesmarsch zu Fuß Richtung Dachau
Zur Befreiung von Isidor Fiebelmann 1945 gibt es aktuell keine Daten
Nachkriegszeit
Isidor Fiebelmann emigriert in die USA

12.8.1946 ist Martin Fiebelmann als Bewohner des Hauses Nr. 46 in Falkenstein in der Oberpfalz registiert; das lässt vermuten, dass er am Todesmarsch Buchenwald – Flossenbürg Richtung Cham in der Oberpfalz teilnehmen musste.


1960 Negativanzeige für Suchanfragen
Gedenken
–
Quellen
Sabine Jarnot, Vorübergehend gemeldet – Jüdische Zwangsarbeiter in Laer und Altenberge 1940/1941; Laer, 2021
Arbeitgeberliste 1938, Kreis Steinfurt – Kreisstraßenverwaltung
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_411213.html
Hubert Schneider, Die Entjudung des Wohnraums: Judenhäuser in Bochum; Münster, 2010
Hubert Schneider, Leben nach dem Überleben; LIT-Verlag 2014
Gedenkbuch der Opfer der Shoa aus Bochum und Wattenscheid, 2000
https://gedenkbuch.neu-isenburg.de/namen/fiebelmann-rosa
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/131507137
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5284364
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5854827
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/105606487
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130118820
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de865109
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de865115
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de865118
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de865114
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430301-1.jpg
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430302_18.jpg
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430302_19.jpg
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz