Loewy Hildegard

Hildegard Loewy

*4.8.1922 in Berlin; hingerichtet 4.3.1943 Berlin Plötzensee

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Erich Loewy *15.5.1894 in Kattowitz; ✡ Januar 1943 Auschwitz

Mutter Käthe Igel *11.7.1896 in Kattowitz; ✡ März 1943 Auschwitz

1932 Mutter Käthe und Schwester Hilde; Foto privat

Geschwister

Eva Johanna Loewy *17.10.1924 in Berlin; ✡ ?; oo Mendel Smuk (*1921)

Beruf Büroangestellte

Adressen Berlin Luitpoldstraße 40; Berlin, Königsdamm 7;

Heirat ledig; in Berlin lebt sie zusammen mit Georg Israel (1921–1944) Königsdamm 7

Schwägerin

Sabine Smuk *14.4.1917 in Essen; oo1942 Rolf Simon; Amsterdam; ✡19.11.1943 in Auschwitz

Miriam Smuk *26.9.1930 in Essen

Kinder keine

Weiterer Lebensweg

1931 verliert sie bei einem Unfall mit einer Straßenbahn den rechten (Unter-)Arm

Mitglied im Hashomer Hatzair (Der junge Wächter) bis zum Verbot 1938;

Besuch jüdischer Schulen

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Hilde Loewy mit den Eltern und Schwester Eva in Berlin, Luitpoldstraße 40

1939 bis Abitur 1940 an der Schule in der Wilsnacker Straße in Berlin-Moabit als einziges Mädchen in einer Klasse von elf Schülern

Abiturklasse 1940, hinten Hilde Loewy, vorn rechts Georg Israel

Sie plant in Jerusalem Medizin zu studieren.

Wegen des durch Unfall verlorenen rechten Armes wird ihr nach dem Abitur 1940 das für die Alija erforderliche Gesundheitszeugnis verweigert, da nur völlig Gesunde zugelassen werden. Auch die Intervention von Recha Freier, Gründerin und Leiterin der Jugendalija kann das negative Votum nicht aufheben.

1940 bis zur Schließung 1941 Ausbildung an der Schule für Gebrauchsgrafik in Trägerschaft der Jüdischen Gemeinde Berlin

Büroangestellte für die Jüdische Gemeinde Berlin

Im Widerstand

1941 schließt sie sich dem illegalen Widerstand an. Lothar Salinger bringt sie zu Treffen der Widerstandsgruppe um Heinz und Marianne Joachim mit. Marianne und Hilde kannten sich aus der Schule.

Ihre Wohnung wird zum Treffpunkt konspirativer Treffen. Obwohl Pazifistin, gehört sie zum Umfeld der kommunistisch geprägten, vom KJVD-Funktionär Herbert Baum aufgebauten Antifaschistischen Gruppe im Prenzlauer Berg Berlin (AGiP)

Ihre Wohnung befand sich in Berlin, Königsdamm 7, wo sie mit ihrem Freund und Mitabiturienten Georg Israel in Berlin lebte.

Februar 1942 Aufteilung der Gruppe um Joachim; Loewy und das Ehepaar Siggi und Lotte Rotholz werden der Gruppe unter der Leitung von Sara Kochmann zugeteilt.

Klebezettel der Gruppe

17.5.1942 Brandanschlag der Gruppe Baum auf die Nazi-Ausstellung „Das Sowjetparadies“

15.7.1942 wird Hilde Loewy im Beisein der Mutter verhaftet und zunächst im Frauengefängnis Barnimstraße eingesperrt. Im Untersuchungsgefängnis Moabit, Lehrter Straße; sie wird verschärften Vernehmungen mit Folter durch Stockhiebe ausgesetzt.

„Wenn uns Juden jemals wieder der Platz als gleichberechtigte Staatsbürger … eingeräumt werden sollte, so könnte dies … nur dadurch geschehen, wenn … einer anderen Regierungsform in Deutsch­land das Wort gegeben würde.“

Hildegard Loewy im Gestapo-Verhör 20. Juli 1942 

15.7.1942 Verhaftung ebenfalls von Lothar Salinger, Heinz Rothholz und vieler Mitglieder der Gruppe Baum durch die Gestapo

6.11.1942 Antrag des Oberreichsanwalts beim „Volksgerichtshof”, die Zulassung eines jüdischen Verteidigers für Hildegard Loewy und andere Mitglieder der Gruppe Baum abzulehnen

Fluchtversuch aus dem Gefängnis Moabit

2.12.1942 Ihr Fluchtversuch mittels zusammengenähter Lakendtreifen misslingt.

Der Prozess

10.12.1942 Zweites Strafverfahren gegen Mitglieder der Gruppe Baum – Hildegard Loewy, 9 von 12 Angeklagten werden vom dem 2. Senat des Volksgerichtshof Berlin wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterischer Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt; drei junge Frauen zu langjährigen Zuchthausstrafen.

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Hildegard Loewy und andere, 10. Dezember 1942

Die Gerichtskosten in Höhe von 300 RM werden der Familie auferlegt.

4.3.1943 Hildegard Loewy hingerichtet mit acht aus der Gruppe Baum, u.a. Lothar Salinger und Heinz Rothholz (Chawer aus Paderborn); nach Todesurteilen durch das Berliner Kammergericht und Volksgerichtshof erfolgten die Hinrichtungen mittels Fallbeil in der Strafanstalt Plötzensee; verantwortlicher Scharfrichter war von 1942 bis 1945 Wilhelm Röttger.

Hildegard Loewy untere Zeile; Quelle: Bundesarchiv

10.3.1943 „Bekanntmachung über die Vollstreckung der Todessurteile an Heinz Rotholz und seinen Gefährten“ auf öffentlich ausgehängten knallroten Plakaten.

Mindestens 33 junge Widerstandskämpfer wurden hingerichtet

Georg Israel

Georg Israel und Hildegard Loewy lernen sich kennen nach dem erzwungenen Schulwechsel auf die jüdische Schule in der Wilsnacker Straße in Berlin-Moabit. Hilde ist das einzige Mädchen in einer Klasse von elf Abiturienten.

17.5.1939 wohnt er noch bei seiner Familie in Berlin, Neidenburger Straße 7

1940 Sie beziehen eine gemeinsame Wohnung in Berlin, Königsdamm 7.

Juli 1942 Georg Israel soll bei ihrer Verhaftung völlig überrascht gewesen sein und von der Widerstandsgruppe nichts gewusst haben. Dies steht allerdings im Widerspruch zur Aussage von Hilde, dass auch in ihrer Wohnung Gruppentreffen stattgefunden hätten.

Georg war nach der Nazi-Klassifikation ein „Mischling 1. Grades“. Bei seiner Zwangsarbeit wird er erwischt, wie er Bonbons einsteckt und wird deshalb 1943 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

18.5.1943 Zuchthaus Brandenburg/Havel

1944 Nach Ende der Haftzeit eingewiesen in das Arbeitserziehungslager AEL Großbeeren

5.4.1944 Tod von Georg Israel im AEL Großbeeren (mit Typhus?)

Gut Winkel

Sommer 1939 Schwester Eva Johanna Loewy zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen

September 1939 Eva Johanna Loewy auf der Belegschaftsliste des Landrates für Gut Winkel;

Kindertransport Dänemark

7.11.1939 Passausstellung für Eva Johanna Loewy in Beeskow

1939 Emigration von 500 garantierten Jugendlichen nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen

9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943

5.11.1940 Eva Johanna Loewy in Søndre Boulevard (Odense Amts og Bys Sygehus), Odensebeim dänischen Zensus

Alija 1940

November 1940 Aus Kopenhagen begibt sich eine Alijah Gruppe von 44 Chaluzim unter Leitung von Erich Lewin, Ruth Ellenberg, Fritz Cohn und Erna Cohn-Bergmann sowie Martin Klunower nach Stockholm. Sie sind ausgestattet mit Studentenzertifikaten der Jugendalija Kategorie B(III).

10.12.1940 Abreise aus Stockholm über Finnland, Russland, Türkei, Syrien, Libanon

24.12.1940 Beirut, Libanon; libanesischer Grenzort Ras en Nakoura,

24.12.1940 Ankunft mit dem Autobus in Haifa mit Studentenzertifikat der Jugendalija Kategorie B(III)

Eva Loewy Nr. 40 auf der Liste der mit der Jugend-Aliyah am 24.12.1940 aus Dänemark, auf dem Landweg über Schweden Finnland, USSR, Türkei, Syrien und Libanon nach Palästina eingereisten 44 Chawerim, davon 15 ursprünglich aus Gut Winkel.

Illegalität- Auschwitz

Vater Erich soll in die Illegalität gegangen sein, wird aber später gefasst.

12.1.1943 Vater Erich mit anderen Bewohnern der Eisenacherstraße 5 (Amtsgerichtsgefängnis?) auf der 26. Osttransport-Liste von Berlin nach Auschwitz

6.3.1943 Mutter Käthe auf dem 35. Osttransport von Berlin nach Auschwitz

Nachkriegszeit

10.6.1945 Einbürgerung von Eva und Mendel Smuk in Palästina

Rückkehr nach Deutschland, nach Düsseldorf zur Schwäerin Miriam Weitzner-Smuk

Gedenken

1.5.2008 Page of Testimony für ihre Schwester Hildegard Loewy von Eva Opher, Düsseldorf

Mitteilung von Schwester Eva und Menachem Opher: Hildegard war seit ihrer Kindheit Mitglied der Bewegung Hashomer Hatzair. Im Alter von neun Jahren wurde sie von einer Straßenbahn überfahren und verlor einen Arm. Aufgrund ihrer Behinderung hatte sie keine Möglichkeit, Deutschland zu verlassen. Nach Abschluss des Gymnasiums arbeitete sie eine Zeit lang in der jüdischen Gemeinde. Danach schloss sie sich der Widerstandsgruppe um Herbert Baum an. Die meisten Mitglieder waren jüdische Kommunisten. Sie selbst war keine Kommunistin.
Die Gestapo nahm die Mitglieder der Gruppe fest. Hildegard wurde am 4. März 1943 im Berliner Gefängnis Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet. Ihre Eltern mussten für die Hinrichtung 300 Mark bezahlen

Gedenkstein für die Gruppe Baum am Lustgarten

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist csm_station14_denkmal2007-LIste-der-Verurteilten.jpg

Gedenktafel für die durch Hinrichtung Ermordeten der Herbert-Baum-Gruppe, Jüdischer Friedhof Weißensee. Die zentrale Straße des Friedhofs heißt seit 1951 Herbert-Baum-Straße.

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18.11.2022 Stolpersteine für ihre Familie

November 2024 Ausstellung in Berlin „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“

Quellen

https://en.wikipedia.org/wiki/Hildegard_L%C3%B6wy

https://de.wikipedia.org/wiki/Marianne_Joachim

http://jwa.org/encyclopedia/article/loewy-hildegard

http://www.gedenkstaette-ploetzensee.de/totenbuch/recherche/person/loewy-hildegard

http://ahnenblog.globonauten.de/eine-wunderbare-reise/

https://www.igdj-hh.de/upload/Clemens%20MW%20Zuflucht.pdf

https://www.gedenkstaette-ploetzensee.de/totenbuch/recherche/person/loewy-hildegard

https://www.gdw-berlin.de/fileadmin/bilder/publ/beitraege/B19.pdf

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Bundesarchiv R 3018/1642

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/12111283

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/12665414

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/86356153

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212101

https://taz.de/Sie-waren-jung-juedisch-und-links/!474371

https://victims.auschwitz.org/victims

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

http://luckauer-juden.de/hachschara.html

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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