
Edith Sundheimer
*29.8.1912 in München; ✡ 1943 in Auschwitz
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion evangelisch
Vater Max Meier Sundheimer*4.1.1869 in Regensburg; ✡ 24.2.1942 in München
Heirat der Eltern 11.10.1909 in Stuttgart
Mutter Martha Gundelfinger *2.9.1880 ✡ 1942 in Theresienstadt
Schwester
Ilse Sundheimer Himer Seelig *
Beruf –
Adressen München, Müllerstraße 52; Gut Winkel, Spreenhagen; Ahrensdorf; Polenzwerder; Berlin, Wormser Straße 7, Marburger Straße 5
Heirat 28.8.1936 Paul Semler *23.5.1909 in Kolberg; ✡ April 1945 Todesmarsch bei Berga
Kinder
Rudolf Semler *27.2.1937 in Berlin
Dorit Semler *18.7.1938 in Polenzwerder
Judis Semler *16.7.1939 in Eberswalde
Jona Semler *17.8.1941 in Berlin
Weiterer Lebensweg
Gut Winkel
6.11.1935 Edith Sundheimer zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen
Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.
28.8.1936 Heirat mit Paul Semler

30.9.1936 Edith Sundheimer-Semler auf der Belegschaftsliste des Gut Winkel;
Ahrensdorf
Oktober 1936 offizielle Eröffnung des Landwerks Ahrensdorf; Paul Semler Landwirtschaftlicher Leiter unter Betriebsleiter Hans Winter
27.2.1937 Geburt des ersten Sohnes Rudolf in Berlin
31.3.1937 steht Paul Semler als landwirtschaftlicher Inspektor auf der Ahrensdorf Praktikanten-Liste, 41 männliche, 14 weibliche Chaluzim; Betriebsleiter Hans Winter; ; Küchenleitung Ruth Seemann
Hachschara Polenzwerder
1938 Edith Semler mit Mann Paul und Sohn Rudolf als Madrichim in das jüdische Lehrgut Polenzwerder bei Eberswalde in Brandenburg.
Das jüdische Lehrgut Polenzwerder wurde 1937 von der Jugendorganisation Jüdisch-nationale Jugend Herzlia (Betar) in Trägerschaft der Staatszionistischen Organisation (Revisionisten) in einer alten Ziegelei eingerichtet. Im Sommer 1938 wurde der BETAR zwangsaufgelöst. Nach dem das Lager im Novemberpogrom überfallen worden war, übernahm die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland RVJD das Lehrgut, in dem bis zu 45 Jugendliche in Landwirtschaft und Gärtnerei auf der Alija nach Palästina vorbereitet wurden.
18.7.1938 Geburt von Tochter Dorit in Polenzwerder
17.5.1939 mit Mann Paul und zwei Kindern bei Minderheiten-Volkszählung in Polenzwerder bei Eberswalde
10.9.1939-3.7.1940 Tochter Judis nach Geburt 7 Wochen nach der Geburt im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg; abgemeldet nach Berlin Bleibtreustraße 33
5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung der noch bestehenden in „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“
30.6.1941 Schließung von Polenzwerder
Rückkehr nach Berlin
17.8.1941 Geburt des Sohnes Jona in Berlin
November 1942 in Kraft tretendes Gesetz: „Alle im Reich gelegenen Konzentrationslager sind judenfrei zu machen und sämtliche Juden sind nach Auschwitz und Lublin zu deportieren.“
Auschwitz
12.1.1943 20. Osttransport mit Mann Paul und den inzwischen vier Kindern aus Berlin nach Auschwitz
Paul Semler bekommt die Auschwitz-Häftlingsnummer 86675 in den Unterarm tätowiert; Edith Semler wird mit den Kindern unmittelbar in die Gaskammer geschickt.
15.1.1945 die Häftlinge in Auschwitz hören den russischen Kanonendonner 30 km aus dem Osten
18.1.1945 Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca 60 000 Häftlinge;
19. – 23.1.1945 Ankunft in den Eisenbahnknotenpunkten Gleiwitz und Loslau. Von Gleiwitz oder Loslau in Güterwaggons zu westlich gelegen Konzentrationslager wie Buchenwald, Ravensbrück
Nach Schätzungen starben bei diesen Räumungstransporten von Auschwitz insgesamt zwischen 9.000 und 15.000 Häftlinge.
10.2.1945 Ankunft von Paul Semler von Groß Rosen in Buchenwald; Buchenwald- Häftlingsnummer 129520; Unterbringung in Block 58
17.2.1945 Zahnextraktion im HKB Buchenwald
26.2.1945 von Buchenwald in das Kommando Schw., Codename Schwalbe für das Buchenwald Außenlager Berga an der Elster im Zikraer Berg; unterirdische Produktion von synthetischen Treibstoffen in den Stollen für die Braunkohle Benzin AG; Unterbringung in einer Werkhalle
11. 4.1945 Todesmarsch mit etwa 1500 zu Fuß Richtung Theresienstadt
21.4.1945 nur noch 850 Häftlinge auf dem Marsch
Tod von Paul Sundheimer auf dem Todesmarsch
Gedenken
12.12.1999 Pages of Testimony von Schwester Ilse Sundheimer Himer Seelig
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212054
https://gedenkbuch.neu-isenburg.de
https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=8139
Video-Interview mit Issy Philipp 1994
Esther Bejerano, Man nannte mich Krümel, Curio Verlag 1989
Esther Bejerano, Erinnerungen, Laika Verlag, 2013
Anneliese Ora Borinski, Erinnerungen
Diethard Aschoff, „Jeden Tag sahen wir den Tod vor Augen“. Der Auschwitzbericht der Recklinghäuserin Mine Winter, in: VZ 94 – 96, 1995 – 97, Hrsg. W. Burghardt, S. 321 – 386
Naftali-Rosenthal-Ron, Aufblitzende Erinnerungen, Autobiografie; deutsche Übersetzung von Alice Meroz, Berlin 2015
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212883
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212054