Richter Edgar

Jakob Edgar Richter

*22.10.1920 in Berlin; ✡26.12.2016 in Akko, Israel

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Max Richter *23.8.1878 in Berlin; ✡ 29.11.1941 in Sobibor

Mutter Hertha Joseph *9.2.1889 in Chemnitz; ✡ 16.7.1942 Auschwitz

Großeltern Benno Richter (1849-1928) und Marie (*1852)

Großeltern Wolf Joseph (1859-23.10.1942) und Regina Krotoschin (1862-1940)

Geschwister der Mutter

Erich Joseph*16.3.1892 in Chemnitz; ✡5.8.1941 in Buchenwald

Herbert Joseph *15.3.1881 in Chemnitz; ✡17.12.1942 in Buchenwald

Else Joseph *25.4.1890 in Chemnitz; ✡9./10.4.1975 Israel

Bruder

Edgar, Hertha und Gerhard Richter

Gerhard Richter *8.3.1916 in Berlin; ✡ 25.5.1968; oo Sonja Salzberg-Mühlstein

Beruf Landarbeiter

Adressen Berlin, Alt-Friedrichsfelde 39; Chemnitz, Agricolastraße 9; Gut Winkel;

Heirat 5.12.1950 Heirat in Israel mit Estera Preger *5.2.1923 in Bendin; 13.1.2005 Israel

24.1.1939 in Berlin-Schöneberg mit Sonia Salzberg *9.2.1918 in Speyer; 30.3.2006

Kinder vier

Ruth Richter; oo Benjamin

Tochter Richter; oo Carmi

Weiterer Lebensweg

1920 Scheidung der Eltern

Mutter Hertha mit beiden Söhnen zu ihrer Familie nach Chemnitz

1.2.1930 Barmitzwa von Gerhard und 1934 von Bruder Edgar in der Synagoge am Stephansplatz in Chemnitz

Gut Winkel

Frühjahr 1937 Edgar Richter auf der Meldeliste Nr. 4 für die Einberufung zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen

zur Hachschara als Praktikant in Gut Winkel, Spreenhagen

Gerhard Richter zur Hachschara mit Bruder Edgar in das Lehrgut Schocken „Gut Winkel“

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.

1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.

30.6.1938 beide Brüder auf der Belegschaftsliste des Gut Winkel;

Im Novemberpogrom 1938 wurde Gut Winkel nicht überfallen.

Bruder Gerd war Madrich (Jugendleiter) in Gut Winkel; Jessen Mühle; Hof Wecker in Rüdnitz)

Gerhard Richter aus Gut Winkel abgemeldet zur Mutter nach Chemnitz, Bruder Edgar zum Vater nach Berlin

Novemberpogrom in Chemnitz

10.11.1938 Onkel Erich Joseph in Österreich verhaftet

12.11.1938 eingewiesen ins KL Dachau

Die Synagoge am Stephansplatz wurde in Brand gesteckt; 184 verhaftete Juden wurden gezwungen, auf Knien dem Brand der Synagoge zu zusehen. Anschließend wurden sie im Kaßberg-Gefängnis eingesperrt. 171 Männer wurden in das KL Buchenwald gebracht.

Anschließend wurde das Mauerwerk gesprengt. Für die Beseitigung der Trümmer wurden der jüdischen Gemeinde 35.905 RM in Rechnung gestellt.

Der Direktor des Kaufhauses Tietz, Hermann Fürstenheim, wurde im Keller seines Hauses, Weststraße 13, von vier SA- und SS-Männern erschossen

Minderheitenzählung am 17. Mai 1939

Mutter Hertha bei den Großeltern Wolf und Regina Joseph sowie Onkel Erich in Chemnitz, Agricolastraße 9/ I.

Vater Max Richter in Berlin, Alt-Friedrichsfelde 39 bei der Minderheitenzählung

Gerhard und Sonia Richter sind bei der Minderheitenzählung nicht in Gut Winkel, Jessen Mühle oder Hof Wecker erfasst.

In Gut Winkel wurden 210 jüdische Bewohner/Chaluzim erfasst.

Das jüdische Umschulungslager Hof Wecker

Gerhard Richter zur Hachschara in das jüdische Umschulungslager Hof Wecker beim Bahnhof in der Bahnhofstraße in Rüdnitz bei Bernau. Der Hof Wecker in Rüdnitz, gelegen an der Bahnlinie Berlin Eberswalde in Rüdnitz war im Besitz der Familie Schocken. Leiter war Erich Marx. Die Eheleute Chane und Robert Emmerich sind als Köchin und Hausmeister angestellt.

Er bestand von 1933 bis 1941 und war somit eines der ersten zionistischen Hachscharalager der Jüdischen Jugendhilfe in Brandenburg.

Jessen Mühle

Gerhard Richter zur Hachschara ins Jüdischen Lehrgut Jessen-Mühle, bei der Minderheitenzählung

Das Hachschara-Lehrgut Jessen Mühle bei Sorau in der Niederlausitz bestand in der Zeit von 1932 – 1943; Träger war die Jüdische Jugendhilfe. Hier wurden für jeweils etwa 30 Chawerim, jugendliche Pioniere des Hechaluz über einige Monate in verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten, in Hauswirtschaft und in Landwirtschaft zur Vorbereitung auf die Alija ausgebildet (Erstausbildung und Mittlere Hachschara für 14-18 -Jährige)

1938 war Wolfgang Berger Leiter von Jessen Mühle

Keine Polenaktion in Jessen

28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden aus anderen Lagern polnischstämmige Chaluzim abgeschoben, nicht aber aus Jessen. So bleibt auch Berta Englard verschont.  Brunhilde Hoffmann, später Dina Cohen kam im September 1938 nach Jessen, sie schreibt:

„In der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober 1938 wurden im Rahmen der „Polenausweisung“ auch in Jessen Jugendliche und Erwachsene mit polnischer Staatsangehörigkeit verhaftet. … Wir haben Glück gehabt, denn der Bürgermeister von Jessen war sehr anständig und wir sind unbehelligt geblieben.“

Novemberpogrom in Jessen

10.11.1938 keine bekannten Verhaftungen

Die Gestapo-Nebenstelle in Forst verlangte die Schließung der beiden nur zwei Kilometer voneinander entfernten Lager in Schniebinchen und Jessen. Vom RSHA in Berlin wurde dem nicht stattgegeben, so dass der Betrieb bis zur Schließung 1941 weitergehen konnte.

24.1.1939 Heirat in Berlin-Schöneberg mit Sonia Salzberg; zu diesem Zeitpunkt ist Gerhard Richter Madrich in Jessen

1939 -1941 Hans Wolfgang Cohn als Nachfolger von Wolfgang Berger Leiter des Hachscharazentrums Jessen-Mühle bei Sommerfeld in der Niederlausitz zusammen mit Gertrud Weil als Madrichim die Leiter von Jessen

Walter Keschner/Ze’ev Keschet schreibt über die Madrichim Hans Cohn und Trude Weil:

 „Jessen Mühle 1940, der große Schlafsaal der Jungen, über dem Generator. Die Tür im Fußboden des oberen Stockwerkes öffnet sich, und die beiden Madrichim Trude Weil und Hawo kommen herunter aus dem Mädchenstockwerk, um uns gute Nacht zu wünschen. Es war nicht einfach nur ein Gute-Nacht-Wunsch, sondern es wurden jedem Chawer ein paar aufbauende Worte gesagt, kleinen Beichten zugehört – über Anpassungsschwierigkeiten, das gemeinschaftliche Leben, Dinge zwischen einem Jungen und einem Mädchen oder einfach so kurze tröstende Gespräche.“

Alija

Zeitpunkt und Route der Alija von Edgar Richter sind nicht bekannt.

Alija beth auf der SS HILDE – Sonderhachschara 2

12.10.1939 Bahnfahrt von Gerhard und Sonia Richter ab Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien; die zweite Hälfte des Transportes kam von Breslau nach Wien

18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager Atlith bei Haifa

Von Gerhard Richter existiert kein Atlith-Dokument unter seinem Namen

29.7.1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlit

Bei der Entlassung nennen Gerd und Sonja Richter den Bruder Jacob Richter als Anlaufadresse.

Nach der Entlassung schließen sich Sonia und Gerhard Richter dem Kibbuz Mayan Zwi an

Deportationen der Eltern

13.6.1942 Vater Max Richter auf dem Transport von Berlin nach Sobibor

13.7.1942 Mutter Herta auf dem Transport Leipzig- Chemnitz nach Auschwitz

Nachkriegszeit

2.7.1950 Ankunft von Tante Else Joseph auf der SS KADIMA in Israel

28.12.1982 Anschreiben von Gerhard Richter an die Jüd. Gemeinde in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz

Gedenken

22.1.1957, 17.5.1999 und 28.5.2007 Jakob Richter schreibt 40 Pages of Testimony u.a. für die Mutter Herta, die Onkel Erich und Herbert Joseph und die Familie Preger

14.6.2023 Fünf Stolpersteine für die Mutter Herta und ihre vier Geschwister der Familie Joseph in Chemnitz, Agricolastraße 9

Quellen

https://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=19561

https://www.myheritage.de/research

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz

Harald Lordick, Das Landwerk Neuendorf: Berufsumschichtung – Hachschara – Zwangsarbeit; in Pilarczyk, Ulrike (Hrsg) Hachschara und Jugendalija, Schulmuseum Steinhorst, 2019

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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