Otto Baer
*11.2.1897 in Bochum; ✡ nach 1945; oo Martha Tackenberg
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Isaac Baer *25.2.1855; ✡13.6.1908 in Bochum
Mutter Caroline Bonn *11.3.1853; ✡1.2.1916 in Bochum
Geschwister
Rosa Baer *19.2.1884; ✡26.5.1936; oo Hugo Hirschberg
Emil Baer *29.8.1886 ; ✡2.4.1887 in Bochum
Leo Baer *22.5.1889 in Bochum; ✡ 18.3.1984 in Toronto
Betty Baer *20.11.1890 in Bochum; ✡ 9.10.1891 in Bochum

Albert Baer *3.3.1892 in Bochum; ✡ nach 1945; oo Else Derichs
Schwager
Hugo Hirschberg *25.11.1877 in Holzminden; ✡1942 in Riga; 2. Ehe mit Else Marx
Beruf Kaufmann in Herne
Adressen Bochum, Brückstraße 11, Herne Bahnhofstraße 23
Heirat oo Martha Tackenberg *5.12.1894 in Duisburg; evangelisch; ✡ nach 1945
Sogenannte privilegierte Mischehe nach NS Kriterien; Hans-Joachim ist evangelisch getauft
Sohn Hans Joachim Baer*18.5.1924 in Bochum; ✡ nach 1945
Neffe/Nichte
Karl-Heinz Theodor Baer *22.12.1928 in Bochum; ✡ nach 1945
Lieselotte Baer „Hanny“ *20.8.1930 in Bochum;✡ nach 1945
Weiterer Lebensweg
1936 Tod der Schwester Rosa Baer
Novemberpogrom
10.11.1938 Novemberpogrom in Herne
Otto Baer verhaftet in Herne
9./10.11.1938 Novemberpogrom in Bochum
Albert und Leo Baer, Schwager Hugo Hirschberg, die Neffen Werner Baer und Kurt Hirschberg verhaftet, eingesperrt in Bochumer Polizeigefängnis
13.11.1938 die Herner und 60 Bochumer Juden über die Steinwache in Dortmund mit etwa 500 Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg per Zug nach Sachsenhausen
16.11.1938 der 15-jährige Neffe Werner aus Polizeigefängnis Bochum entlassen
16.12.1938 Otto Baer entlassen aus dem KL Sachsenhausen
1939 Otto Baer zur Zwangsarbeit in Steinfurt, Regulierung der Steinfurter Aa; Aufbaulager für Zwangsarbeiter in Dumte, Borghorst, Steinfurt
7.12.1938 Entlassung von Neffe Kurt Hirschberg aus dem KL Sachsenhausen, Nr. 11878 Block 38
12.12.1938 Bruder Leo aus Sachsenhausen entlassen, Häftlingsnummer 12051;
Leo Bär schreibt später in „Erinnerungssplitter“ einen ausführlichen Bericht über den Novemberpogrom und Sachsenhausen
16.12.1938 Entlassung von Albert Baer aus KL Sachsenhausen entlassen, Nr. 11821
1939 Bruder Leo überträgt seine Gesellschafteranteile an Onkel Hugo Hirschberg
22.2. 1939 Flucht der Familie Leo Baer nach Straßburg und weiter nach Paris;
Bis März 1939 sind die Kinder Karl Heinz und Lieselotte Baer bei ihrer Cousine Frl. Maria Derichs in Düsseldorf, Cappellstraße 26 untergebracht
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Otto Baer mit Frau Martha und beiden Kindern in Herne, Straße der SA 10 (Behrensstraße) Minderheiten-Volkszählung in Steinfurt
17.5.1939 Otto Baer im Aufbaulager Dumte bei Borghorst mit 62 Zwangsarbeiter erfasst, überwiegend aus Westfalen, 16 aus Frankfurt (FfM):
1939 Umzug der Familie Otto Baer in Herne in die Bahnhofstraße 23
17.5.1939 Albert und Elisabeth Baer in Bochum, Diekampstraße 27 bei Minderheiten-Volkszählung; offiziell sind auch die Kinder hier noch gemeldet
17.5.1939 Schwager Hugo noch in der Gerberstraße bei Minderheiten-Volkszählung
13.3.1940 Ankunft von Albert Baer mit Familie in Santos, Brasilien
„Mischlingsaktionen“ 1944/45
19.9.1944 reichsweite „Mischlingsaktion“, Männer wurden zunächst im Sammellager Zeitz, bzw. im Zwangsarbeiterlager Oberloquitz interniert; Vater Otto in das Arbeitslager Zeitz
14.1.1945 verhaftet in Herne, eingewiesen zur Zwangsarbeit nach Zeitz
23.2.1945 von der Gestapo in Halle/Saale eingewiesen in das KL Buchenwald, Häftlingsnummer 131620, Unterbringung im Kleinen Lager, Baracke 53
24.2.1945 auf seinem Lagerkonto werden 34,95 RM „Arbeitslohn“ aus Halle angewiesen
1.3.1945 er bekommt dort die Sperre „Dikal“ (darf in kein anderes Lager) -üblicherweise eine Schutzmaßnahme der kommunistisch beherrschten Lagerorganisation
22.3.1945 Hans Joachim Baer wird trotzdem in das Außenlager S3 nach Ohrdruf verlegt. Hier ist ebenfalls zu vermuten, dass der Lagerwiderstand seine Hand im Spiel hatte und ihn vor dem Zugriff der „Politischen Abteilung“ Lager Gestapo schützen wollte. Es haben sich aber auch einige freiwillig für das Kommando S3 nach Ohrdruf gemeldet
22.3.1945 Mit einer größeren Gruppe polnischer Auschwitzhäftlinge überstellt in das Buchenwald-Außenlager Ohrdruf S 3, in das Crawinkellager (Luftmunitionsanstalt Crawinkel, „MUNA“) bei Stadt Ohrdruf bei Gotha
3.4.1945 zuerst Auflösung des Ohrdrufer Nordlagers, die weiteren Lager folgten Tage später.
Die S III Häftlinge wurden hauptsächlich auf 3 unterschiedlichen Strecken nach Buchenwald getrieben:
1. Ohrdruf – Crawinkel – Gräfenroda – Plaue – Stadtilm – Kranichfeld – Bad Berka – Buchenwald.
2. Crawinkel – Espenfeld – Siegelbach – Nahwinden – Kranichfeld – Tonndorf – Buchenwald.
3. Espenfeld – Jonastal – Arnstadt – Stadtilm – Nahwinden – Kranichfeld – Tonndorf – Buchenwald.
Im Durchschnitt betrug die Entfernung nach Buchenwald 85 Kilometer und die Marschdauer mindestens 3 bis 4 Tage. In Buchenwald wurde die Ankunft von 8.989 Häftlingen von S III
11.4.1945 Befreiung von Sohn Hans in Buchenwald durch die US Army
Befreiung in Theresienstadt
19.9.1944 reichsweite „Mischlingsaktion“, Otto Baer in das Arbeitslager Zeitz

18.2.1945 Ankunft von Otto Baer in Theresienstadt auf dem Transport XII/10 mit 616 überwiegend „Mischlingen“; 283 Personen kamen aus Frankfurt und Hessen, 157 wurden in Halle/Saale aufgenommen, 169 in Leipzig

8.5.1945 Befreiung von Otto Baer in Theresienstadt
Nachkriegszeit
Otto Baer wieder in Herne Bahnhofstraße 23
Gedenken –
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5015211
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/66555465
http://www.dokin.nl/surviving_children/karl-heinz-baer-born-22-dec-1928/
Lieselotte Baer (born 20 August 1930)
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de883906
Stadtarchiv Bochum (Hrsg.) Vom Boykott zur Vernichtung, Klartext, 2002
Ingrid Woelk, Leo Baer. 100 Jahre deutsch-jüdische Geschichte. „Erinnerungssplitter eines deutschen Juden an zwei Weltkriege“ von Leo Baer, Essen 2016
Ingrid Wölk, Nachruf auf Karla Baer, EfdZ 2011
Hubert Schneider, Die Entjudung des Wohnraums: Judenhäuser in Bochum; Münster, 2010
Hubert Schneider, Leben nach dem Überleben; LIT-Verlag 2014
Gedenkbuch der Opfer der Shoa aus Bochum und Wattenscheid, 2000
Manfred Keller/Gisela Wilbertz (Hg.), Spuren im Stein. Ein Bochumer Friedhof als Spiegel jüdischer Geschichte, Essen 1997